Militär-Nutzung ist Glücksfall
Panzer schützen natürliches Kleinod Borkenberge

Lüdinghausen -

1800 Hektar ist der Truppenübungsplatz Borkenberge groß. Es handelt sich dank des militärischen Schutzes um ein herausragendes Heide- und Moorgebiet. Fachleute aus Politik, Forstwirtschaft und Umweltschutz diskutieren bereits über den Schutz nach der militärischen Nutzung.

Freitag, 25.07.2014, 08:07 Uhr

Verrostete Panzer trifft man auf dem Truppenübungsplatz Borkenberge. Sie dienen als Ziel, wenn mit scharfer Munition geschossen wird. Staatssekretär Horst Becker (r.) ließ sich gestern von Jürgen Rost (Betriebsleiter Bundesforstbetrieb Rhein-Weser) und Thomas Zimmermann, Geschäftsführer Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld) informieren.
Verrostete Panzer trifft man auf dem Truppenübungsplatz Borkenberge. Sie dienen als Ziel, wenn mit scharfer Munition geschossen wird. Staatssekretär Horst Becker (r.) ließ sich gestern von Jürgen Rost (Betriebsleiter Bundesforstbetrieb Rhein-Weser) und Thomas Zimmermann, Geschäftsführer Naturschutzzentrum Kreis Coesfeld) informieren. Foto: west

Wenn Matthias Olthoff anfängt, von Urzeit-Krebsen zu berichten, die in den Borkenbergen wieder aufgetaucht sind, läuft er langsam warm. Schnell ist er dann bei den 30 Prozent aller Spinnenarten in NRW, die es auch in den Borkenbergen gibt. 50 Prozent aller Brutvogel- und Heuschreckenarten des Landes zwischen Rhein und Weser tauchen auch in den Borkenbergen auf. 70 Prozent aller Reptilienarten fühlen sich im heimischen Heide- und Moorgebiet heimisch.

Dass Olthoff mit der Fauna und Flora des Truppenübungsplatzes „per Du“ ist, hat einen besonderen Grund: Er gehörte zum Team der 21 Experten, die acht Jahre lang die Borkenberge unter die Lupe genommen haben und anschließend das Buch „Die Tiere, Pflanzen und Pilze des Truppenübungsplatzes Haltern/Borkenberge“ veröffentlichten. Am Donnerstagmorgen ließ sich Staatssekretär Horst Becker aus dem Landesumweltministerium von der Begeisterung des Forschers anstecken. Er besuchte den Truppenübungsplatz bei seiner Sommertour „Wildes NRW“.

Zurück zu den Urzeit-Krebsen. Dass sie auf dem Truppenübungsplatz zwischen Seppenrade und Haltern wieder aufgetaucht sind, lässt sich nur dadurch erklären, dass sie wahrscheinlich durch die Ketten der Panzer „eingeschleppt“ wurden. Ein weiterer Grund dafür, dass Naturschützer, Forst-Fachleute und Politik von einem Glücksfall sprechen, dass die 1800 Hektar der Borkenberge vom Militär „okkupiert“ werden. So lange das Militär dort „den Daumen drauf hat“, sind Urzeitkrebse, aber natürlich auch alle anderen Tiere sicher. „Keine Menschen, kein Dünger, keine Nutzung“, bringt Olthoff die Vorteile durch den militärischen Schutz auf den Punkt.

Aber wie lange besteht dieser Schutz noch? Und was passiert, wenn das Militär abgerückt ist? Darauf wissen die Fachleute aus Politik, Forst und Umweltschutz auch so recht noch keine Antwort. Sicher ist nur, dass die militärische Nutzung mindestens bis 2018 dauert. Vielleicht auch länger. Das hängt nicht zuletzt von der politischen Großwetterlage ab, schätzt Jürgen Rost, Betriebsleiter des Bundesforstbetriebs Rhein-Weser, die Situation ein. „Wir müssen auf jeden Fall im Gespräch bleiben“, so die Folgerung des Staatssekretärs.

Abwarten wollen jedoch alle Beteiligten nicht, dass sie vom „Tag X“, an dem die Militärs abrücken, und die Borkenberge „ungeschützt“ sind, überrascht werden. Es laufen bereits Gespräche zwischen Umweltverbänden, Land und Forstbehörden. Mit im Boot sind auch die Biologischen Stationen aus den Kreisen Coesfeld, Recklinghausen und Borken , die gemeinsam an einem Strang ziehen, um den Naturraum der Nachwelt zu erhalten.

Mit im Boot bei der Diskussion um die Zukunft „des einzigartigen, faszinierenden Naturraum“, so Becker, ist auch der „Bund für Naturschutz Deutschland“ (BUND). Der drängt darauf, dass das Gelände in absehbarer Zeit in die Kategorie „Nationales Naturerbe“ eingereiht wird, wie Bernd Brüning, BUND-Kreisvorsitzender, gegenüber den WN erläuterte. Das würde dann den staatlichen Schutz gewährleisten. Dann bestünde auch in Zukunft der Naturschutz für die Borkenberge. Sicher ist eins: Das wird teuer. Schon jetzt, so berichtete gestern Jürgen Rost, gebe das Militär für die Pflege und den Erhalt der Heide- und Moorlandschaft eine knappe Million Euro aus.

Und noch ein Aspekt spricht dafür, dass das Gelände auf Dauer vor den Besuchern geschützt werden muss: Einer Öffnung müsste die Beseitigung der Munitionsreste vorausgehen. Dann müsste quasi das gesamte Gelände „umgepflügt“ werden – und wäre damit zerstört.

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