Lüdinghausen
Formeln und Vokabeln pauken

Donnerstag, 01.09.2011, 12:09 Uhr

lüdinghausen/Senden - „Es ist ja meine eigene Schuld, ich hätte ja auch schon in der Schulzeit etwas machen können“, ist sich Lara Kleuter sehr bewusst, warum sie ihre Sommerferien nun mit Lernerei verbringen muss. Die Schülerin hat bald einen wichtigen Termin: Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres muss sie in die Nachprüfung in Englisch. Dann entscheidet sich, ob sie zusammen mit ihren Freunden in die zehnte Klasse gehen wird - oder eine Extrarunde in der neunten drehen muss. „Nervös bin ich noch nicht. Kurz vorher werde ich aber bestimmt aufgeregt sein“, beschreibt Lara ihre Gefühlslage. Wenn sie die Prüfung besteht, hat sie Besserung geschworen: „Ich bin jetzt auf jeden Fall motiviert, mehr während der Schulzeit zu machen“, hat sie aus der schlechten Englischnote gelernt.

So wie Lara pauken in diesem Sommer so einige Schüler trotz Ferienzeit. Bei Greta Billermann geht es um die Versetzung in die Oberstufe. Die Polynomdivision hat ihr das Leben im vergangenen Schuljahr schwer gemacht. Bei der Schülerhilfe bekommt sie nun drei Mal die Woche Mathenachhilfe - die ganzen Sommerferien hindurch. Mittlerweile blickt sie der Nachprüfung mit weniger Angst entgegen: „Ich glaube, ich haben den Stoff jetzt drauf.“

So zuversichtlich sind nicht alle Prüflinge - oder deren Eltern: „Ich habe diese Woche schon verzweifelte Anrufe von Eltern bekommen, die Angst hatten, dass ihre Kinder nicht genug für die Nachprüfung tun“, so Hans-Michael Adelmund , Inhaber des Studienkreises Lüdinghausen . „Viele denken auch erst Das klappt schon irgendwie, aber die meisten Schüler waren noch nie in einer solchen Prüfungssituation“, warnt Adelmund vor dem Stress, den die Prüfung auslösen kann. Den hebt auch Sabine Ruß von der Lüdinghauser Schülerhilfe hervor: „Neben dem fachlichen Unterricht müssen wir parallel Stress bei den Prüflingen abbauen. Mit psychologischer Unterstützung hoffen wir, dass sie gelassener in die Prüfung hineingehen“, sagt die Lerntherapeutin.

Insgesamt werden es aber weniger Schüler, die sich in den Sommerferien Englischvokabeln und Matheformeln für die Nachprüfung einprägen müssen: „Ich habe das Gefühl, die Lehrer versetzen mehr Schüler auf Probe, sie geben ihnen verstärkt eine zweite Chance“, sieht Adelmund einen möglichen Grund. Schlecht findet er das nicht zwangsläufig: „Wenn die ganzen Sommerferien gelernt werden muss, können sich die Schüler nie richtig erholen. Das neue Schuljahr schließt dann nahtlos daran an“ - und den Schülern fehlt dafür die nötige Kraft.

Ein Weg um die stressvolle Nachprüfung herum führt - wie Lara schon richtig erkannt hat - über mehr Selbstdisziplin schon während der Schulzeit. Das beweist Lea Schuster aus Senden. Zwar droht ihr kein Testtermin zu Beginn des neuen Schuljahres, dennoch hat sie eine Woche ihrer Sommerferien investiert, um intensiv zu lernen. Die Schülerin hatte im abgelaufenen Schuljahr wegen Krankheit viel Stoff verpasst. „Damit ich im nächsten Jahr keine Schwierigkeiten bekomme, habe ich jetzt eine Woche fast jeden Tag Nachhilfe in Mathe bekommen“, erklärt die 13-Jährige. Dafür konnte sie sogar bequem zu Hause bleiben: Die Lehrerin, eine Bekannte, die ihr Abi gerade mit einer Top-Note in Mathe bestanden hat, kam zu ihr. „Mit so einer eigenen Nachhilfelehrerin lernt man schon schneller. Jetzt kann ich das, was ich verpasst habe, auch gut“, ist Lea nun fit für den Schulbeginn.

Ganz auf die Ferien verzichtet hat außerdem nur eine der drei Schülerinnen: Greta hat den Trip an die Ostsee verschoben. Lara und Lea konnten im Urlaub trotz der Paukerei ein bisschen Abstand gewinnen. „Aber ich habe auch im Urlaub einige English-Rätsel gemacht“, verrät Lara. Dann kann in der Prüfung ja eigentlich nichts mehr schief gehen. Viel Glück und Erfolg wünscht jedenfalls auch das WN4YOU-Team allen Prüflingen.

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