Vernissage am Donnerstag
Im Zirkus des Lebens

Lüdinghausen -

Die beiden Künstler Alfred Gockel und Reimund Kasper haben sich nach 45 Jahren wiedergetroffen und prompt ein außergewöhnliches Projekt auf die Beine gebracht.

Mittwoch, 20.04.2016, 08:04 Uhr

Über 70 Bilder und Skulpturen haben die beiden Künstler Alfred Gockel (lr.) und Reimund Kasper für ihr gemeinsames Projekt „Zirkuslust – Festival der Träume“ geschaffen.
Über 70 Bilder und Skulpturen haben die beiden Künstler Alfred Gockel (r.) und Reimund Kasper für ihr gemeinsames Projekt „Zirkuslust – Festival der Träume“ geschaffen. Foto: ben

Duplizität der Ereignisse: Während auf der Pferdewiese das sonnengelbe Zelt des Mitmach-Circus Casselly schon von Weitem die Blicke auf sich zieht, wird am Donnerstag (21. April) nur zwei Straßen weiter in der Alten Mühle von Alfred Gockel eine außergewöhnliche Ausstellung mit dem Titel „Zirkuslust – Festival der Träume“ eröffnet.

Der Lüdinghauser Künstler, sonst vor allem in den USA beheimatet, hat sich für dieses ungewöhnliche Projekt mit einem alten Weggefährten zusammengetan. Reimund Kasper hat mit ihm in den 1980er Jahren an der FH Münster im Fachbereich Design die Schulbank gedrückt. „Persönlich hatten wir damals weiter nichts miteinander zu tun“, erinnern sich beiden Künstler. Erst 45 Jahre später begegneten sie sich wieder. Und sofort entstand eine große Nähe, menschlich wie künstlerisch. Die erste trug zu so manch geselligem Abend mit dem ein oder anderen Glas Rotwein bei, die zweite war Grundlage für ein gemeinsames Projekt, dessen umfangreiches Ergebnis ab Donnerstag zu sehen sein wird.

Mehr als 70 Originale sind in einem Jahr gemeinsamen Schaffens entstanden. Ob großformatige Öl- und Acrylgemälde in knalligen Farbkonstellationen, Skulpturen in Bronze oder Stahl, Aquarelle, Grafiken oder feinste Radierungen – in der seit Dürer kaum veränderten Technik des Tiefdrucks: alle Werke gewähren dem Betrachter einen Blick in die Welt der Zirkusmanege und deren ganz besondere Magie.

„Für mich ist der Zirkus ein Sinnbild für das Leben an sich“, sagt Reimund Kasper. Aus dem Wechselspiel von Wahrheit und Illusion entstünden ganz neue Perspektiven. „Meine Bilder entführen in die Wunderwelt der Manege und lassen die pulsierende Atmosphäre einer etwas zur Seite gestellten Welt wieder lebendig werden.“

Clowns, Dompteure, Musikanten und Artisten lässt auch Gockel in seinen Werken wieder lebendig werden. Im Zirkus spiegele sich das Leben wider. Die Maskerade mache den Menschen zum Clown, der dann ganz anders agiere, Trapezkünstler würden für einen Moment der Gravitation entfliehen und damit dem Urtraum der Menschheit Gestalt verleihen. „Ein Kind, was sich freut, klatscht in die Hände, lacht und schlägt Purzelbäume“, so Gockel. Der erwachsene Mensch dagegen sei erzogen und habe oft diese Unbekümmertheit und Freiheit verloren. Aber: „Die Sehnsucht danach bleibt.“

Allerdings sind die Werke der beiden Künstler weit davon entfernt, einen verklärten Blick auf eine längst vergangene Zirkuswelt zu werfen. Denn wer genau hinschaut, entdeckt die vielen Brüche. Er sieht zum Beispiel Tiere, die der Fantasie entsprungen sind: fliegende Papierschweine beim ausgelassenen Tanz oder ein Nashorn, das leicht spöttisch auf seinen „Dompteur“ herab blickt und eher als Ehrengast der Vorstellung beiwohnt. „Nehmen Sie sich Zeit, die vielen Details der Bilder in Ruhe zu entdecken“, lautet darum auch der Rat von Reimund Kasper und Alfred Gockel. 

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/3943096?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F4849084%2F4849093%2F
Nachrichten-Ticker