Schüler reden über Demokratie, Weltpolitik und schlechte Busverbindungen
„Nichtwähler gehen falschen Weg“

Lüdinghausen -

„Ich werde wählen, weil man sich politisch engagieren muss. Zu sagen, es ist alles schlecht und deshalb nicht zur Wahl zu gehen, das ist der falsche Weg“, sagt Merlin Mönnich. Er ist 17 und Schüler des Antonius-Gymnasiums. So wie er denken viele seiner Mitschüler. „Je mehr wählen gehen, desto mehr Gewicht haben Entscheidungen“, unterstreicht Claudia Stolorz (18).

Sonntag, 30.03.2014, 15:03 Uhr

Es ist kurz vor 10 Uhr. Der Grundkurs Sozialwissenschaften von Jutta Daldrop sitzt im ersten Stock des St.-Antonius-Gymnasiums. Die Schüler haben eine etwas andere Unterrichtsstunde vor sich. Sie gehören der Jahrgangsstufe 11 an und sind 16, 17 und 18 Jahre alt. Vieles haben sie bestimmt gemeinsam, dieses ganz sicher: Alle dürfen am 25. Mai zum ersten Mal wählen, denn zur Kommunalwahl sind in NRW bereits 16-Jährige zugelassen. Werden sie ihr Stimmrecht nutzen? Welche Themen beschäftigen die Schüler, haben sie Herzenswünsche – und wenn ja, welche?

Um es gleich vorwegzunehmen: Die meisten Schülerinnen und Schüler des Kurses wissen bereits jetzt ganz sicher, dass sie ihr Wahlrecht ausüben werden. Zum Beispiel Merlin Mönnich (17). Er sagt: „Ich werde wählen, weil man sich politisch engagieren muss. Zu sagen, es ist alles schlecht und deshalb nicht zur Wahl zu gehen, das ist der falsche Weg.“

Der 17-Jährige hatte im Sommer kurz vor der Bundestagswahl den damaligen Bundeskanzler-Kandidaten Peer Steinbrück live in Hamburg reden hören. Da, erzählt er jetzt im Antonius-Gymnasium, habe er endgültig den Entschluss gefasst, den Jusos beizutreten. Den flächendeckenden Mindestlohn hält er für unerlässlich.

„Es gehen immer weniger wählen“, weiß Claudia Stolorz (19). Sie bedauert das sehr. Nur wenn viele Bürger ihre Stimmen abgeben würden, stehe die Demokratie auf festem Boden. Denn: „Je mehr wählen gehen, desto mehr Gewicht haben Entscheidungen.“

Jan Kortendieck (18) spricht davon, dass es in manchen Städten und Gemeinden unter Umständen eine starke Wählerbindung an eine bestimmte Partei gebe, die traditionell begründet sei. „Die Leute wählen eine Partei, weil sie das schon immer getan haben.“ Junge Wähler hätten die Chance, da etwas zu durchbrechen. Dadurch könne die Demokratie lebendiger werden. Klar, er geht wählen.

„Wenn man die Chance hat, selber wählen zu können, informiert man sich mehr“, sagt Stephan Zimmer und konkretisiert: „Das Interesse ist größer, wenn man selber etwas bewegen kann.“ Es werde viel in Lüdinghausen für Senioren getan, findet er, stark seien sie vertreten. Es müsste mehr junge Vertreter geben. Nicht nur er betont an diesem Morgen jedoch, dass kaum Zeit bleibe, sich neben der Schule zu engagieren. Das Stichwort verkürzte Schulzeit fällt: G 8. „Wählen zu gehen, ist aber schon ein Anfang“, findet Stephan Zimmer.

Auch Julia Rummler (17) findet, dass Schülern aufgrund von G 8 zu wenig Freizeit bleibt. Erst um 16.30 Uhr sei sie in der Regel zu Hause. Lehrerin Jutta Daldrop pflichtet der 17-Jährigen sofort bei. Zeit frei gestalten zu können, das sei immens wichtig, damit sich ein junger Mensch „optimal entwickeln kann“. Dass Jugendliche – „und auch für Erwachsene“ – über selbstbestimmte Zeit verfügen können, müsste eine Selbstverständlichkeit sein.

Juliana Hautz (16) engagiert sich außerhalb der Schule, sie ist nicht wie Merlin Mönnich politisch aktiv, wird aber jetzt im Pfarrbeirat in Seppenrade mitarbeiten. Ein erstes Treffen habe es gegeben, mehr könne sie noch nicht berichten. Juliane Hautz interessieren andere Kulturen. „Es ist interessant zu sehen, wie andere denken.“ Wenn sie einem Wunsch frei hätte, würde sie eine Weltreise unternehmen, sagt sie offen. Zwei Wochen war sie Anfang des Jahres in Thailand. Das Schüleraustausch-Projekt des Antonius-Gymnasiums hatte die Reise möglich gemacht. Die Freundlichkeit der Menschen dort hat die Schülerin beeindruckt. „Die Menschen haben großen Respekt voreinander.“ Ein thailandisches Wort bedeute übersetzt „fließendes Herz“.

Die Schüler sehen über den Tellerrand hinaus, gar keine Frage. Das beweisen nicht zuletzt die Themen, die sie für ihre mindestens 12-seitigen Facharbeiten selbst gewählt haben. Mit dem Konflikt in Syrien hat sich ein Schüler auseinandergesetzt. Eine Schülerin hat sich mit dem Terrorismus im 21. Jahrhundert beschäftigt, eine andere mit der Schuldenkrise in der Eurozone.

Claudia Stolorz hat über Polens Weg in die Marktwirtschaft geschrieben und dafür via Internet auch polnische Bürger interviewt – in polnischer Sprache. Denn die beherrscht die Gymnasiastin. Ebenso wie ihre Eltern.

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