Persönliche Lesetipps
Jenseits der Bestsellerlisten

Havixbeck -

Die Menschen lesen während der Pandemie mehr. Bei einem ständig wachsenden Angebot an Büchern kann man jedoch schnell den Überblick verlieren. Eine Bibliotheksassistentin, eine Buchhändlerin und ein Buchhändler aus Havixbeck verraten daher ihre persönlichen Buchtipps.

Samstag, 03.04.2021, 06:00 Uhr
Die Buchhändler Eugen Schwind und Beate Janning geben gerne ihre persönlichen Empfehlungen an Leser weiter.
Die Buchhändler Eugen Schwind und Beate Janning geben gerne ihre persönlichen Empfehlungen an Leser weiter. Foto: Kerstin Adass

Seit über einem Jahr befindet sich die Welt im Ausnahmezustand. Von manchen wurde die neu gewonnene Zeit zuhause anfangs noch als Entschleunigung bezeichnet. Doch wenn die Langeweile einsetzt, will diese Zeit gefüllt werden. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels bestätigt, was bereits vermutet werden konnte: Die Menschen lesen während der Pandemie mehr. Bei einem ständig wachsenden Angebot an Büchern kann man jedoch schnell den Überblick verlieren. Eine Bibliotheksassistentin, eine Buchhändlerin und ein Buchhändler aus Havixbeck verraten daher ihre persönlichen Buchtipps.

Empfehlungen statt Bücherabende

Normalerweise finden bei Bücher Janning regelmäßig Bücherabende statt. Da diese momentan ausfallen müssen, setzt das Team der Buchhandlung nun verstärkt auf schriftliche Empfehlungen. „Auf unseren Listen stehen auch Bücher, die nicht unbedingt auf Bestsellerlisten zu finden sind“, sagt Inhaberin Beate Janning. Trifft ein Werk den Geschmack der Buchhändlerin nicht, nimmt sie schnell das nächste Buch zur Hand: „Wenn etwas nach 50 Seiten nicht läuft, ist es bei mir durchgefallen.“ Doch sie lenkt auch ein: „Manchmal muss einfach der passende Augenblick zum Buch kommen.“

Wenn etwas nach 50 Seiten nicht läuft, ist es bei mir durchgefallen.

Beate Janning

Passende Augenblicke gab es für Beate Janning in letzter Zeit mehrere. Der Roman „Stay away from Gretchen“ von Susanne Abel hat sie mit Vielseitigkeit und emotionaler Tiefe überzeugt. Vor der Kulisse des besetzten Heidelbergs erzählt die Autorin eine Familien- und Liebesgeschichte und zeigt dabei Untaten der Nachkriegszeit auf, die auf wahren Tatsachen beruhen. Janning empfiehlt außerdem „Das Flüstern der Bienen“ von Sofia Segovia. In dem ihrer Meinung nach „betörend schönen“ Roman, der um 1910 während der Spanischen Grippe spielt, begibt sich ein kleines Dorf in die Selbstisolation. „Diese Parallele zu Corona war schon spannend“, meint Beate Janning, „aber das ist nur ein Teil der Geschichte. Es geht noch um viel, viel mehr.“

Regine Schröder, Bibliotheksassistentin in der Schul- und Gemeindebibliothek, hat immer Tipps für die Besucher auf Lager.

Regine Schröder, Bibliotheksassistentin in der Schul- und Gemeindebibliothek, hat immer Tipps für die Besucher auf Lager. Foto: Kerstin Adass

Als stellvertretende Leiterin der Schul- und Gemeindebibliothek Havixbeck hat auch Regine Schröder eine lange Liste mit Buchempfehlungen. Lesern, die auf der Suche nach kürzeren Texten sind, legt sie den Kurzgeschichtenband „Erste Person Singular“ von Haruki Murakami ans Herz. „Murakami schreibt sehr fein und beschwingt“, findet Schröder. Wer Lust auf eine fesselnde und trotzdem leicht geschriebene Geschichte hat, sollte ihrer Meinung nach zu „Das Erbe“ von Ellen Sandberg greifen. Und für alle, die etwas Hoffnung benötigen, empfiehlt Regine Schröder John Ironmongers „Der Wal und das Ende der Welt“. „Es ist ein Buch über das, was uns als Menschen zusammenhält“, sagt die Bibliotheksassistentin.

Unkonventioneller Lesestoff

Manchmal darf es beim Lesen jedoch auch etwas unkonventioneller sein. Für Lesemuffel ab 14 Jahren empfehlen Beate Janning und ihr Mitarbeiter Eugen Schwind „Perfect Storm“. Der Münsteraner Dirk Reinhardt erzählt in diesem Jugendthriller von einer jungen Hackergruppe, die gegen Menschenrechtsverletzungen vorgeht. „Es ist super interessant und realistisch geschrieben. Man liest quasi eine Geheimdienstakte über diese Jugendlichen“, erläutert Schwind. Ein weiteres besonderes Buch ist für ihn „Die Telefonzelle am Ende der Welt“ von Laura Imai Messina. Verschiedene Figuren werden dort mit Verlust und Neuanfang konfrontiert – durch eine Telefonzelle, in der man mit den Toten sprechen kann.

Zuletzt kommt Eugen Schwind auf ein Buch zu sprechen, das er selbst nicht fertig gelesen hat. Mit Vampir-Politikern, Albtraumsequenzen und fordernder Sprache trifft „Die nicht sterben“ von Dana Grigorcea sicherlich nicht jeden Geschmack. Der Buchhändler schmunzelt: „Ich kann es trotzdem empfehlen. Für mich kam es gerade einfach nicht im richtigen Moment.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7898040?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F162%2F
Nachrichten-Ticker