Der größte Ammonit der Welt wurde vor 120 Jahren in Seppenrade entdeckt
Koloss aus der Kreidezeit

Seppenrade -

Er ziert Wappen, Flaggen und Siegel. Er wurde in Marzipan oder in Brotform hergestellt, und er steht als Abguss mitten im Dorf sowie im größten Naturkundemuseen der Welt – der „Parapuzosia seppenradensis“. Hinter diesem Namen verbirgt sich der größte Ammonit der Welt, der genau vor 120 Jahren, am 22. Februar 1895, von Heinrich Ettmann in einem Steinbruch nahe des Hofs Grube in der Bauernschaft Leversum gefunden wurde. Rund 1,80 Meter groß, über 3,5 Tonnen schwer und etwa 80 Millionen Jahre alt.

Sonntag, 22.02.2015, 05:02 Uhr

Das Naturkundemuseum in Münster präsentiert heute den in Seppenrade entdeckten Ammoniten.
Das Naturkundemuseum in Münster präsentiert heute den in Seppenrade entdeckten Ammoniten. Foto: LWL/Thomas

Ammoniten lebten vor 570 Millionen Jahren im Unterdevon bis vor etwa 60 Millionen Jahren in der Kreidezeit . Damals bedeckte das Meer noch das komplette Münsterland. Diese Riesen zählten zu den häufigsten und artenreichsten Lebewesen in den Meeren. Die Ammoniten waren Kopffüßer aus der Gattung der Weichtiere, zu der auch die Tintenfische zählen. Ein Gehäuse aus Kalk bot den Weichtieren mit seinen vielen Fangarmen Schutz. Dieses Gehäuse war in verschiedene Kammern unterteilt. Einige davon waren mit Gas gefüllt, so dass sich die riesigen Tiere im Wasser bewegen konnten. Mit dem Ende der Kreidezeit sind die Ammoniten ausgestorben.

Professor Dr. Hermann Landois , Direktor des Westfälischen Provinzialmuseums für Naturkunde, hatte bereits im April 1887 triumphiert, als ein im selben Steinbruch gefundener Ammonit mit einer Größe von 1,36 Meter dem Museum vom Kaufmann und Heimatforscher Theodor Nopto angeboten wurde. Schon dieses Exemplar war wesentlich größer als alle bisherigen Funde. Am 23. Februar 1895 erhielt Landois dann erneut von Nopto über den Postbeamten Theo Siepe die telegrafische Mitteilung, dass ein noch wesentlich größerer Ammonit, nur 100 Meter von der alten Stelle, gefunden worden sei. Seppenrade war damals der erste Ort im Kreis, der über die „neue Telegrafie-Technik“ der Post verfügte. Landois schickte sofort seinen Assistenten, Dr. Franz Westhoff, nach Seppenrade, um Gespräche mit dem Betreiber des Steinbruchs, Kortmann, zu führen und das versteinerte Ungetüm für die Wissenschaft zu sichern. „Für 125 Mark, franco Abladestelle Westfälischer Zoologischer Garten Münster “, lautete der Vertrag. Zwar zerbrach der Ammonit bei der Bergung in sieben Teile, konnte aber wieder in seine Ursprungsform zusammengefügt werden. Sechs Pferde waren damals notwendig, um den Koloss aus der Kreidezeit am 8. März 1895 auf gefrorenen Straßen nach Münster zu transportieren.

Geologen aus aller Welt beschäftigten sich in den vergangenen 120 Jahren mit der Riesenschnecke aus Seppenrade, die alle bis dahin gefundenen in den Schatten stellte. „Der große Ammonit hat mich mehr in Erstaunen versetzt als die Pyramiden in Ägypten“, soll sich der Stuttgarter Geologe Oscar Fraas (1824 – 1897) damals geäußert haben. So wurde der Kopffüßer aus Seppenrade zum Wahrzeichen des Museums in Münster und 2008 von der Paläontologischen Gesellschaft, einer internationalen Vereinigung von Geowissenschaftlern, zum ersten „Fossil des Jahres“ gewählt.

Bis in die 80er Jahres des letzten Jahrhunderts war in dem alten Steinbruch noch ein rund 600 Meter langer Stollen in sieben Meter Tiefe zugänglich. Der verlief aus der Nähe des Gehöfts Grube, unter der Dülmener Straße her, bis in Richtung des Anwesens Schriewer. Dieser Stollen, dessen Gewölbe zum Teil mit Ziegeln befestigt war, entwässerte den Steinbruch und versorgte die Fischteiche bei Bolle mit Wasser. Ein- und Ausgang wurden aber aus Sicherheitsgründen dicht gemacht.

Gelassen reagierten die Seppenrader 1971 auf eine Meldung aus Bottrop, dass dort in einer Ziegelei ein Teilstück eines Ammoniten gefunden worden sei, das in seinen Ausmaßen den Fund aus Seppenrade übertreffen könnte. Doch fehlten viele weitere Teile, um dem „Parapuzosia seppenradensis“ den Rang als größten Ammoniten streitig zu machen.

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