Lüdinghausen
Ausnahmezustand in der Stadt

Lüdinghausen - „Massenanfall von Verletzten“: Nach dem Alarm um 11.21 Uhr wird die größtmögliche Rettungskette gezogen. Hilfskräfte aus Münster und dem Kreis Warendorf rücken aus, um das Lüdinghauser Team von Feuerwehr und Rettungsdienst zu...

Dienstag, 15.09.2009, 07:09 Uhr

Lüdinghausen - „Massenanfall von Verletzten“: Nach dem Alarm um 11.21 Uhr wird die größtmögliche Rettungskette gezogen. Hilfskräfte aus Münster und dem Kreis Warendorf rücken aus, um das Lüdinghauser Team von Feuerwehr und Rettungsdienst zu unterstützen. Auf halber Strecke gibt es Entwarnung. Die angeforderte Verstärkung macht kehrt. Dennoch bleibt die Lage nach dem Chlorgasunfall am Gymnasium Canisianum ernst. Drei Stunden später atmen der Lüdinghauser Löschzugführer Klaus Hesselmann und Einsatzleiter Heiner Muhle sowie Michael Hofmann, Leiter des DRK-Rettungsdienstes im Kreis Coesfeld, durch: „So etwas Großes hatten wir bisher noch nicht. Gott sei Dank ist alles glimpflich verlaufen.“

Insgesamt sind es 48 Personen, vorwiegend Schüler, die durch Chlorgas im Bereich des Schwimmbades am Canisianum in Mitleidenschaft gezogen wurden. Eine Schülerin und ein Erwachsener - bei ihm handelt es sich um den Mitarbeiter einer Firma, die Stabi-Chlor anliefern wollte - blieben stationär im Krankenhaus.

Besonders betroffen war eine Klasse, die zum Zeitpunkt des Unfalls Sportunterricht in der Turnhalle hatte. Die 27 Jugendlichen sowie weitere Schülerinnen und Schüler wurden zur ersten ärztlichen Untersuchung im Schloss Westerholt einquartiert. Unterstützt wurden die Hilfskräfte bei der Betreuung durch ein Team von vier Notfallseelsorgern. Denn abgesehen von Symptomen einer Chlorgasvergiftung hatte der Unfall einige Schüler auch psychisch getroffen.

Das Ende der Rettungskette bildete das St.-Marien-Hospital mit seiner Internistischen Abteilung. Nach der Erstversorgung wurden 39 Jugendliche mit Rettungstransportwagen verschiedener DRK-Einheiten aus Lüdinghausen und den Nachbarorten zu weitergehenden Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht. Im Hospital wurde eine Hotline eingerichtet, über die sich Eltern über den Gesundheitszustand ihrer Kinder informieren konnten. Bis auf eine Schülerin konnten alle Kinder und Jugendlichen nach der Untersuchung dort abgeholt werden.

Kurz nach 13 Uhr gab es für die gesamte Schule Entwarnung. Im Laufe der sechsten Schulstunde war für alle 920 Schülerinnen und Schüler Unterrichtsschluss.

Nach den ersten Ermittlungen, in die neben der Polizei auch das Amt für Arbeitsschutz eingeschaltet ist, kam es beim Umpumpen von Chlor zu der Gasbildung. Die Polizei spricht von einem „Handhabungsfehler“. Im Klartext: Das flüssige Chlor wurde in den Behälter einer anderen chemischen Substanz gepumpt. Diese wird beim Aufbereiten des Schwimmbadwassers über eine Dosierungsanlage in geringen Mengen mit Chlor zusammengeführt. Durch das Verwechseln des Behälters wurde durch die große Menge des Gemisches eine heftige Reaktion mit Chlorgas ausgelöst.

Nach dem Alarm wurden das Schwimmbad und die Darüber befindliche Sporthalle sofort evakuiert. Ebenso vier Klassen, die in Erd- und Obergeschoss dem Schwimmbad- Sporthallenkomplex gegenüberliegen. Die Schülerinnen und Schüler wurden auf freie Räume verteilt. Alarmiert wurde auch die Baufirma, die in der Nachbarschaft auf der „Freiheit Wolfsberg“ den Komplex mit Altenwohnungen errichtet. Die Arbeiter legten eine Pause ein, bis Entwarnung gegeben wurde. Die Polizei riegelte unterdessen den Schulbereich großräumig ab. In die Sperrung wurde auch die Straße Disselhook einbezogen. Die Umleitung führte dazu, dass es innerstädtisch im Bereich Steverstraße, Borg, Blaufärbergasse und Ostwall zu erheblichen Verkehrsbehinderungen kam.

Den Schlusspunkt setzte die Lüdinghauser Feuerwehr. Sie pumpte den Inhalt des 1000-Liter-Behälters ab, in dem nach dem falschen Befüllen die heftige Reaktion entstanden war.

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