Unterrichtsbeginn
Lernen entgegen dem Biorhythmus

Lüdinghausen -

Ausschlafen statt müde zur Schule: Ein Gymnasium ins Alsdorf bei Aachen stellt seinen Oberstufler jetzt dauerhaft frei, ob sie um acht Uhr oder erst zur zweiten Unterrichtsstunde kommen. Ein späterer Start in den Schultag sei jedoch keine Lösung, sagen die Lüdinghauser Schulleiter. Und auch die Schüler selbst sitzen lieber schon um acht Uhr statt noch am tiefen Nachmittag im Klassenzimmer.

Dienstag, 12.04.2016, 07:04 Uhr

Schlaftrunken in der Schule: Wie hier auf einem gestellten Foto mit Cani-Schülern der Q1 können die Augen bei zu wenig Schlaf auch mal zufallen. Den Unterricht deshalb später anzufangen, davon halten zumindest die Cani-Schüler nichts.
Schlaftrunken in der Schule: Wie hier auf einem gestellten Foto mit Cani-Schülern der Q1 können die Augen bei zu wenig Schlaf auch mal zufallen. Den Unterricht deshalb später anzufangen, davon halten zumindest die Cani-Schüler nichts. Foto: nit

„So in der Mitte des Schultages “, sagt Simon Mathews , habe er hin und wieder „ein Tief“. Dann wirkt ein kleines Schläfchen auf ihn wesentlich verlockender als Mathe- oder Englischunterricht. Sogenannte Chronobiologen sind der Meinung, dass ein im Vergleich zu Erwachsenen späterer Schlaf-Wach-Rhythmus bei Jugendlichen kontraproduktiv für ein effektives Lernen sei. Um acht Uhr befänden sich Pubertierende biologisch noch im Tiefschlaf. Ein Gymnasium bei Aachen glaubt jetzt, eine Lösung dafür gefunden zu haben: Dank einer „Gleitzeit“ können sich die Schüler selbst entscheiden, ob sie für eine Selbstlernphase bereits um acht Uhr oder erst zum Unterricht mit Anwesenheitspflicht eine Stunde später in die Schule kommen.

Lieber ausgeschlafen als übermüdet im Klassenzimmer zu sitzen, das klingt zunächst nach einer guten Lösung. Welche jedoch, meint Cani-Schulleiter Michael Dahmen , in Lüdinghausen nicht umzusetzen sei. Und das nicht nur, weil das Gymnasium bei Aachen mit extra Freiarbeitsstunden ein anderes pädagogisches Konzept verfolgt als das Gymnasium Canisianum. „Mit dem Schulbeginn um acht Uhr haben wir einen organisatorischen Kompromiss zwischen allen Schulformen“, sagt Dahmen und nennt fehlende Bus-Verbindungen bei einem späteren Unterrichtsbeginn für einen Teil der Schülerschaft als Beispiel dafür, dass dieser „illusorisch“ sei.

Am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg steht ein späterer Start in den Schultag ebenfalls nicht zur Debatte. „Wir bereiten auch in sozialen Kompetenzen auf das Berufsleben vor“, erklärt Leiterin Sabine Neuser. „Und dort geht es dann auch schon frühmorgens los.“ Elisabeth Hüttenschmidt, Leiterin des St.-Antonius-Gymnasiums, kann das Müdigkeitsproblem von Spätaufstehern nachvollziehen. Aber: „Die, die das haben, sind eine Stunde später vielleicht auch nicht viel wacher.“

Das Gleiche denkt auch Lena Kuhlmann. „Im ersten Moment werden alle sagen: ‚Das ist chillig.‘ Ich werde dann aber bestimmt abends noch später ins Bett gehen und somit verschiebt sich das Problem“, vermutet die 17-jährige Cani-Schülerin. Und was morgens an Unterrichtszeit fehlt, muss nachmittags aufgeholt werden. „Dann hätten wir weniger Zeit für Vereine oder für den Nebenjob“, sagt Yasmin Aßhoff. Daher solle lieber alles beim Alten bleiben und die Lüdinghauser Schulglocken auch weiterhin pünktlich um acht Uhr läuten.

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