Elternvertreter äußern sich
G 9 statt G 8: Keine Rolle rückwärts

Lüdinghausen -

„Ich habe etwas gegen eine wilde Wechselei“, mag sich Gudrun Pinke eine Rückkehr zum Abitur nach neun statt acht Jahren nicht vorstellen. Die Elternvertreterin am St.-Antonius-Gymnasium hat selbst an der Umfrage der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW zu dieser Frage teilgenommen. Mit dem Ergebnis, dass sich 79 Prozent der befragten Eltern für eine Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren ausgesprochen haben. Im Jahr 2013 hatte der erste Schülerjahrgang in NRW nach acht Jahren sein Abitur abgelegt.

Donnerstag, 21.04.2016, 10:04 Uhr

Seit 2013 gibt es das Abitur nach acht Jahren an Gymnasien in NRW. Diese Regelung wird bis heute kritisch betrachtet – von Eltern wie auch Pädagogen..
Seit 2013 gibt es das Abitur nach acht Jahren an Gymnasien in NRW. Diese Regelung wird bis heute kritisch betrachtet – von Eltern wie auch Pädagogen.. Foto: dpa/Armin Weigel

Obwohl aus ihrer Sicht das G 8-Projekt „völlig falsch angegangen wurde“, spricht sich Gudrun Pinke gegen eine Rückkehr zum alten Zeittakt aus. „Wir müssen das, was wir haben, anpassen“, ist sie überzeugt. Die Lehrpläne seien bei der Umstellung nicht angepasst worden. Das habe bei Eltern, Lehrern und Schülern für viel Unmut gesorgt.

Gegen eine „Rolle rückwärts“ spricht sich auch Dr. Heike Matthies , Vorsitzende der Elternvertretung am Gymnasium Canisianum, aus. „Ich habe ein Problem damit, das Ganze zurückzudrehen. Das geht so nicht. Es würde im gleichen Chaos enden wie bei der Einführung von G 8.“ Wenn man tatsächlich wieder auf das Abitur nach neun Jahren zurückkommen wolle, gegen das Heike Matthies nichts einzuwenden hätte, müsste dies vernünftig geplant sein. Man bräuchte aus ihrer Sicht eine längere Phase der Vorbereitung, es müsste neue Lehrpläne und neue Schulbücher geben.

Einig sind sich Gudrun Pinke und Heike Matthies in ihrer Einschätzung, dass die Einführung des Abiturs nach acht Jahren an den Gymnasien ihren Effekt völlig verfehlt hat. Niemand der Jugendlichen dürfte eher als früher in die Berufsausbildung gegangen sein, wie von der Wirtschaft erhofft, sind sich beide Mütter sicher. „Für vieles sind unsere Kinder noch viel zu jung“, sagt Gudrun Pinke. Und: „Nach dem Abitur machen sie das, was sie früher in der Klasse 11 gemacht haben, sie gehen ins Ausland oder absolvieren ein Freiwilliges Soziales Jahr .“ Die Verkürzung um ein Jahr sei für die Entwicklung der Jugendlichen ein verlorenes Jahr, ist sich Heike Matthies sicher. „G 9 war grundsätzlich besser für die Reifung der Kinder.“

Dass die Jugendlichen durch die verkürzte Schulzeit weniger gelernt hätten, glauben beide Elternvertreterinnen nicht. Auch für ihre Freizeitaktivitäten sei noch genügend Zeit gewesen. Das sei allerdings bei jedem Jugendlichen wohl anders, gibt Heike Matthies zu.

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