Letzter Kartoffelbauer Lüdinghausens
„Mais wäre einfacher“

Lüdinghausen -

Der Hof Farwick in Tüllinghoff bietet als letzter Kartoffeln an. Josef Farwick sieht darin immer noch eine Marktlücke, die es zu besetzen gilt. Handicap beim Kartoffelanbau: Die Erdäpfel sind empfindlich und müssen gehegt werden.

Freitag, 08.11.2013, 18:11 Uhr

Kartoffeln anzubauen, ist kniffelig. Mais ist einfacher.“ Josef Farwick muss es wissen. Fünf Hektar Kartoffeln baut der Landwirt aus dem Tüllinghoff Jahr für Jahr an. Er ist damit der letzte Landwirt der Steverstadt, der sich noch intensiv um die „tolle Knolle“ kümmert. Ansonsten stimmt das, was Bernhard Rüb , Pressesprecher der Landwirtschaftskammer, versichert: „In Westfalen ist die Kartoffel auf dem Rückzug.“

Früher gab es keine Herbstferien. Früher gab es „Kartoffelferien“. Schulkinder verdienten sich bei den heimischen Landwirten ein gutes Taschengeld, wenn sie Kartoffeln „suchten“. Nicht nur diese Tradition ist längst Geschichte. Auch das Einkellern von Kartoffeln ist passé. Diese Vorratshaltung war für die Landwirtschaft ein bedeutender Absatzmarkt.

Und: Die Direktvermarktung machte eine Lagerung beim Erzeuger überflüssig. Heute sind die Keller viel zu warm. „Die Kartoffeln würden keimen“, so Farwick. Aber das ist nicht der einzige Grund, warum die Kartoffel an Beliebtheit verloren hat. Nudeln oder Reis haben der Knolle den Rang abgelaufen. Zwar gehört weiterhin eine frische Kartoffel zum frischen Spargel, aber die Bedeutung als Grundnahrungsmittel ist geringer geworden. „Der Verbrauch ist einfach zurückgegangen“, sind sich die Fachleute einig.

Diese Entwicklung ging auch an der Produktion des Hofes im Tüllinghof nicht spurlos vorbei. Dort hat der Kartoffelanbau Tradition. In den 60er Jahren wurde er vorübergehend eingestellt. „In den 80er Jahren haben wir neu angefangen. Ich habe darin eine Marktlücke gesehen“, so Josef Farwick. Diese Marktlücke hat sich auch bestätigt. Zwar baut Farwick nicht mehr auf 15 Hektar Kartoffeln an, fünf müssen reichen, aber der Bedarf ist auf jeden Fall vorhanden. Geändert haben sich in den Jahrzehnten allerdings die Sorten. Grata ist längst vom Markt, und Cilena ist auch nicht mehr „in“. Belena ist eine von fünf Sorten, die die Farwicks anbauen. „Diese Sorten sind im Ertrag besser und gegenüber dem Wetter wesentlich toleranter“, so Farwick.

50 Prozent der Ernte wird direkt ab Hof verkauft, die andere Hälfte geht an Genossenschaften oder Wiederverkäufer. Dieser Direktverkauf ist zwar sehr arbeitsintensiv, aber der Erfolg gibt den Farwicks recht. „Wir haben viele Stammkunden.“ Und die kommen fast das ganze Jahr über. Daher ist der Familienbetrieb auch dazu gezwungen, Lagerhaltung zu betreiben. „Wir versuchen, das ganze Jahr über die gleiche Qualität anzubieten.“ Diese Vorratshaltung ist nicht ganz einfach. Zwar ist die Scheune als Lager gedämmt, trotzdem muss auf die Temperatur und die Belüftung geachtet werden. „Frost ist tödlich“, so Farwick. Um den Lagerungsproblemen zu entgehen, „lassen wir die Ernte möglichst lange im Boden“, erläutert der Landwirt. Gerodet wird je nach Bedarf, was den Einsatz von Lohnunternehmen unrentabel macht.

Aber nicht nur die Lagerung, die Ernte und die Vermarktung der Kartoffel sind im Vergleich zum Mais arbeitsintensiver. Auch in der Wachstumsphase muss die Knolle „betüdelt“ werden. „Wir haben sie ständig im Auge.“ Für den „letzten Kartoffelbauern aus dem Tüllinghoff“ heißt das beispielsweise, dass die Pflanzen auch immer wieder beregnet werden müssen.

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