Zeitzeugin Johanna Reiss
Untergetaucht in den Niederlanden

Lüdinghausen -

Eine ganz besonders beeindruckende und nachhaltige Veranstaltung fand jetzt in der Aula des St.-Antonius-Gymnasiums statt. Zu Gast war die jüdische Autorin Johanna Reiss, die fast drei Jahre ihrer Kindheit von 1943 bis 1945 in einer nichtjüdischen Familie im niederländischen Usselo versteckt war und seit 1955 in New York lebt.

Montag, 27.06.2016, 19:06 Uhr

Die Autorin Johanna Reiss sprach am St.-Antonius-Gymnasium über ihre Kindheit in der Nazizeit.
Die Autorin Johanna Reiss sprach am St.-Antonius-Gymnasium über ihre Kindheit in der Nazizeit. Foto: St.-Antonius-Gymnasium

Bis heute ist es der inzwischen 84-Jährigen Zeitzeugin ein Anliegen, regelmäßig die Orte aufzusuchen, die sie nachhaltig bis in die jüngste Gegenwart geprägt haben. Als einen vordringlichen Auftrag, ja geradezu als Verpflichtung empfindet es Johanna Reiss , ihre Erfahrungen an die Generation der Schüler und Schülerinnen weiterzutragen, heißt es in einem Bericht der Schule. „Versprecht mir, keinen Menschen wegen einer anderen Religion, Hautfarbe oder Herkunft zu hassen“, forderte sie die Schüler auf.

Und so waren in der Aula zwei Klassen der Hauptschule und die Jahrgänge 6 und 9 des St.-Antonius-Gymnasiums vertreten. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Jugendbuch „Und im Fenster der Himmel“ im Deutschunterricht ermöglichte es den Schülern, nun im gegenüber mit der Autorin ihre eigene Betroffenheit und hier und da auch Sprachlosigkeit gegenüber dem vielfach Unvorstellbarem zu spüren und auf ihre Fragen im Zusammenhang mit der intensiven Lektüre des Buches Antworten zu erhalten.

„Johanna Reiss wurde in wunderbarer und zurückhaltender Weise von ihrer Begleiterin Sixtina Harris unterstützt, auch wenn sich die Autorin in stetem Wechsel zwischen Englisch und Deutsch gut verständlich machen konnte“, heißt es weiter. Die einstündige Spurensuche war so von Konzentration und Empathie bei den jungen Zuhörern geprägt, gestützt durch persönliche Bilddokumente von ihren Rettern und authentischen Orten in und um Winterswijk und Usselo.

Die anschließenden Fragen der Schüler – seien es persönliche oder die allgemeine politische Situation betreffend – wurden von der Autorin dankbar aufgenommen. Bei all dem war immer wieder die Botschaft herauszuhören: „Seid tolerant gegenüber Fremdem, verallgemeinert nicht, diskriminiert nicht.“

Bleibt nun die Erwartung der Anton-Schüler, im nächsten Schuljahr einen Tagesausflug auf den Spuren der „ Annie de Leeuw“, so ihr Mädchenname, jenseits der holländischen Grenze zu machen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4115627?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F4849084%2F4849091%2F
Nachrichten-Ticker