Islam-Unterricht wird auch an Grundschulen zum Pflichtfach
„Beitrag zu mehr Integration“

Lüdinghausen -

In Nordrhein-Westfalen leben etwa 1,5 Millionen Menschen muslimischen Glaubens. 328 000 von ihnen sind Kinder. Für sie wird mit Beginn des Schuljahres 2012/13 Islamunterricht – in deutscher Sprache erteilt – zum Pflichtfach. In Lüdinghausen sind davon die Ostwall-, die Ludgeri- und die Marienschule betroffen.

Sonntag, 10.06.2012, 07:06 Uhr

Islam-Unterricht wird auch an Grundschulen zum Pflichtfach : „Beitrag zu mehr Integration“
Der Islamunterricht in deutscher Sprache für mohammedanische Schüler – hier ein Foto aus einer Grundschule in Offenburg – wird mit Beginn des neuen Schuljahrs in Nordrhein-Westfalen Pflicht. Foto: A2070 Rolf Haid

In Nordrhein-Westfalen leben etwa 1,5 Millionen Menschen muslimischen Glaubens. 328 000 von ihnen sind Kinder. Für sie wird mit Beginn des Schuljahres 2012/13 Islamunterricht – in deutscher Sprache erteilt – zum Pflichtfach . Das betrifft auch die Grundschulen . Ein entsprechendes Gesetz hat der Landtag am 21. Dezember 2011 verabschiedet. In Lüdinghausen sind davon die Ostwall-, die Ludgeri- und die Marienschule betroffen.

„Ich begrüße diese Regelung. Da, wo viele Muslime sind, ist das ein gutes Angebot“, sagt Ursula Hüvel , Leiterin der Ostwallschule. An ihrer Schule sind allerdings nur rund ein Dutzend muslimische Kinder. „Die nehmen auf Wunsch ihrer Eltern am katholischen oder evangelischen Religionsunterricht teil“, erklärt die Pädagogin. Auch dort werde das Thema anderer Religionen regelmäßig behandelt.

Die Einführung des islamischen Religionsunterrichts sei auch eine „Anerkennung des Glaubens“, sagt Marita Köstler-Mathes, Rektorin der Ludgerischule. Von den 310 Mädchen und Jungen an ihrer Schule sind knapp zehn Prozent Muslime. Der Unterricht in deutscher Sprache sei zudem ein „Beitrag zu mehr Integration“ der Kinder.

Mit Lehrerin Sezin Tokgöz unterrichtet bereits eine türkischstämmige Lehrerin seit einigen Jahren Islamkunde an der Ludgerischule. Sie bildet sich derzeit zur Islamlehrerin fort. Die entsprechende Prüfung muss sie demnächst vor dem Beirat, der die Interessen der islamischen Organisationen vertritt, ablegen. Die Kollegin sei ein Glücksfall, so Köstler-Mathes. Denn Pädagogen mit der Lehrbefähigung für den Islamunterricht sind rar.

Das bestätigte auf Nachfrage der WN auch Ulla Lütkehermölle von der Pressestelle der Bezirksregierung Münster. Im gesamten Kreis Coesfeld gebe es bislang nur eine Islamlehrerin – eben an der Ludgerischule.

Kein Problem ist das für die Marienschule in Seppenrade. „Bei uns gibt es nur drei muslimische Kinder, die auf Wunsch der Eltern am normalen Religionsunterricht teilnehmen. Zu besonderen islamischen Festen bekommen sie frei“, sagt Schulleiterin Agnes Kuse.

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