Ruth Weiss:
Kämpferin für die Unterdrückten

Lüdinghausen -

Sie ist vermutlich die prominenteste Lüdinghauserin: Ruth Weiss, Journalistin, Schriftstellerin und Afrika-Expertin wird heute 90 Jahre alt. Seit zwölf Jahren lebt die in Fürth geborene Jüdin in der Steverstadt, 2005 war sie für den Nobelpreis vorgeschlagen worden.

Samstag, 26.07.2014, 06:07 Uhr

Ihr Name steht zwar nicht jeden Tag in der Lokalzeitung, sie ist auch eher selten in der Lüdinghauser Öffentlichkeit zu sehen, ihr Lebenslauf ist sicherlich auch nicht jedem geläufig. Aber Ruth Weiss dürfte die vermutlich prominenteste Bürgerin der Steverstadt sein. Mit 2048 Fundstellen im digitalen Archiv der Westfälischen Nachrichten rangiert sie nicht weit hinter Bürgermeister Richard Borgmann , der als lokale Größe auf 2816 Treffer kommt.

„Es war ein guter Rat, nach Lüdinghausen zu ziehen“, versicherte sie im Gespräch mit den WN. Und das sagt eine Frau, die auch an ihrem heutigen 90. Geburtstag eher an eine andere Welt als die einer münsterländische Kleinstadt denkt. Wenn Ruth Weiss den Begriff „Heimat“ definieren soll, dann liegt diese Welt für sie eher in Afrika als in Deutschland, obwohl sie hier wie dort vorübergehend als „unerwünscht“ galt. Gerade dieses Wandeln zwischen den Welten hat die Journalistin und Autorin als Kämpferin für die Rechte der unterdrückten Menschen geprägt.

Die Biografie in Schlaglichtern: Die Jüdin Ruth Weiss, geb. Löwenthal, wurde in Fürth geboren. 1936 emigrierte sie mit ihrer Familie nach Südafrika. Als Kind, das in Deutschland unter Repressalien leben musste, lernte sie das Leben der schwarzen Bevölkerung unter dem Apartheid-System kennen. Sie engagierte sich früh gegen den Rassismus, wurde Journalistin und Schriftstellerin. Sie knüpfte Kontakt zu politischen Größen wie Nelson Mandela oder die anderen Führer Schwarzafrikas. Mittlerweile 32 Sachbücher und Romane veröffentlichte die Wahl-Lüdinghauserin. Die gefragte Referentin zu Afrika-Themen lebt seit 2002 in der Steverstadt. Auch im hohen Alter schreibt sie wöchentliche Kolumnen für überregionale Zeitungen und veröffentlichte in diesem Jahr ein weiteres Buch. Ihre aktualisierte Autobiografie „Wege im harten Gras“ ist jetzt in englischer Sprache neu aufgelegt worden – in Deutsch ist sie aktuell vergriffen.

Der erste Kontakt mit Lüdinghausen entstand in den 1970er Jahren. Ruth Weiss kann sich noch genau daran erinnern. „Können Sie uns etwas über Sambia erzählen?“, lautete damals die telefonische Anfrage. Die Kirchengemeinde und die gerade gegründete Arbeitsstelle Gerechtigkeit und Frieden orientierten sich im Zeichen der „Dritte-Welt-Arbeit“ nach Afrika. Damals wurden die Fundamente für die noch heute bestehende Partnerschaft der Pfarrgemeinde St. Felizitas mit dem sambischen Monze gelegt. Ruth Weiss kann mit Fug und Recht behaupten, Mitbegründerin dieser Beziehung zu sein, denn später begleitete sie auch die ersten Sambia-Fahrer und führte mit ihnen vor Ort Gespräche. Josef Holtermann, zu dem sie heute noch ein freundschaftliches Verhältnis hat, war damals schon dabei.

In den folgenden Jahren war Ruth Weiss regelmäßiger Gast der Arbeitsstelle, der Bücherei oder bei Vorträgen über die Situation in Afrika. An einen solchen Vortrag kann sie sich noch besonders gut erinnern: Auswärtige „Zuhörer“ versuchten ihre kritischen Anmerkungen zur Apartheidpolitik Südafrikas massiv zu stören. Die Veranstaltung war regelrecht „unterwandert“ worden.

Wohin es Ruth Weiss in den vergangenen Jahrzehnten auch zog – die Kontakte nach Lüdinghausen blieben bestehen. Folgerichtig zog sie im fortgeschrittenen Alter „zu Freunden“, wie sie kürzlich noch in einem Spiegel-Interview versicherte. In Lüdinghausen und der Region ist sie immer wieder als Zeitzeugin eine willkommene Gesprächspartnerin – als Überlebende des Holocaust und als kritische Berichterstatterin über das menschenverachtende System der Apartheid.

 

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