Gerhard Zentek mit 91 Jahren gestorben
„Er konnte austeilen, aber auch einstecken“

Lüdinghausen -

Die Lüdinghauser Sozialdemokraten trauern um eines ihrer kommunalpolitischen Urgesteine. Am vergangenen Freitag verstarb im Alter von 91 Jahren Gerhard Zentek. Zentek, der 1924 im ostpreußischen Dorf Lehlesken geboren wurde, kam nach der Kriegsteilnahme im Zweiten Weltkrieg als Flüchtling in die Steverstadt. Der engagierte Gewerkschafter, der zunächst kurze Zeit in Lüdinghausen, später in Datteln und dann viele Jahre in der Verwaltung der Stadt Oer-Erkenschwick als Leiter des Liegenschaftsamtes tätig war, trat erstmals 1956 in der Kommunalpolitik der Steverstadt als Mitglied der Amtsvertretung Lüdinghausen in Erscheinung. Auch an der Gründung der Arbeiterwohlfahrt in Lüdinghausen in den 1960er Jahren war Gerhard Zentek maßgeblich beteiligt.

Sonntag, 21.02.2016, 19:02 Uhr

Gerhard Zentek war ein politischer Mensch, der das Zeitgeschehen bis ins hohe Alter verfolgte.
Gerhard Zentek war ein politischer Mensch, der das Zeitgeschehen bis ins hohe Alter verfolgte. Foto: wer

1961 zog er in den Kreistag Lüdinghausen ein, 1964 wurde er Ratsmitglied und zugleich Vorsitzender der sechs Mitglieder umfassenden SPD-Fraktion. Dem Rat gehörte Zentek bis 1974 an. Die SPD im Kreistag Coesfeld führte er von 1975 bis 1984. Doch auch danach wurde seine Stimme und Meinung bei den heimischen Sozialdemokraten bis in diese Tage weiter geschätzt.

„Er hat in Lüdinghausen viel bewegt und hatte ein bewegtes Leben“, erinnert sich sein politischer Weggefährte Horst Wolske. In Erinnerung werde ihm die Durchsetzungsfähigkeit und seine Zähigkeit in politischen Fragen bleiben. „Beschlossen war beschlossen, da gab es dann keine Diskussion mehr“, erzählt Wolske. Gerhard Zenteks Vorbild sei Herbert Wehner gewesen – der jahrelange „Zuchtmeister“ der SPD im Bundestag. Den habe er wegen seiner „korrekten und gradlinigen Haltung“ geschätzt. Und so hätten ihm die Genossen schmunzelnd den zweiten Vornamen „Herbert“ verpasst.

In einem Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten im vergangenen Jahr anlässlich des Todes von Helmut Schmidt verriet Gerhard Zentek, dass ihm dessen Pragmatismus immer näher gewesen sei als die Visionen eines Willy Brandt. Und so hat er auch sein eigenes politisches Handeln verstanden. „Er war hart in der Sache. Er konnte austeilen, aber auch einstecken“, sagt Horst Wolske.

Gerhard Zentek hinterlässt seine Ehefrau sowie zwei Söhne und deren Familien.

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