Lüdinghausen
Camper stehen im Regen

Samstag, 13.08.2011, 09:08 Uhr

Lüdinghausen - Karin Funke hat ein Ritual. Jeden Morgen um sieben verlässt sie im Badeanzug den Campingwagen und nimmt wenige Meter neben dem Campingplatz „ Osterfeld “ im Kanal ein Bad. Auf dieses Vergnügen muss sie aber aktuell verzichten. „Ich war in diesem Jahr noch kein einziges Mal im Kanal baden. Der Sommer spielt uns einen Streich“, meint die Dortmunderin. Trotzdem lebt sie derzeit mit Ehemann Jochen auf der 120-Quadratmeter-Parzelle.

Damit bleiben die Rentner aber die Ausnahme. An Werktagen sei der Platz am Kanal nur zu einem Fünftel vom „harten Kern“ bewohnt, sagt „Osterfeld“-Betreiber Martin Overhage . Auch am Wochenende sei der Platz mit nur knapp der Hälfte der 50 Parzellen unterdurchschnittlich belegt. „Dann ist die Stimmung natürlich getrübt“, sagt er mit der Hoffnung, dass die zweite Ferienhälfte belebter wird.

„Die Kinnlade hängt runter und es ist trostlos“, stimmt Eckhard Huwald, Platzwart des „Camping Rohrkamp am See“, zu. Viele Camper blieben zu Hause, denn „ob sie in ihrer Wohnung oder im Campingwagen fernsehen, ist egal“. Nur müsse man daheim nicht durch den Regen zu den Sanitäranlagen rennen.

Die sechsjährige Melina hingegen lässt sich durch das durchwachsene Wetter nicht vom Spielen abhalten. „Bei Regen ziehe ich Regenhose und Gummistiefel an“, meint sie ganz pragmatisch. „Und dann spiele ich hier viel mit meinen Freundinnen.“ Wenn diese aber erst am Freitag anreisen, sei es auch kein Problem. Gegenüber dem Campingplatz gebe es ja noch die Skateranlage und das Hallenbad, wo sie sich mit ihren Geschwistern austobt.

Ihre Kinder und Enkelkinder hatte das Ehepaar Funke auch viele Jahre über den Sommer mit nach Lüdinghausen genommen. „Unser Sohn hat hier laufen gelernt“, erinnert sich Jochen Funke. Diese Zeit ist nun aber vorbei, trotzdem wohnen die Dortmunder immer noch einige Monate im Jahr in ihrem Wohnwagen, „weil wir uns hier wohl fühlen“. Nach 46 Jahren auf dem Campingplatz kennen sie jeden und jeder kennt sie. Schnell käme man dann mit den Nachbarn, die allesamt zum „harten Kern“ gehören, ins Gespräch. „Bei Regen sitzen wir in einem großem Vorzelt zusammen und reden und reden und reden. „Dann ist es ruckzuck Abend“, beschreibt Karin Funke die Klönnachmittage.

Dass es vor allem die Älteren sind, die hartgesotten auch das miese Wetter überstehen, erklärt sich die Rentnerin mit den „richtigen“ Urlauben der Familien, die es etwa ans Meer zieht. Campen, wie sie es im übrigen Teil des Jahres an jedem Wochenende machen, sei für den großen Sommerurlaub viel zu unspektakulär. Natürlich spiele aber auch das Wetter eine Rolle. „Als es im April und Mai so heiß war, da war der Platz von vorne bis hinten belegt.“ Das Rentnerehepaar möchte nun die Ruhe genießen und „das Beste draus machen“, selbst wenn sie dafür des öfteren ihren Gasofen im Vorzelt anstellen müssen.

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