Lüdinghausen
Mit dem Feuer vom Leben zum Tode gerichtet

Lüdinghausen. Einen Blick in die Lüdinghauser Geschichte wirft die Serie „Geschichten zur Geschichte“, die die Westfälischen Nachrichten in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Westfälische Geschichte an der Volkshochschule Lüdinghausen in...

Samstag, 12.07.2008, 17:07 Uhr

Lüdinghausen . Einen Blick in die Lüdinghauser Geschichte wirft die Serie „Geschichten zur Geschichte“, die die Westfälischen Nachrichten in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Westfälische Geschichte an der Volkshochschule Lüdinghausen in lockerer Folge veröffentlichen:

Caspare Beyhoff war eine von vielen Lüdinghauserinnen, die in den 20er Jahren des 17. Jahrhunderts unschuldig als Hexen angeklagt worden waren und vor dem sogenannten Kriminalgericht auf der Burg Lüdinghausen standen. Während der langwierigen Verhandlungen wechselten sich in ihrem Verfahren Leugnen, Folter, Bekenntnis und Widerruf ab.

Der Jesuitenpater Johannes Steill , der sich zu dieser Zeit wohl eher zufällig in Lüdinghausen aufhielt, war zu den Verhandlungen hinzugezogen worden. Bei ihm beichtete Caspare, damit sie, wenn sie stürbe, auf dem Kirchhof begraben werden könne. Nachdem Pater Steill ihr die Beichte abgenommen, aber noch nicht die Absolution erteilt hatte, wurde vor Gericht das Urteil verkündet. Caspare Beyhoff sollte wegen ihrer angeblichen Zauberkunst mit dem Feuer vom Leben zum Tod gerichtet werden.

Als sie jedoch vor dem Tribunal noch einmal bekennen sollte, wie es das Gesetz vorschrieb, bestritt sie erneut alle Vorwürfe. Sie drohte obendrein den Richtern mit Bann und jüngstem Gericht. Das anwesende Volk war ganz entsetzt. Weil nach Meinung der Richter und Schöffen die Beweislast jedoch erdrückend war, wurde angeordnet, Caspare zum Scheiterhaufen zu führen, obwohl kein endgültiges Bekenntnis vorlag.

Vom Gerichtsort auf der Burg Lüdinghausen zuckelte der Wagen mit der Verurteilten zum Marktplatz. Hier wurde ihr noch einmal eindringlich ins Gewissen geredet und ihr alle göttlichen Strafen nach dem Tode vor Augen gehalten. So eingeschüchtert flehte sie den Priester an: „Hilf, Pater, ich will Gnade für mein Vergehen erlangen, und du verweigere mir, die ich nunmehr meine Schuld bekenne, nicht die Lossprechung.“

Aber Steill machte ihr klar, dass er damit warten müsse, bis man zum Scheiterhaufen gelangt sei. Denn dort müsse sie alle, denen sie Kummer und Leid angetan habe, um Verzeihung bitten. Caspare fügte sich in ihr Schicksal, kletterte erneut auf den Karren, folgte dem vorangehenden Priester zur Hinrichtungsstätte im Scharperott (alte Gemeinschaftsweide der Stadt, dort liegt heute die Viehvermarktungsgesellschaft.) Während der Wagen durch die Münsterstraße rumpelte, betete sie mit lauter, aber schmerzverzerrter Stimme.

Am Hinrichtungsplatz vor den Toren der Stadt waren die Bewohner von Lüdinghausen zusammengelaufen. Im Namen von Caspare bat Pater Steill sie alle um Verzeihung: „Sie will sich auch vor Gott und allen Menschen in dieser ihrer Sterbestunde entschuldigen und feststellen, dass ihr kein Unrecht, wie sie fälschlicherweise am Gericht vorgegeben habe, sondern Recht geschehen sei. Sie verdiene die Strafe für ihre Schandtaten und ihr Verbrechen.“

Die anschließenden Fragen, die zum wiederholten Male die hinlänglich bekannten Anklagepunkte, das Schuldeingeständnis und die Bitte um Vergebung durch Gott und die Menschen beinhalteten, beantworte Caspare mit einem „Ja“. Abschließend flehte sie die Obrigkeit an, nicht lebendig verbrannt, sondern vorher durch den Henker stranguliert zu werden. Dann endlich wurde sie vom Priester losgesprochen. Steill forderte die Menge auf, für Caspare zu beten. Die Verurteilte bestieg den Scheiterhaufen, wobei sie die Worte, die der Priester ihr vorbetete, wiederholte. Dann wurde sie unter Anrufung von Jesus und Maria vom Henker auf die Leiter gebunden, stranguliert und anschließend verbrannt.

Caspare Beyhoff starb am 12. Juli 1628 – heute vor 380 Jahren.

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