Stroetmann kauft Kleingarten-Grundstücke neben dem Edeka-Markt
„Keine Gemüsebeete anlegen“

Lüdinghausen -

Die Kirchengemeinde St. Felizitas hat drei Kleingartengrundstücke an der Janackerstiege an den Lebensmittel-Großhändler Stroetmann verkauft und den Pächtern zum Oktober gekündigt. Die Betroffenen gehen davon aus, dass der dortige Edeka-Markt vergrößert werden soll.

Mittwoch, 18.05.2016, 08:05 Uhr

Marianne und Werner Neubert müssen zu Ende Oktober ihren Kleingarten an der Janackerstiege räumen. Ihr Grundstück wurde von der Kirchengemeinde St. Felizitas an das Unternehmen Stroetmann verkauft.
Marianne und Werner Neubert müssen zu Ende Oktober ihren Kleingarten an der Janackerstiege räumen. Ihr Grundstück wurde von der Kirchengemeinde St. Felizitas an das Unternehmen Stroetmann verkauft. Foto: wer

Seit sechs Jahren hegen und pflegen Marianne und Werner Neubert an der Janackerstiege ihren Kleingarten. Für sie ist die rund 650 Quadratmeter große grüne Oase Rückzugsgebiet vom Alltag. Damit ist ab Ende Oktober Schluss. Am Pfingstsamstag lag die Kündigung des Pachtvertrages im Briefkasten. Die Eigentümerin, die Kirchengemeinde St. Felizitas , hat dieses sowie zwei weitere benachbarte Grundstücke an die münsterische Firma Stroetmann verkauft. Und der gehört der unmittelbar an die Flächen angrenzende Edeka-Supermarkt.

Den Verkauf durch die Kirchengemeinde an Stroetmann bestätigte am Dienstag auf Nachfrage der Westfälischen Nachrichten Ralf Fromme , kommissarischer Leiter der Zentralrendantur des Dekanats Lüdinghausen. „Betroffen von der Kündigung sind drei Pächter, die Fläche beträgt rund 2000 Quadratmeter“, sagte Fromme. Was Stroetmann mit dem Areal vorhabe, sei der Kirchengemeinde nicht konkret bekannt. Der Verkauf sei „recht zügig“ über die Bühne gegangen. Und: „Stroetmann hat uns ein Angebot gemacht, dass wir nicht ablehnen konnten.“

Werner Neubert geht davon aus, dass der Kauf der Grundstücke durch den Lebensmittel-Großhändler, dem die vom Edeka-Markt Wiewel genutzte Immobilie an der Konrad-Adenauer-Straße gehört, nicht getätigt wurde, „um dort Gemüsebeete anzulegen“. Es gehe wohl um die Erweiterung des bestehenden Marktes. Damit werde allerdings ein guter Teil des seit 200 Jahren bestehenden innerstädtischen Grüngürtels zerstört, bedauert der Biologe, in dessen naturbelassenem Garten sich nicht nur viele Singvögel wohl fühlen, sondern auch Insekten, Bienen, Hummeln und Schmetterlinge.

Aus dem Rathaus war am Dienstag keine Stellungnahme zur Frage der Umnutzung der Gartengrundstücke zu erfahren. Überraschung gab es allerdings bei den Ratsvertretern. „Das ist mir neu“, erklärte etwa Eckart Grundmann (Grüne). Aber er hatte auch gleich eine Erklärung: „Wir als Ratsmitglieder sind als Allerletzte in der Nahrungskette bei der Information durch die Verwaltung.“ Eine Erweiterung des Edeka-Marktes käme aber so ohne weiteres nicht infrage. Dazu müsste der Bebauungsplan geändert werden. Interessant sei, dass die Stadt allem Anschein nach ihr Vorkaufsrecht für diese Fläche nicht genutzt habe. „Aber sie muss davon gewusst haben.“ Für Bernd Möllmann (CDU) ist das Thema ebenfalls „komplett neu“. Der Verkauf deute aber darauf hin, dass es Erweiterungspläne für den Edeka gebe. Da wäre es „schön, wenn die Politik beteiligt wäre“.

Auch Markus Kehl (UWG) zeigte sich „von der Entwicklung überrascht“. Eine Vergrößerung des bestehenden Marktes sei aus der Sicht des Betreibers natürlich verständlich. Die Pläne für eine Kombination aus Kino und Rewe-Markt auf der gegenüberliegenden Straßenseite (neben Bruno Kleine) würden dann allerdings unrealistisch, ist der UWG-Fraktionssprecher überzeugt. „Maßlos enttäuscht“ sei er, denn städtebaulich sei das Ganze „eine Katastrophe“. Aber: „Stroetmann würde nicht kaufen, wenn es nicht eine Zusage zum Bauen gäbe.“

Nicht äußern wollte sich Katja Wiewel, Mit-Geschäftsführerin der Wiewel-Märkte.

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