Kreis Coesfeld
Innerparteilicher Zoff: AfD streitet um Kandidatenlisten

Kreis Coesfeld -

Ärger um die Kandidatenlisten der AfD Kreis Coesfeld, die sich nun doch noch zur Kandidatenkür für die Kreistagswahlen im September getroffen hat – hinter verschlossenen Türen in Herten. Der AfD-Bezirksverband Münster hat gegen die mit nur zwei Personen bestückte Reserverliste Einspruch erhoben. Was steckt dahinter?

Mittwoch, 29.07.2020, 15:30 Uhr aktualisiert: 29.07.2020, 15:39 Uhr
Kreis Coesfeld: Innerparteilicher Zoff: AfD streitet um Kandidatenlisten
Steffen Christ bei einer AfD-Veranstaltung am 13. April 2018 in der Stadthalle Ahlen mit Björn Höcke Foto: Gunnar A. Pier (Archiv)

„Beide Personen auf der Reserveliste sind nicht einmal Mitglied der AfD“, sagt Steffen Christ, Sprecher des AfD-Bezirksverbands Münster, auf Nachfrage zu den Hintergründen. Wahlrechtlich zwar möglich. „Aber da ist ein Wahlergebnis entstanden, das normalerweise vielleicht anders ausgefallen wäre und nun nicht mehr im Sinne der Mitglieder ist.“ Zu der Versammlung seien nur drei stimmberechtigte Mitglieder erschienen. Mehrfach musste der AfD-Kreisverband seine geplante Kandidatenkür verlegen, zuletzt wurden die Mitglieder kurzfristig nach Herten umgeladen; laut Christ einen Tag vorher. Dabei habe der Bezirksverband schon frühzeitig Hilfe beim Versammlungsort angeboten, so dass dann möglicherweise mehr Mitglieder zur Wahl ihrer Kandidaten erschienen wären.

20 Wahlbezirke ohne Direktkandidaten

Von den 27 Wahlbezirken im Kreis Coesfeld wurden nur sieben mit Direktkandidaten besetzt. Die Kandidaten seien in der Versammlung nicht dabei gewesen, hätten sich aber schriftlich mit der Wahl einverstanden erklärt, so Christ.

Da es aber sowieso für kleine Parteien unwahrscheinlich ist, einen Wahlbezirk direkt zu gewinnen, hat die Reserveliste die entscheidende Bedeutung. Bei nur sieben besetzten Wahlbezirken müsste das Ergebnis allerdings recht gut ausfallen. „Sollte das der Fall sein, würde ein Kandidat von uns in den Kreistag ziehen, der nicht einmal Mitglied der AfD ist“, sagt Christ. Und fragt: „Ob das alles im Sinn der Partei ist?“

Der Kreis Coesfeld prüfte auch am Dienstag noch, ob er dem Einspruch des Bezirkverbands folgt und welchen Vorschlag er dem Wahlausschuss machen soll. Dieser tagt am Donnerstag (30. Juli; 16.30 Uhr Kreishaus 1 in Coesfeld) und stimmt über die Richtigkeit der Wahlvorschläge ab (auch aller anderen Parteien).

Alte Bekannte auf vordersten Listenplätzen

Auf der Reserveliste der Kreis-AfD stehen alte Bekannte: Auf Platz 1 – und damit als Spitzenkandidatin – Dorothe van Suntum aus Nordkirchen, auf Platz 2 ihr Mann Ulrich van Suntum, Prof. em. für VWL in Münster, der mit seinen derben Äußerungen auf Twitter wiederholt für Aufregung sorgte. Das Paar war schon vor Jahren für die AfD im Kreis Coesfeld aktiv.

Dorothe van Suntum war 2013 Sprecherin des Kreisverbands Coesfeld, der sich in dem Jahr auch gründete. 2015 stiegen sie aus, weil ihnen die AfD zu weit nach rechts gerückt war. Sie engagierten sich dann in der von der AfD abgespaltenen Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa), später LKR (Liberal-Konservative Reformer).

Ulrich van Suntum war ihr Landesvorsitzender. 2016 warf er aber auch da das Handtuch, trat von allen Ämtern zurück. Hintergründe zur Kandidatur im Kreis Coesfeld wollte der 65-Jährige nicht nennen. Dorothe van Suntum ist öffentlich seit ihrem Rücktritt kaum in Erscheinung getreten.

Schiller vermutet  „persönliche Gründe“

Martin Schiller, „Notvorsitzender“ der AfD Kreis Coesfeld meint, dass es sich „eher um persönliche Gründe“ handele, warum AfD-Bezirkssprecher Christ den Einspruch gegen die Reserveliste eingelegt habe. „Er hat das auch in Münster getan .“ Da wäre Schiller selber betroffen, wenn die Liste zurückgezogen würde. „In Coesfeld passt wohl wieder eine andere Nase nicht“, vermutet Schiller. Dabei werde es im Landesverband auch positiv gesehen, wenn Van Suntum wieder zur AfD zurückkehren würde.

Der innerparteiliche Zoff hängt offenbar nach wie vor mit dem rechtsextremen „Flügel“ der AfD zusammen. Im Kreis Coesfeld war zunächst Jens Kellmann (Dülmen) als AfD-Vorsitzender aufgeführt, der als national-patriotisch gilt. Am 30. Juni trat der Vorstand des Kreisverbands Coesfeld zurück – und damit Kellmann von der Bühne. Am 10. Juli hat der AfD-Landesverband NRW für den Kreis Coesfeld einen Notvorstand einberufen. Sprecher des Notvorstands ist seitdem Schiller, der auch stellvertretender AfD-Landessprecher und Ratsherr in Münster ist.

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