Ehrung für Ruth Weiss:
„Wir brauchen Menschen wie Sie“

Lüdinghausen -

Mit dem Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland wurde am Freitagabend Ruth Weiß geehrt. In Vertretung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft überreichte Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren die Auszeichnung.

Freitag, 12.12.2014, 23:12 Uhr

Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren überreichte Ruth Weiss (r.) Das Bundesverdienstkreuz. Georg Strobel (l.) zählte zu den ersten Gratulanten.
Ministerin Dr. Angelica Schwall-Düren überreichte Ruth Weiss (r.) Das Bundesverdienstkreuz. Georg Strobel (l.) zählte zu den ersten Gratulanten. Foto: Werner Storksberger

Ruth Weiss hat in ihrem journalistischen Leben Regierungen ins Wanken gebracht und ihre Stimme gegen Apartheid und Unterdrückung erhoben. Am Freitagabend wäre selbst sie angesichts des „großen Bahnhofs“ fast sprachlos geworden. Aber nur fast. In einer mitreißenden Ansprache bewies die 90-Jährige, warum sie auch in hohem Alter insbesondere junge Menschen motivieren kann, über die Ungerechtigkeiten dieser Welt nachzudenken. Für ihr Engagement gegen Rassismus verlieh ihr Landesministerin Dr. Angelica Schwall-Düren das Bundesverdienstkreuz .

„Unsere Welt braucht Menschen wie Sie“, hatte Bürgermeister Richard Borgmann der „Frau des Abends“ in seiner Begrüßung zugerufen. Er erinnert daran, dass Ruth Weiss trotz eines eigenen schweren Schicksals immer wieder die Stimme erhoben habe, um Unrecht zu benennen.

Zahlreiche Freunde aus Nah und Fern, Weggefährten und Gleichgesinnte waren am Freitagabend in den Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen gekommen, um Ruth Weiss, die seit 2002 Lüdinghauser Bürgerin ist, zu ihrer Auszeichnung zu gratulieren. Dr. Angelica Schwall-Düren, die die Laudatio hielt, ging nur kurz auf die Lebensgeschichte der Jüdin ein, die 1936 vor den Nazis fliehen musste. „Aber eigentlich kann das, was sie geleistet haben, nicht oft genug wiederholt und geschätzt werden.“ „Sie forderten das Unrecht mit ihrer Schreibmaschine heraus“, charakterisierte die Ministerin das Selbstverständnis von Ruth Weiss. Angelica Schwall-Düren schlug den Bogen zur aktuellen Deutschlandpolitik: „Rassismus und Fremdenfeindlichkeit wandert in die Mitte unserer Gesellschaft. Dagegen müssen wir etwas tun.“

Sichtlich beeindruckt vermutete Ruth Weiss die Initiatoren dieser Auszeichnung in den Reihen der Arbeitsstelle für Gerechtigkeit und Frieden und der Lüdinghauser „Pax Christi“-Gruppe. Damit dürfte sie nicht ganz falsch gelegen haben. „Das ist nicht mehr das Deutschland , das ich verlassen habe“, stellte sie die Wandlung der Gesellschaft fest. Sie würdigte die „vorbildliche Aufarbeitung der eigenen Geschichte“. Das mache sie letztlich stolz auf diese Ehrung . Zunächst habe sie nicht gewusst, wie sie damit umgehen sollte. „Ich hoffe, dass sich diese Toleranz, die wir in Deutschland mittlerweile erleben, auf ganz Europa ausbreitet.“

Zu den zahlreichen Gratulanten gehörte auch eine Delegation der Realschule aus Aschaffenburg, die den Namen der Wahl-Lüdinghauserin trägt. Schulleiter Georg Strobel bewertete die Auszeichnung als „ein Zeichen des Dankes für Dein Engagement.“ Für die „Gastgeber“ und Initiatoren der Auszeichnung rief Konrad Kleyboldt Ruth Weiss zu, dass „du diesen Orden nicht nötig, aber verdient hast“.

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