Anton-Literaturkurs begeistert mit dem Stück „Die sanfte Guillotine“
Revolution der Märchenfiguren

Lüdinghausen -

Der Anton-Literaturkurs der Q 1 begeisterte am Freitag mit dem Stück „Die sanfte Guillotine“ sein Publikum. Die Märchenfiguren von Hänsel über die sieben Zwerge bis hin zu Schneewittchen revoltieren gegen einen gierigen König.

Montag, 20.06.2016, 07:06 Uhr

„Die sanfte Guillotine“ -- mit diesem rasanten Stück überzeugte der Literaturkurs der Q 1 des St.-Antonius-Gymnasiums am Freitagabend in der Schulauala sein Publikum restlos.
„Die sanfte Guillotine“ -- mit diesem rasanten Stück überzeugte der Literaturkurs der Q 1 des St.-Antonius-Gymnasiums am Freitagabend in der Schulauala sein Publikum restlos. Foto: privat

Hänsel windet sich verzweifelt am Boden, Schneewittchen ist starr vor Entsetzen, Rotkäppchen kocht vor Wut über seine Eltern und der Froschkönig versinkt in Selbstmitleid. Warum? Der Schuldige ist schnell identifiziert: Der König ( Jonas Frieling ) erhöht nahezu täglich die Steuern, um sein Lotterleben zu finanzieren, und die Bewohner des Märchenlandes müssen darunter leiden, sich einschränken, sich verkaufen, fliehen, liebgewonnene Gewohnheiten aufgeben.

Die Dramatik war förmlich greifbar in der fast voll besetzten Aula des St.-Antonius-Gymnasiums, als der Literaturkurs der Q1 nach einem Jahr Proben diese Grundsituation des Stücks „Die sanfte Guillotine “ von Peter Förster auf die Bühne brachte. Gebannt verfolgten die Zuschauer am Freitagabend, wie sich die Märchenfiguren aus ihrer Krise befreien und die Revolution im Märchenwald beginnen.

Und diese Revolution hat es in sich: Während nebenan leichte Mädchen sich streiten, schließen Rotkäppchen und Schneewittchen einen Bund, der Froschkönig und Hänsel stoßen eher zufällig, aber furios hinzu. Glücklich vereint treibt der Hunger die Freunde in eine Taverne, das fehlende Geld jedoch zwingt zur spontanen Flucht, bei der Hänsel verloren geht, weil er sich in die Wirtstochter verliebt hat. Die Geliebte des Königs wird entführt, um Lösegeld zu erpressen, der Monarch aber hat sie schon durch die Zofe (Stephanie Prott) ersetzt, die Prinzessin ist wütend und auf dem Marktplatz gelingt es den vier Freunden, dem Volk die Prinzessin als neue Herrscherin schmackhaft zu machen.

Am Ende wird der König verfolgt, verhaftet, angeklagt und hingerichtet – der Vorhang fällt und öffnet sich nochmals zu einem grandiosen Finale.

Angetrieben vom begeisterten Szenenapplaus des Publikums führten die Darsteller ihre Figuren sicher und mit begeisternder Bühnenpräsenz von einer skurrilen Szene zur nächsten, brachten das Publikum mit sicherem Gespür für die Komik dieser Szenen zum herzhaften Lachen und meisterten sogar die vielen Songs, die die Szenen verbinden mit Bravour.

„Als wir mit den Proben begonnen haben, hatten alle gehörigen Respekt vor den Gesangsszenen“, erinnert sich Regisseurin Anne Christine Penassa . In der Aufführung war dieser Respekt nicht mehr spürbar: Friederike Bellack gestand als Wirtstochter Hänsel in einem Solo ihre Liebe, Antonia Kowatz gab ihrem Prinzessinnen-Lied einen reizenden Charme, und Alexander Strangmann rappt sich als Hänsel seine Wut über die Tabaksteuererhöhung überzeugend vom Leib. Und als die vier Freunde, die sieben Zwerge und das ganze Ensemble ihre Songs textsicher vortrugen, klatschte das Publikum im Takt mit, das zuvor noch Maximilian Exner als nachdenklichen Froschkönig bemitleidet hatte und erleichtert aufatmete, als Rotkäppchen Carolin Klems souverän und pragmatisch Schneewittchen gerettet hatte, dem Viktoria Siebert gekonnt eine Naivität verlieh, die das Publikum zum Schmunzeln brachte.

Wie gut die Schauspielerinnen und Schauspieler mit ihrer Regisseurin harmonierten, zeigte sich besonders, als knapp eine Stunde vor der Aufführung eine Rolle krankheitsbedingt übernommen werden musste: Statt in Aufregung zu verfallen, verteilte die Regisseurin sicher und überlegt die umfangreiche Rolle neu und alle Schauspielerinnen und Schauspieler probten aus dem Stand heraus mit den neuen Besetzungen noch einmal die Szenen, vereinbarten Hilfen und sprachen sich gegenseitig Mut zu – und spielten sicher. Bis in die Nebenrollen hinein – und hier seien vor allem Noa Scheidtmann, Linus Badde, Elea Schwarzer und Marieke Breuer als leichte Mädchen genannt – hatte Lehrerin Penassa ihr Ensemble perfekt vorbereitet, sodass jede Rolle einzigartig wurde.

„Ich habe selten so gelacht – ich danke euch für diesen wunderbaren Abend!“, resümierte Schulleiterin Elisabeth Hüttenschmidt begeistert am Ende der Aufführung, die durch einen denkwürdigen Vortrag von Lieblingsgedichten der Anton-Lehrer durch den Q1-Deutschkurs von Annette Micke eine gelungene Eröffnung bekam.

Und auch die Zuschauer verließen nach zwei Stunden die Aula mit einem breiten Lächeln – und oftmals mit der Frage, ob es eine zweite Aufführung gibt. Gibt es: Am Mittwoch (22. Juni) öffnet sich der Vorhang ab 18 Uhr erneut – es sind aber nur noch wenige Karten an der Abendkasse verfügbar.

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