Lüdinghausen
„Ungeordnet – das hat mich gestört“

Samstag, 29.11.2008, 20:11 Uhr

Lüdinghausen . Auf den ersten Blick werden alle Klischees , die der Laie landläufig einem Archiv und der damit verbundenen Arbeit zuweist, auch in St. Felizitas erfüllt: Es ist im Keller untergebracht, an manchen Stellen muss der Besucher den Kopf einziehen, um sich nicht zu stoßen. Die Einrichtung wirkt nicht nur zufällig, sondern ist tatsächlich spärlich. Freundlich ausgedrückt: Sie ist auf das Notwendigste beschränkt. Dem Klischee von den eher graugesichtigen „Archivmäusen“ wird das Felizitas-Forscherteam allerdings ganz und gar nicht gerecht. Vielmehr ist Liane Schmitz, Dr. Ilona Tobüren-Bots , Ludger Pieper und Jörg Berendes der Eifer und die Begeisterung für ihre Arbeit im Gesicht abzulesen. Seit gut einem Jahr sind sie damit beschäftigt, den umfangreichen Aktenbestand der Kirchengemeinde zu sondieren und in einem sogenannten Findbuch zu katalogisieren – digital nach Schlagworten geordnet.

Und dabei stößt die neugierige Forscherriege auf so manches Schriftstück, das einen Blick auf die Befindlichkeiten der Gemeindemitglieder in vergangener Zeit zulässt. „Früher, so erzählt Jörg Berendes“, ist es üblich gewesen, die Kirchenbänke zu verkaufen.“ Von diesem bis in die Zeit zwischen den Weltkriegen gültigen Brauch kündeten bis in die 1960 er Jahre kleine rautenförmige Namensschildchen an den Bänken. Ab und an sei es vorgekommen, dass sich Kirchgänger auf freie, aber mit Namensschildern versehene Plätze gesetzt hätten. Gegen diesen „Frevel“ seien einige der zahlenden Platzinhaber sogar juristisch vorgegangen. Eine Tatsache, die bei den vier Forschern ein amüsiertes Kopfschütteln auslöst.

Für Ludger Pieper ist die Motivation für seine Aufgabe eindeutig: In Aufsätzen oder Büchern, in denen Akten aus dem Felizitas-Archiv zitiert werden, sei dies oft mit dem Attribut „ungeordnet“ qualifiziert worden. „Das hat mich gestört“, erklärt das langjährige Mitglied des Kirchenvorstandes. Und er nahm sich vor, dem entschieden entgegenzuarbeiten. In Jörg Berendes, der die Geschichte der Stadt Lüdinghausen zu seiner Passion gemacht hat, ist er auf einen Gleichgesinnten gestoßen. In den beiden Historikerinnen Liane Schmitz und Ilona Tobüren-Bots vom Heimatverein haben sie wissenschaftlichen Beistand gefunden.

Das Kirchenarchiv von St. Felizitas umfasst – laut einer alten Aufstellung – insgesamt „75 Kartons, neun Bündel und 64 Urkunden“. „Aber es wächst ja stetig weiter“, weiß Ludger Pieper. So haben Berendes und er bereits damit begonnen, Schriftstücke, Pfarrbriefe und Zeitungsartikel der Kirche der Jahre von 2003 bis 2008 akribisch zu sammeln. Gelagert wird alles – wo sonst – im Keller unter dem Pfarrhaus.

Die besondere Herausforderung für das Team besteht darin, dass das Kirchenarchiv gleich auf zwei Standorte verteilt ist. Während sich ein Teil der Akten seit 1982 im Bistumsarchiv in Münster befindet, ist der andere im Pfarrhaus untergebracht. Die Akten aus der Domstadt können zur Bearbeitung nur auf Zeit ausgeliehen werden und dürfen beispielsweise nicht kopiert oder gescannt werden. „Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1350“, erzählt Liane Schmitz.

Ziel der Arbeit sei es, alle Akten in dem geplanten Findbuch zu verzeichnen, erläutert Pieper. Beim Lesen schwieriger lateinischer Texte können die Forscher auf die Hilfe der Cani-Lehrer Alfred Bertram und Edgar Dohmen sowie Pastoralreferent Michael Kertelge und den Kirchenhistoriker Prof. Andreas Hoffmann aus Münster zurückgreifen. Alle Akten zu lesen, sei allerdings nicht das Ziel, erläutert Ilona Tobüren-Bots. „Das können wir nicht leisten.“

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