Lüdinghausen
Vieles bewegt - oder auch nicht

Donnerstag, 30.04.2009, 09:04 Uhr

Lüdinghausen - Enttäuscht und verbittert sind Vorstand und Mitglieder des Vereins „Pro Stadthalle “. Bei der Versammlung am Dienstagabend im „Hotel zur Post“ wurde die überraschende Wende analysiert, nachdem, wie berichtet, der Aufsichtsrat der Deutschen Kornbranntwein-Vermarktung ( DKV ) eine aus Sicht von Verein und Stadt unerreichbare Hürde aufgelegt hatte. Gefordert wurde eine in jeder Hinsicht unbefristete Bürgschaft bei Parallelbetrieb von DKV und Bürgerhalle.

„Wir haben vieles bewegt, ohne etwas zu bewegen“, fasste Vereinsvorsitzender Bernd Klapheck seinen Rückblick auf neun Jahre ehrenamtliche Arbeit zusammen. „Das Modell war pfiffig und schlüssig“, dankte er dem Planer Prof. Oskar Spital-Frenking. Sein Kommentar zur aktuellen Entwicklung: „Ich war stinksauer, als ich das Ergebnis gehört habe.“ Die Forderung der Bürgschaft sei ein „Totschlagargument“ und ein Signal gewesen, „dass sie, die DKV, nicht mehr wollen“. Sein Unverständnis über die überraschende Kehrtwende der DKV brachte auch Bürgermeister Richard Borgmann zum Ausdruck. „Das Lüdinghauser Modell ist in Nordrhein-Westfalen hoch gehandelt worden. Deshalb ist die Enttäuschung auch so groß.“ Auf die Frage, ob die Entwicklung nicht absehbar gewesen sei, erklärte Vorstandsmitglied Georg Brockmann: „Wir können uns nicht vorwerfen, Herrn Meyer (Geschäftsführer der DKV) nicht nach seiner Legitimation gefragt zu haben.“

An diesem Punkt setzte Vereinsmitglied Arno Meyer an. „Ohne die DKV wären wir weiter“, meinte er und erinnerte an die Vorarbeit von Arbeitskreisen, die mit dem Einstieg der DKV unterbrochen worden sei. „Mit der DKV sind wir auf den falschen Weg gekommen.“

Der Bitternis folgte der Blick in die Zukunft. Der wurde zusätzlich getrübt. Vereinsvorsitzender Bernd Klapheck kündigte an, dass der amtierende Vorstand bei der nachfolgenden Mitgliederversammlung für eine Neuwahl nicht zur Verfügung stehen werde. Wer in einem neuen Team mitarbeiten und die Stadthallenidee weiter verfolgen möchte, könne sich beim Vorstand melden.

Ob die Bürgerschaft mehrheitlich überhaupt eine Stadthalle wünsche, wurde als rhetorische Frage in den Raum gestellt. Eine Stadt in der Größenordnung von Lüdinghausen brauche eine Stadthalle, zeigte sich Vereinsmitglied Winfried Pinninghoff überzeugt. Er wünschte vom amtierenden Vorstand, dessen engagierte Arbeit allseits gewürdigt wurde, dass er seine Erfahrungen einbringe, falls das Projekt auf anderen Wegen angegangen werde.

„Andere Lösungen sind mangels Förderung nicht zu verwirklichen“, äußerte sich Vorstandsmitglied Michael Richter pessimistisch. Gerade wegen der zugesagten Landeszuschüsse für die Investitionskosten in der DKV-Altimmobilie und wegen des schlüssigen Betreiberkonzeptes hätte die Chance bestanden, entsprechend dem Vereinsziel eine Bürgerhalle ohne städtischen Zuschuss zu bauen, bedauerte Bernd Klapheck, das Ziel nicht erreicht zu haben. „Andere Hallen werden defizitär geführt. Das wollten wir nicht“, ergänzte er.

Zu beschließen gab es an diesem informellen Abend nichts. Das soll in der nächsten Mitgliederversammlung geschehen. Sollte sich kein neuer Vorstand zusammenfinden, steht die Frage der Vereinsauflösung an. Für diesen Fall wurde bereits der Transfer des Vereinsvermögens von rund 100 000 Euro in eine zu gründende Bürgerstiftung als Möglichkeit angekündigt.

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