Quo vadis Schulstandort?
Fachmann stellt im Fachausschuss Szenarien für Gesamt- oder Sekundarschule vor

Lüdinghausen -

In den vergangenen Jahrzehnten gab es in der politischen Landschaft wohl kaum ein anderes Thema, bei dem die Gemüter regelmäßig so hoch kochten und die Gräben zwischen den Lagern so unüberwindbar schienen. Doch nun gibt es in NRW den Schulkonsens. Und auf einmal gehen die Anhänger des Drei-Säulen-Systems (Haupt-, Realschule, Gymnasium) und die Verfechter einer neuen Schullandschaft mit alternativen Schulformen wie Gesamt- und Sekundarschule (ähnlich einer Gesamtschule, aber ohne eigene Oberstufe) aufeinander zu. Die Folge: In zig Rathäusern wird zurzeit – angesichts weiter sinkender Schülerzahlen – laut über Alternativen nachgedacht, auch in Lüdinghausen. Im Bildungsausschuss am Dienstagabend führte Dr. Detlef Garbe vom gleichnamigen Planungsbüro aus Leichlingen den Politikern anhand von Statistiken und Prognosen anschaulich vor Augen, was passieren würde, wenn Haupt- und Realschule in der Steverstadt ab 2013 zugunsten einer neuen Schulform auslaufen würden.

Donnerstag, 24.11.2011, 05:11 Uhr

„Die gute Nachricht zuerst: Die Schülerzahlen in den nächsten Jahren lassen sowohl die Gründung einer Sekundar- als auch einer Gesamtschule zu“, so Garbe . Für eine Gesamtschule sieht der Gesetzgeber eine Vierzügigkeit, für eine Sekundarschule eine Dreizügigkeit vor. Dies muss allein mit heimischen Schülern erreicht werden.

Neben den Schülerzahlen hatte Garbe auch eine Berechnung der benötigten Raumkapazitäten im Gepäck. „Eine Sekundarschule könnte in Haupt- und Realschule mit kleineren Umbauten realisiert werden“, lautet sein Ergebnis. Bei einer Gesamtschule hingegen würden am Ende 800 Quadratmeter Funktionsfläche fehlen. „Das käme einer Investition von knapp drei Millionen Euro gleich.“

Die weniger gute Nachricht würde die beiden Gymnasien betreffen. Laut den Berechnungen Garbes müssten sowohl das Canisianum als auch das St. Antonius mächtig Federn lassen und kämen nur noch auf Anmeldezahlen von 60 bis 70 Schülern – würden also gerade mal knapp eine Dreizügigkeit in der fünften Klasse erreichen (weitere Zahlen siehe Infokasten unten). Eine Prognose, die im Ausschuss augenscheinlich für Betroffenheit sorgte.

„Wenn Sie mich fragen, wird Lüdinghausen aber auch ohne die Einrichtung einer Sekundar- oder einer Gesamtschule auf lange Sicht ein Problem mit zwei Gymnasien bekommen“, machte Garbe klar. Die Schülerzahlen würden auch nach 2021 weiter sinken. „Das dürfen Sie nicht vergessen.“

Gleichzeitig betonte der Fachmann, dass es keine Notwendigkeit für eine schnelle Entscheidung gebe. „Ich sehe in Lüdinghausen keine Dringlichkeit, so wie in manch anderen Städten.“ Vielmehr stehe eine Grundsatzentscheidung an, wie sich Lüdinghausen seine schulpolitische Zukunft langfristig vorstelle. „Sie können sagen, wir lassen alles, wie es ist. Oder Sie können die Alternativen zumindest detaillierter durchspielen.“ Diese Entscheidung soll nun im Rat am 20. Dezember fallen. Bis dahin sollen sich die Fraktionen eingehend beraten.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/59697?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F697754%2F697756%2F
Erschließung in Gremmendorf soll bald starten
Ortstermin auf der York-Kaserne: Konvoy-Geschäftsführer Stephan Aumann (l.) und Wohn- und Stadtbau-Geschäftsführer Dr. Christian Jaeger nehmen den Plan in Augenschein.
Nachrichten-Ticker