Lüdinghausen
Bankenkrach kein Märchen

Montag, 14.04.2008, 07:04 Uhr

-chrb- Lüdinghausen . Ganz unbesinnlich mit einem plötzlichen Krachen begann die „Lange Märchennacht “ am Freitag im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen. Eine auf der Bühne aufgestellte Holzbank war unter Schauspieler und Hans-Christian-Andersen-Darsteller Michael Gnade zusammengebrochen.

Es sollte das erste und letzte Malheur des Abends bleiben. Gnade, der zuvor im Gehrock und mit Zylinder, weißem Schal, Gehstock sowie Koffer und Reisetasche die Bühne betreten und bis dahin kein Wort gesprochen hatte, ließ sich von diesem Bankenkrach der etwas anderen Art nicht aus der Fassung bringen und begann ungerührt seinen rund einstündigen Vortrag.

Sein Publikum bestand aus rund 100 Märchenfreunden im ausverkauften Kapitelsaal. Die Organisatoren der „Langen Märchennacht“, das Kulturforum KAKTuS und die „Freunde der Burg Lüdinghausen“, hatten für die Traditionsveranstaltung erneut ein attraktives Programm bis Mitternacht angekündigt, das dann in der Tat auch keine Wünsche offen ließ.

Nach Michael Gnade, der als Ich-Erzähler amüsant in die teils bizarre Biografie des Märchenerzählers Andersen einführte und – begleitet von Pianistin Dina Savi – zwei seiner Erzählungen vortrug, betraten nacheinander Everhard Drees, Jörg Janke und Ina Niehaus die Bühne.

Der heute in Metelen wohnende Drees, der Anfang der 80er Jahre zu den „Paten“ bei der Geburt der Lüdinghauser Märchenwoche gehörte, wartete mit zwei tragischen Erzählungen auf, in denen das Unvermögen von Eltern, die kindliche Fantasie nachvollziehen zu können, jeweils zur Katastrophe führt.

Mehr mit dem Humor hatte es dagegen Märchenerzähler Jörg Janke, der die Zuhörer mit zwei englischen Geschichten in die teils verwunschene Welt von Prinzen, Drachen und verzauberten Liebhabern einführte.

Ina Niehaus wiederum gab eine Erzählung von Wilhelm Busch über eine alte Schnorrerin wieder, der ihre Genusssucht zum Verhängnis wird. Zum Schluss der langen Nacht erzählte Niehaus vom Schicksal des Teufels, der selbst in der Hölle die klammernde Käthe nicht los wird, nur weil er einst als erster Mann mit ihr tanzte. Stalking anno dunnemals . . .

Dass die lange Nacht der Märchen wie in jedem Jahr zu erwachsenem Augenzwinkern statt zu großen Kinderaugen führen würde, war schon bei der humorvollen Eröffnung durch den KAKTuS-Vorsitzenden Günter Trunz deutlich geworden. Und Manfred Kurz von den „Freunden der Burg Lüdinghausen“ empfahl dem bankengeschädigten Hans Christian Andersen, der nach Angaben seines Darstellers Michael Gnade nie einen ordentlichen Beruf erlernt hatte, in seinem nächsten Leben statt Märchenerzähler doch besser Schreiner zu werden.

|

W

Lüdinghauser Märchenwoche auf der dritten Lokalseite

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/416371?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F697865%2F697932%2F
Nachrichten-Ticker