Benzinhorror
„1,67 – ich habe mich erschrocken“

Lüdinghausen -

Am Dienstagmorgen – zumindest zwischen 11 und 11.45 Uhr – kostete der Liter Super an der Shell-Tankstelle 1,67 Euro pro Liter. Zur selben Zeit mussten die Autofahrer auch bei Aral 1,67 für den Liter Super blechen. „Ich war erschrocken, als ich die Preise heute Morgen gesehen habe“, sagte eine Kundin, 1,67 musste ich noch nie bezahlen – zu D-Mark-Zeiten wäre ich zu Fuß gegangen.“ Als schlicht „unverschämt“ bezeichnete aus Olfen die Preise.

Mittwoch, 22.02.2012, 06:02 Uhr

Benzinhorror : „1,67 – ich habe mich erschrocken“
So sah die Preisliste am Dienstag um 10.42 Uhr bei Shell aus. Foto: Bettina Laerbusch

Am Dienstagmorgen – zumindest zwischen 11 und 11.45 Uhr – kostete der Liter Super an der Shell-Tankstelle an der Seppenrader Straße 1,67 Euro pro Liter. Zur selben Zeit mussten die Autofahrer auch bei Aral – zu finden gleich neben dem Finanzamt – 1,67 für den Liter Super blechen. „Diesel war heute Morgen noch vier Cent teurer als jetzt“, sagte Tina Benneker, die bei Aral arbeitet. Kurz vor 12 Uhr kostete Diesel am Dienstag bei Aral 1,52 Euro, bei Shell 1,53.

„Ich war erschrocken, als ich die Preise heute Morgen gesehen habe“, sagte eine Kundin. Ihren Namen wollte sie nicht nennen: „Schreiben Sie eine Lüdinghauser Hausfrau.“ Die war gerade vom Einkaufen wiedergekommen. „1,67 musste ich noch nie bezahlen – zu D-Mark-Zeiten wäre ich zu Fuß gegangen.“ Als „unverschämt“ bezeichnete bei Shell Wolfgang Teitz aus Olfen die Benzinpreise. „Die Preise sind total überzogen. Ein Liter Erdöl in Saudi-Arabien aus der Erde zu holen, das kostet einen Cent, aus der Nordsee vielleicht fünf. Daraus einen Liter Benzin zu machen, kostet noch mal zwei bis zweieinhalb Cent. Das macht maximal sieben Cent für einen Liter“, rechnete er erbost vor. Den Rest steckten sich die Mineralölgesellschaften und der Staat in die Taschen.

Marion Rotter , Stationsleiterin bei Shell, sagte gestern Morgen, dass sie auch privat von Kunden auf die hohen Benzinpreise angesprochen werde. Die meisten, aber nicht alle, wüssten, dass nicht die Pächter der Tankstellen die Preise machten, sondern die Mineralölgesellschaften. „Die Marge bleibt für die Pächter immer gleich.“ Natürlich würden die Leute weniger tanken, sagte auch Kollegin Karin Weber von Aral. Und das wiederum, so Marion Rotter, reduziere den Umsatz im Shop. Karin Weber: „Ist doch logisch, dass der auch zurückgeht.“ Von diesem Umsatz aber, betonte Dr. Peter Meintz , Leiter des ADAC-Regionalclubs in Dortmund, lebten die Pächter.

Marion Rotter rät den Kunden, wenn diese sehen, dass der Preis gerade gefallen ist, sofort zu tanken. Der ADAC, so Meintz, empfehle den Autofahrern zurzeit, nicht mit Monatsrechnung zu zahlen. Die Autofahrer sollten die Preise vergleichen und bei der preiswertesten Tankstelle tanken – „und das nicht nur, wenn sie beruflich unterwegs sind, sondern auch privat und im Urlaub“.

Pächter, so Meintz, hätten von den höheren Preisen nichts. Sie wünschen sich genauso wie die Kunden, dass die Preise endlich wieder fallen. Eine Prognose diesbezüglich wagte Meintz am Dienstag nicht. Doch seine persönliche Meinung, die sagte er: „Es spricht deutlich mehr dafür, dass die Preise weiter steigen werden.“ Gerechtfertigt sei das nicht, „es ist genug Rohöl da“. Doch unter anderem lässt der schwelende Konflikt mit dem Iran Meintz befürchten, dass es weiter rauf und keineswegs runter geht.

Und bei allem gilt: Das meiste kriegt der Staat. Ein Rechenbeispiel: Wenn der Kunden an einer Tankstelle 1,679 Euro für den Liter Super n bezahlt, bekommt der Staat davon 92,636 Cent. Diese Summe setzt sich aus 19 Prozent Mehrwertsteuer, 50 Cent Otto-Kraftstoff-Steuer, 15 Cent Ökosteuer und 0,5 Cent Erdölbevorratungssteuer zusammen. Diese 65,5 Cent sind immer zu zahlen, unabhängig von Preis und Menge. Der Staat verdient nur durch die Mehrwertsteuer an höheren Kraftstoffpreisen mit.

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