Lüdinghausen
Feuerspritze kam zu spät

Freitag, 01.01.2010, 11:01 Uhr

Lüdinghausen - Vor 150 Jahren gab es auf dem heutigen Gebiet Lüdinghausens die Stadt Lüdinghausen (in etwa die Bereiche Altstadt und Stadtfeld ) sowie das Amt Lüdinghausen, zu dem die beiden Gemeinden Seppenrade und Landgemeinde Lüdinghausen gehörten. Ihnen standen der städtische Bürgermeister Josef Wormstall und der Amtmann Johannes Bernhard Hülskötter vor. Sie mussten regelmäßig so genannte Zeitungsberichte an die preußische Obrigkeit schreiben. Diese Darlegungen sowie weiteres Aktenmaterial aus dem Stadtarchiv bilden die Grundlage für diesen Jahresrückblick 1859, den Stadtarchivarin Liane Schmitz zusammengestellt hat.

Von drei verheerenden Schadensfeuern hatte der Lüdinghauser Amtmann Hüls­kötter 1859 zu berichten. Dies ist nicht verwunderlich, denn die Brandgefahr war damals sehr groß. Die Häuser auf dem Lande bestanden damals zum großen Teil aus Holz, Lehm und Stroh das offene Herdfeuer bildete oftmals die einzige Wärme- und die Laterne mit zum Teil offener Flamme die einzige Lichtquelle. Eine kleine Unachtsamkeit löste das Feuer aus, und besonders, wenn die Ernte eingefahren war und Heu, Stroh und Korn in der Diele und dem Dachboden lagerten, fanden die Flammen reichlich Nahrung. Hinzu kam, dass es nur wenig effektive Feuerspritzen , kaum ausgebildete Leute, selten geeignetes Löschwasser und darüber hinaus schwierige Kommunikations- und lange Anfahrtswege für das Löschgerät gab.

„Am 11. Juni zündete der Blitz das Wohnhaus des Colon Steinemann in Berenbrock, welches zu 6/7 beschädigt wurde und am 20ten Juli das Haus des Kötters Ernst in Leversum, welches gänzlich abbrannte. Das erstere Gebäude war bei der Provinzial Feuersozietät zu 2000 Reichsthaler, letzteres bei der Elberfelder Versicherungs-Gesellschaft zu 700 Reichsthaler versichert. Das Mobilar des Steinemann war versichert und ist gerettet, dasjenige des Ernst hingegen nicht versichert und mit geringer Ausnahme mit verbrannt.“

Schaut man sich diese Meldung des Lüdinghauser Amtmanns genauer an, so lässt sich ein unterschiedlicher Brandverlauf rekonstruieren. Wenn auf dem Berenbrocker Hof das Mobiliar gerettet werden konnte, dann spricht dies eindeutig für eine sehr langsame Ausbreitung des Feuers. Trotzdem war das Haus verloren: Zwar war wohl relativ schnell eine Brandspritze zur Stelle, da einige weitblickende Berenbrocker und Daldruper Bauern eine solche gemeinsam auf eigene Kosten angeschafft und in der Bauerschaft untergestellt hatten. Doch leider hatte das übereifrige Löschpersonal schlammiges Wasser benutzt und „da die Pumpe ihr gehöriges Wasser nicht werfen wollte, mit Gewalt darauf los gepumpt“, sodass die Kolben platzten und das Gestänge barst.

Danach hatten die Hofeigentümer und die herbeigeeilten Retter wohl ohnmächtig dem Wüten des Feuers zusehen müssen, denn das Eintreffen einer weiteren Feuerspritze ließ lange auf sich warten. Erschüttert notierte Hülskötter später: „Ich kann nicht unbemerkt lassen, dass wenn die Brandspritze der Stadt Lüdinghausen etwa eine halbe Stunde früher anwesend gewesen und der durch übermäßige Anstrengung beschädigten Privatspritze zu Hilfe gekommen wäre, der Brandschaden sich zu wenigen 100 Thaler belaufen haben würde, indess kam dieselbe erst an, nach dem ich zu Fuß hingegangen und schon eine Weile auf der Brandstelle war. Der § 9 der zusätzlichen Bestimmungen der allgemeinen Polizeiordnung schreibt zwar das Absenden eines Boten zur nächsten Stadt oder Dorf vor, keineswegs aber, daß in allen Fällen die Brandspritze die Ankunft eines solchen Botens abzuwarten habe.“

Im Falle des Bauern Ernst hätte ein rasches Eintreffen des Löschgerätes jedoch nichts gebracht. So gab der Nachbar, der Colon (Bauer) Bernard Schüne später zu Protokoll: „In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch dieser Woche gegen 2 Uhr wurde ich in meinem Hause durch einen so starken Blitz und einen unmittelbaren Donner aufgeschreckt.“ Als Schüne aufstand, um zu überprüfen, ob Schaden an seinem eigenen Hof entstanden war, sah er den Brand beim 50 Schritt entfernten Haus Ernst. „Ich lief unverzüglich dorthin und war bei meiner Ankunft bereits das ganze Haus des Ernst, welches eine Strohbedachung hatte, überall in vollen Flammen. Obgleich alsbald Menschen genug sich versammelten, so konnte doch, da das Haus nicht an einem Ende, sondern überall brannte, wenig aus dem Haus gerettet werden.“ Und Amtmann Hülskötter bilanzierte später: „Bei dem schnellen Umsichgreifen des Feuers sind eine Kuh und ein Rind nebst sämtliche, nicht versicherte Mobilien verbrannt, eine zweite Kuh wird ihren Brandverletzungen erliegen. Die im Hause befindlichen Personen sind mit knapper Noth den Flammen entkommen.“

Maria Richter, die Tochter des Colons Richter, berichtete, dass auch sie zur Hilfe geeilt sei. Doch das Haus habe bereits lichterloh gebrannt, und die Familie Ernst habe sich „in das Haus des Schüne in Sicherheit“ gebracht.

Über den Einsatz einer Feuerspritze ist nichts überliefert, möglicherweise hat man darauf verzichtet, da es nichts mehr zu löschen gab.

Beim Brand in der Bauerschaft Westrup, knapp zwei Monate später, war die Lüdinghauser Feuerspritze, wie Bürgermeister Wormstall stolz notierte, als erste zur Stelle. Dafür sollte es eine Prämie von fünf Thalern geben. Um möglichst schnell zu sein, hatte man sogar die Extrapostpferde des Postunternehmers Cremer eingesetzt, da in der Stadt keine anderen geeigneten Tiere zur Verfügung standen. Doch tatsächlich genutzt hatte der schnelle Einsatz nichts, so findet sich in dem Bericht für den September 1859 der Eintrag: „Am 16. d. Mts brannte das bei der Provinzialfeuersocietät zu 1000 Thaler versicherte Wohnhaus des Kötters Brüggestrath in Westrup hiesigen Kirchspiels gänzlich ab. Das Mobiliar, welches versichert war, ist zum Theil, das ungedroschene Getreide gänzlich abgebrannt.“

Der Schaden war „total“ der Wert der Überbleibsel wurde mit 15 Thaler zehn Silbergroschen angegeben.

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