Polizei kontrolliert bei Unfällen immer häufiger das Telefon
Das Handy immer im Visier

Lüdinghausen -

Sensibel sind die Polizeibeamten mittlerweile, wenn sie am Unfallort ein Handy im Auto finden. Immer häufiger wird es nach dem Unfall kontrolliert, um die Frage zu klären, ob einer der beteiligten Autofahrer beim Fahren abgelenkt war.

Donnerstag, 23.07.2015, 12:07 Uhr

Bei Unfällen könnten die Beteiligten durchs Telefonieren abgelenkt sein. Auch am vergangenen Freitag kontrollierte die Polizei die Handys der beteiligten Fahrerinnen. In diesem Fall war alles in Ordnung.
Bei Unfällen könnten die Beteiligten durchs Telefonieren abgelenkt sein. Auch am vergangenen Freitag kontrollierte die Polizei die Handys der beteiligten Fahrerinnen. In diesem Fall war alles in Ordnung. Foto: west/Bernd Weissbrod

Um es vorweg zu nehmen: Die beiden unfallbeteiligten Frauen, die am Freitag auf der B 58 in Emkum ineinander rasten, wurden nicht durchs Telefonieren mit dem Handy vom Autofahren abgelenkt. Aber ihre Telefone wurden von der Polizei unter die Lupe genommen. Diese Kon­trollen erfolgen immer öfter, wie Martin Pollmann , Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Coesfeld, auf Anfrage der Westfälischen Nachrichten bestätigte.

Vor vier Wochen in Olfen: Bei einem Unfall wurde ein Kind verletzt. Das Handy der am Unfall beteiligten Autofahrerin wurde sichergestellt. Bei der Auswertung stellte sich heraus, dass sie während der Fahrt nicht telefoniert hatte. Im Gegenteil: Sie alarmierte mit dem eigenen Handy die Polizei. „Das war vorbildlich. Auch das kann heute festgestellt werden“, erläuterte Pollmann die Situation.

In Zeiten des Datenschutzes kontrolliert die Polizei bei Unfallbeteiligten die Handyverbindungen. Ist das denn alles so rechtens? „Ist es“, versichert Pollmann und betet die Gerichtsurteile und Paragrafen für die Lizenz zum Datensammeln herunter. Ursprung war ein entsprechendes Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahre 2006. Damit ist der Kontrolle allerdings noch längst nicht Tür und Tor geöffnet. Bevor das Handy tatsächlich fachmännisch unter die Lupe genommen wird, muss die Staatsanwaltschaft ihr O.K. geben.

Und wie sieht‘s in der Praxis aus? „Die Kollegen vor Ort sind mittlerweile bei Unfällen sensibel“, versichert der Polizeisprecher. Wenn bei einem Unfall ein Handy im Fußraum liegt oder wenn die Rahmenbedingungen darauf hindeuten, dass ein Handy benutzt sein könnte, gehen die Beamten dem Verdacht nach. Zeugenhinweise oder ein Handy, das noch „online“ ist, könnten solche Indizien sein. „Die Beteiligten äußern sich selten zu diesem Thema“, so Pollmann. Umgekehrt hilft die jahrelange Erfahrung der Beamten, die Situation zu beurteilen.

Wenn der Beamte vor Ort Verdacht schöpft, gibt es genaue Regularien, wie mit dem Gerät weiter umzugehen ist. Wie bei einer Dienstanordnung gibt es eine „Checkliste“, nach der die Beamten vorzugehen haben. So ist es beispielsweise wichtig, dass der Ladezustand erhalten bleibt, damit keine Daten verloren gehen. „Um hieb- und stichfest auch vor Gericht argumentieren zu können, muss hier sauber gearbeitet werden“, so Pollmann. Letztlich wird das Handy nicht vor Ort ausgewertet. Diese Aufgabe übernehmen die IT-Spezialisten der Polizei. Besonders wichtig sind dann natürlich Fragen nach dem genauen Zeitpunkt eines Telefonats. Aber: Die Polizei und die IT-Spezialisten haben nur Zugriff auf die Daten, wenn auch die Staatsanwaltschaft dem zustimmt. Dabei betont der Polizeisprecher, dass es natürlich nicht um Inhalte geht – die bleiben natürlich unangetastet.

Handy-Gespräche stehen immer häufiger als Unfallursache in Verdacht. Letztlich kommt es jedoch äußerst selten vor, dass die Telefone bei den IT-Experten landen, um nach staatsanwaltschaftlicher Anordnung ausgelesen zu werden. „Es waren in zwei Jahren keine fünf Fälle für den gesamten Kreis Coesfeld“, so Pollmann.

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