Westnetz produziert eigenen Strom auf dem Gelände des Umspannwerks
Pilotprojekt macht das Netz schlauer

Lüdinghausen -

Intelligente Stromnetze werden gebraucht, um die Energiewende umzusetzen. Darauf verweist Netzbetreiber Westnetz. Um mehr Versorgungssicherheit zu gewährleisten, versorgt das Unternehmen Backup-Batterien mit Energie aus einem Mini-Windkraftrad und einer Photovoltaikanlage.

Donnerstag, 02.07.2015, 09:00 Uhr
Auf neue Erkenntnisse für den Netzbetrieb hoffen Mario Jaschke (Projektleiter), Stefan Kreutz (Mitarbeiter Westnetz) und Michael Mühlenkamp, Leiter Netzbetrieb (großes Foto). Kleines Bild: Mario Jaschke erläutert die Funktion der Batterien..
Auf neue Erkenntnisse für den Netzbetrieb hoffen Mario Jaschke (Projektleiter), Stefan Kreutz (Mitarbeiter Westnetz) und Michael Mühlenkamp, Leiter Netzbetrieb (großes Foto). Kleines Bild: Mario Jaschke erläutert die Funktion der Batterien.. Foto: west

Vor 20 Jahren floss der Strom in eine Richtung. Der Stromkonzern produzierte – der Kunde nahm die Energie ab. Das hat sich längst geändert. Der Strom fließt in beide Richtungen. Das Netz zu betreiben und für Versorgungs- und Abnahmesicherheit zu sorgen, ist schwieriger geworden. Da müssen neue Ideen her. Und die haben die Fachleute von Westnetz, dem Betreiber des Strom- und Gasnetzes in der Region. Am Umspannwerk in Lüdinghausen wird derzeit ein Pilotprojekt durchgeführt, mit dem der Versuch gemacht wird, „das Netz intelligenter zu machen. Wir schaffen Lösungen, damit die Energiewende funktioniert“, so Michael Mühlenkamp , Leiter des Bereichs Netzbetrieb.

Äußeres Zeichen dieser „Umsetzung der Energiewende“ auf dem Gelände des Umspannwerks ist eine kleine Windkraftanlage und eine handelsübliche Photovoltaikanlage. „Westnetz macht jetzt seinen eigenen Strom“, könnte die Schlagzeile lauten, die sicherlich nicht falsch wäre. Aber es geht dem Unternehmen nicht darum, an der Stromrechnung zu sparen. Es geht um bedeutendere Ziele – um die Gewährleistung der Versorgungssicherheit, wie auch Stefan Kreutz und Projektleiter Mario Jaschke erläutern.

Die Umspannanlage am Rohrkamp hat eine wichtige Funktion, um Lüdinghausen und Umgebung mit Strom zu versorgen. Die Energie, die mit Überlandleitungen herantransportiert wird, muss auf „gebrauchsfertige“ Stärke reduziert werden. Das passiert normalerweise ohne personellen Einsatz. Die gesamte Anlage wird fernüberwacht. In der Regel sitzen in der Schaltzentrale in Arnsberg die Fachleute, die die Ströme auch in Lüdinghausen lenken. Für deren Kontroll- und Schaltvorgänge muss natürlich auch Energie vorhanden sein – in Form von Gleichstrom. Diese Energie muss allerdings auch dann zur Verfügung stehen, wenn die Stromversorgung „von außen“ nicht mehr gewährleistet wäre – im Falle eines Blackouts zum Beispiel. Und genau auf diese Situation richtet sich das Unternehmen ein.

Für den Ernstfall verfügt die Umspannanlage über große Batterien. Diese Blei-Akkus sorgen dafür, dass genügend Energie vorhanden ist, um die Kommunikation mit der Schaltwarte und die Steuerung der Anlagen zwölf Stunden lang aufrecht zu erhalten, auch wenn die Stromverbindung unterbrochen ist. Das kleine Windrad und die Solaranlage verfügen jeweils über eine Nennleistung von drei kW(p). Sie speisen ihre Energie direkt in die Batterien ein und verlängern damit die Nutzungszeit der Batterien. Und wenn die Batterien voll sind, nutzt das Unternehmen den Strom für den Betrieb der Sekundärtechnik.

„Dadurch, dass immer mehr Lieferanten in das Netz einspeisen, ist die Steuerung komplizierter geworden. Durch eine intelligentere Netzsteuerung machen wir es möglich, mehr regenerative Energie einzuspeisen“, erläutert Jaschke den Hintergrund. Die Nutzung der Photovoltaik- und Windkraftanlagen ist ein Baustein der künftigen Technik. „Wir sammeln damit Erfahrungen“, versichern die Fachleute. Dass das in Lüdinghausen geschieht, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass das Umspannwerk am Rohrkamp aus versorgungstechnischer Sicht „strategisch besonders wichtig“ ist.

Mit dem Bau der beiden Versorgungsanlagen betrat nicht nur Westnetz Neuland. Auch der Kreis Coesfeld sah sich vor eine besondere Herausforderung gestellt. Während die Photovoltaikanlage recht konventionell ist, handelt es sich bei der kleinen Windkraftanlage um die erste dieser Art, die im Kreis Coesfeld genehmigt wurde. Die Anlage ist zehn Meter hoch und hat einen Rotordurchmesser von 3,50 Metern. Um die Genehmigung zum Bau zu bekommen, musste Westnetz ein Artenschutzgutachten beibringen.

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