Internationale Förderklasse am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg:
„Wir starten bei Null“

Lüdinghausen -

„Wir lernen täglich dazu“, versichert Judith Tekstra. Dass am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg gelernt wird, ist eigentlich nichts Besonderes. Aber Judith Tekstra ist Lehrerin. Und ihr geht es ähnlich wie den Kolleginnen Dr. Annerose Bittmann und Carola Hofmann, die maßgeblich die Schülerinnen und Schüler der internationalen Förderklasse betreuen. Sich um drei Dutzend Jugendliche zu kümmern, die zum Teil kein einziges Wort Deutsch sprechen, stand bis dato nicht auf ihrem Lehrplan. Das hat sich aber seit Schuljahresbeginn geändert. Und der Bedarf und das Interesse der Jugendlichen ist so groß, dass ab dem 1. November eine zweite Klasse am Berufskolleg gebildet werden muss.

Samstag, 24.10.2015, 13:10 Uhr

Alltagssprache steht im Mittelpunkt des Unterrichts von Dr. Annerose Bittmann in der internationalen Förderklasse, in der aktuell Jugendliche aus neun Nationen unterrichtet werden. Schulleiterin Sabine Neuser und Judith Tekstra (im Hintergrund) engagieren sich für dieses Angebot des Berufskollegs.
Alltagssprache steht im Mittelpunkt des Unterrichts von Dr. Annerose Bittmann in der internationalen Förderklasse, in der aktuell Jugendliche aus neun Nationen unterrichtet werden. Schulleiterin Sabine Neuser und Judith Tekstra (im Hintergrund) engagieren sich für dieses Angebot des Berufskollegs. Foto: west

„Wir sind mit 20 Jugendlichen gestartet. Jetzt sind es 36“, erläuterte Schulleiterin Sabine Neuser den Start dieser Klasse, der im vergangenen Schuljahr vorbereitet worden war. Die Schule betrat mit dieser Förderklasse Neuland und man musste mangels entsprechender Vorgaben seine eigenen Regeln schaffen. „Es standen plötzlich junge Leute vor der Tür. Wir wussten zum Teil gar nicht, wer sie uns geschickt hat“, berichtet die Pädagogin. Eines morgens saßen fünf Jugendliche in der Klasse, die von ihrem Freund einfach mitgebracht worden waren. „An eine Anmeldung oder an unsere Bürokratie haben die natürlich nicht gedacht“, schmunzelt die Schulleiterin. Das führte letztlich dazu, dass gewisse Regeln eingeführt wurden. So werden beispielsweise nur Jugendliche im Alter von 16 bis 18 Jahren aufgenommen. Für sie Schulpflicht.

15 Stunden Deutsch als Fremdsprache wird unterrichtet. „Alltagssprache“ steht im Mittelpunkt, erläutert Dr. Annerose Bittmann . Dass die Lehrerin neben Deutsch auch Russisch, Englisch und Französisch spricht, erleichtert die Verständigung. Aber es gibt auch fast unlösbare Fälle, wenn die Schüler beispielsweise Analphabeten in ihrer Muttersprache sind. Grundsätzlich ist es aber so, dass „wir bei Null starten“. Neben der verbalen Kommunikation vermittelt die Lehrerin Basiswissen im Schreiben und Lesen.

Das Interesse der jungen Leute, bei denen es sich übrigens nicht ausschließlich um Flüchtlinge handelt, ist groß. Auch der Zusammenhalt und die Bereitschaft, sich gegenseitig zu helfen. Ethnische Konflikte gab es bisher nicht. Auch keine Differenzen zwischen Jungs und Mädchen.

Die ersten Erfolge sind mittlerweile sichtbar. Jugendliche mit entsprechenden Sprachkenntnissen nehmen bald am Fachunterricht im Bereich Holz und Hauswirtschaft teil. Das ist der erste Sprung in eine Ausbildung. Und: „Das fördert auch die Kommunikation und Integration“, so Sabine Neuser.

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