Spurensuche am Drahtseil
RWE kontrolliert Leitungsnetz vom Hubschrauber aus

Freitag, 16.09.2011, 17:09 Uhr

Werne - Da muss ein Radfahrer aber mächtig vom Kurs abgekommen sein: An Kuriositäten kann Klaus Schaaf einiges berichten. Seit 24 Jahren fliegt er als Beobachter für die RWE Westfalen-Weser-Ems Hochspannungsleitungen ab und kontrolliert sie auf mögliche Schäden. Aber ein Fahrrad, das in rund zehn Metern Höhe in einem Gittermast hing, hat er auch erst einmal „gefunden“.

Andere Schäden gibt es dagegen häufiger: Blitzeinschläge oder verirrte Schrotkugeln haben Spuren an den Strommasten hinterlassen. Häufig sind es auch gesplissene Leitungen. Diese Mängel sind für den Fachmann mit bloßem Auge zu erkennen.

Gelegentlich greifen die Beobachter auch zum Fernglas. Einmal im Jahr lernen Schaaf und seine Kollegen das gesamte Leitungsnetz des Versorgungsunternehmens aus der Luft kennen. 170 bis 180 Flugstunden sind für die Kontrolle erforderlich.

Fein säuberlich dokumentiert er die „Macken“ für die Kollegen des Reparaturteams. Aber Klaus Schaaf hat als Beobachter im Helikopter sicherlich den bequemsten Job unter den Kontrolleuren. Andere RWE-Mitarbeiter gehen sämtliche 2439 Leitungskilometer ab, einige müssen die Hochspannungsmasten sogar erklettern.

„Dieser Job gehört zu den höchsten Anforderungen der Arbeitsfliegerei“, unterstreicht Stefan Schindelbauer, Leiter des Leitungs-Bereichs Gersteinhof in Werne-Stockum. Diese hohen Anforderung bewältigt Pilot Rolf Berge bereits seit 20 Jahren.

Dieser Job gehört zu den höchsten Anforderungen der Arbeitsfliegerei

„Da gehört auch viel Routine zu“, berichtet er zurückhaltend über seinen Arbeitsalltag, der sich in zehn Metern Entfernung zur Starkstromleitung abspielt. Mit rund 20 Stundenkilometern Geschwindigkeit jongliert er seinen Helikopter des Typs Bell Jetranger III an den Masten und Leitungen entlang. Nur bei Starkwind und bei Regen bleibt die Crew am Boden.

Warum dieser hohe Aufwand betrieben wird? Für Abteilungsleiter Peter Wirz ist die Frage fast überflüssig. Die Versorgungssicherheit hat für das Unternehmen höchste Priorität. Schäden an den Leitungen sollen behoben werden, bevor sie auftreten. Stefan Schindelbauer nennt noch weitere Gründe: „Wir überspannen das tägliche Leben mit unseren Leitungen“, versichert er und verweist auf Straßen, Autobahnen, Schienen und nicht zuletzt Wohngebiete.

Wir überspannen das tägliche Leben mit unseren Leitungen

Eine gerissene Starkstromleitung kann Menschen in Gefahr bringen. Kein Wunder, dass da alle Beteiligten ihren Job ernst nehmen und Klaus Schaaf nach zwei Stunden intensiver Kontrolle erst einmal in die Pause geht.

„Die Konzentration während des Fluges muss die ganze Zeit hoch gehalten werden. Müdigkeit ist bei uns nicht drin“, sagt Schindelbauer. Ansonsten wäre das Geld auch zum Fenster hinaus geworfen, schließlich kostet eine Helikopterstunde rund 500 Euro.

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