Kreis Lüdinghausen hatte im Jahr 1974 157 138 Einwohner
Ferdinand Kortmann letzter Landrat

Lüdinghausen -

Nicht nur die Kommunen im Lande NRW wurden mit Beginn des Jahres 1975 neu strukturiert, auch die Kreise wurden anders zugeschnitten. Das betraf auch den Kreis Lüdinghausen, der in Teilen im neuen Kreis Coesfeld aufging.

Samstag, 03.01.2015, 15:01 Uhr

Das Gebiet des Kreises Lüdinghausen gehört bis 1802 zum Bistum Münster, das als Staatsgebiet den Namen „Fürstentum Münster“ und „Münsterland“ trägt. Mit dem Übergang an Preußen bemüht sich Freiherr vom Stein ab 1802, eine preußische Verwaltung aufzubauen. Zuerst sollen die Kreise Bevergen, Wolbeck, Sassenberg, Stromberg und Werne heißen. Am 23. Dezember 1803 entsteht dann aber der Kreis Lüdinghausen, der zwei Jahre Bestand hat, bis Napoleon nach der Region greift. 1808 kommt das Gebiet zum Großherzogtum Berg.

Nach den Freiheitskriegen beginnt 1815 der Aufbau von neuen Kreisen. Am 9. August 1816 erhält David Schlebrügge von der Regierung in Münster den Auftrag, alles zum Konstituieren des Kreises Lüdinghausen vorzubereiten. Zum Kreis gehören – in damaliger Schreibweise – Senden, Venne, Ottmarsbucholz, Lüdinghausen, Seppenrade, Olfen, Selm, Borck, Altlünen, Nordkirchen, Capelle, Suttkirchen, Werne, Bockum, Hövel, Herbern, Walstedde, Drensteinfurt, Ascheberg und Davensberg.

Am 30. Juni 1974 hat der Kreis Lüdinghausen 157 138 Einwohner, von denen 4006 Ausländer sind. 1970 wird gerade die 150 000er-Marke übersprungen, 1965 die 140 000-Einwohner-Hürde genommen. Nach dem Krieg werden 1946 etwa 112 500 Einwohner gezählt. Der Kreis misst 697,8 Quadratkilometer. Durch ihn führen 32 Kilometer Autobahn, 127 Kilometer Bundesstraßen, 144 Kilometer Landstraßen, 272 Kilometer Kreisstraßen und 175 Kilometer Gemeindestraßen. Gemeldet sind 34 215 Pkw, 10 896 Lkw, Busse und Kombis sowie 361 Kräder.

Beim Abschied ist Ferdinand Kortmann Landrat und Mathias Goß Oberkreisdirektor. Im Kreistag sitzen 27 CDU-Vertreter ( Franz Beckmann , Manfred Dierkes, Hermann Feldhaus, Klaus Finck, Heinrich Gaßmöller, Dr. Theodor Grote, Prof. Dr. Alfons Haase, Heinrich Höltmann, Albert Hohmann, Bernhard Isfort, Otto Kamp­hues, Ernst Klaas, Heinrich Kohueshölter, Ferdinand Kortmann, Bernhard Leersch, Alfred Mergelsberg, Elisabeth Nacke, Wilhelm Nick, Alfons Reher, Kurt Römer, Heinrich Schulte Witten, Franz Schulze Nordick, Ferdinand Spahn, Karl-Heinz Thier und Heinrich Westermann) und 16 SPD-Mitglieder (Manfred Alltag, Hugo Barbian, Heinrich Becker, Josef Blau, Kurt Frömbsdorff, Helmut Haardt, Otto Heinze, Bernd Jacob, Josef Kremer, Heinrich Licht, Rudolf Oeser, Helmut Pytlik, Robert Rehling, Werner Schaaf, Hans Weise, Gerhard Zentek).

Die Kreispolitik bedient sich der 1968 gegründeten Wirtschafts- und Industrieförderungsgesellschaft, der 1950 ins Leben gerufenen „Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft für den Kreis Lüdinghausen“, der Verkehrsgesellschaft für den Kreis Lüdinghausen (VKL) und der Sparkasse des Kreises Lüdinghausen.

Die Städte und Gemeinden müssen 1974 eine Kreisumlage von 21 Millionen Mark aufbringen, der Kreishaushalt hat ein Volumen von 61,979 Millionen Mark. In den Jahren 1966 bis 1968 hat der Kreis sich ein etwa sechs Millionen Mark teures neues Verwaltungsgebäude – heute Sitz der Sparkasse – gegönnt. Millionenbeträge sind vorher in Kreisberufsschulen in Werne und Lüdinghausen oder als Zuschüsse in Krankenhäuser geflossen.

Das passierte mit den Orten:

Ascheberg (6555 Einwohner), wozu schon Davensberg gehört, und Herbern (4521) bilden die Gemeinde Ascheberg, Capelle (1459), Südkirchen (2249) und Nordkirchen (3961) werden zu Nordkirchen zusammengeschlossen. Senden (8246), Ottmarsbocholt (2500) und Venne (143) ergeben die neue Gemeinde Senden, Lüdinghausen (12 735) und Seppenrade (4369) werden zu Lüdinghausen, Stadt (5082) und Kirchspiel (2197) zur Stadt Olfen, allesamt im Kreis Coesfeld.

Werne (21 634) und Stockum (4113) gehen in die Stadt Werne auf, Bork mit Cappenberg (7175) und Selm (15373) in Selm und Altlünen (15 496) geht nach Lünen, allesamt Kreis Unna. Drensteinfurt mit dem 1969 eingemeindeten Walstedde (7877) erhält noch Rinkerode dazu und wechselt in den Kreis Warendorf, Bockum-Hövel (26210) wird der Stadt Hamm zugeschlagen.

► Quelle: Aus der Geschichte des Kreises Lüdinghausen, 1803 - 1974, von Heinrich A. Mertens und Josef Limbach, herausgegeben 1974 von Oberkreisdirektor Matthias Goß.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/2974739?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F4849097%2F4849109%2F
Nachrichten-Ticker