Klaus Bloedhorn war 32 Jahre Lehrer am St.-Antonius-Gymnasium
Rückwärts geht es schneller

Lüdinghausen -

Klaus Bloedhorn hat seinen Weg gemacht. Vor 63 Jahren kam er mit einer spastischen Lähmung zur Welt und ist seither auf einen Rollstuhl angewiesen. Nach Schulbesuch und Abitur hat er studiert und 32 Jahre am St.-Antonius-Gymnasium unterrichtet.

Mittwoch, 13.07.2016, 01:07 Uhr

32 Jahre war Klaus Bloedhorn Lehrer am St.-Antonius-Gymnasium. Wegen einer spastischen Lähmung ist er zeitlebens auf einen Rollstuhl angewiesen..
32 Jahre war Klaus Bloedhorn Lehrer am St.-Antonius-Gymnasium. Wegen einer spastischen Lähmung ist er zeitlebens auf einen Rollstuhl angewiesen.. Foto: wer

Schon bei seiner Geburt war klar, dass er nie würde Fußball spielen, nie richtig laufen können. Klaus Bloed­horn kam mit einer schweren spastischen Lähmung zur Welt. Er ist zeitlebens auf den Rollstuhl angewiesen. Wobei der 63-Jährige den Rollstuhl als seine „Lebenshilfe“ bezeichnet. Und dennoch haben weder er selbst noch in der Kindheit seine Eltern resi­gniert. Bloedhorn hat seinen Weg gemacht und ist Lehrer geworden. Nach 32 Jahren wurde er zum Schuljahresende am St.-Antonius-Gymnasium verabschiedet.

Mein Vater wollte, dass ich einen Schulabschluss mache.

Klaus Bloedhorn

Als er selbst ins schulpflichtige Alter kam, sei er von Privatlehrern unterrichtet worden. „1960 gab es für behinderte Kinder keine Schulpflicht“, erinnert er sich. Seine Eltern hätten allerdings alles daran gesetzt, ihm eine gute Bildung zukommen zu lassen. „Mein Vater wollte, dass ich einen Schulabschluss mache.“ Das sei schließlich an der Realschule in seiner Geburtsstadt Bergkamen gelungen. Dort erwarb er auch die Zulassung zum Gymnasium.

Nach Studium und Referendarzeit kam Bloedhorn 1984 ans Anton, wohnt seither mit seiner Frau in Lüdinghausen . Zu Beginn gelangte er über einen Aufzug sowie die Flure und den Keller des benachbarten St.-Antonius-Klosters in die Schule. Das Anton verfügt erst seit ein paar Jahren über einen eigenen Aufzug. Seinen Unterricht habe er dann in einem festen Klassenraum erteilen können. Kollegen und Schüler seien ihm immer freundlich und hilfsbereit begegnet. Der heute vielfach strapazierte Begriff der Inklusion habe ihn sein ganzes Leben begleitet. „Ich habe auch etwas vorgelebt. Respekt, Empathie, Zuwendung, die man erfährt und auch weitergibt.“

Ich wollte selbstständig sein.

Klaus Bloedhorn

Ursprünglich habe er ja Jurist werden wollen. „Aber ich bin zu harmoniebedürftig“, hat er schnell festgestellt. Und so studierte er Evangelische Theologie und Geschichte an der noch jungen Ruhruniversität Bochum. Gerne hätte er in Münster studiert, aber nur die moderne Ruhrpott-Uni sei damals behindertengerecht ausgestattet gewesen. „Ich wollte selbstständig sein“, sagt Bloed­horn. Und so kam er auch in einem Studentenwohnheim unter. Sein Umfeld habe ihn und seine Behinderung immer akzeptiert. „In die Mensa bin ich durch die Küche gekommen, denn die hatten einen Aufzug. Mein Mittagessen hat mir der Hausmeister gebracht.“

Er habe in seinem Leben nie Ablehnung erfahren. Manchmal habe er sich selbst gewundert, „wie leicht alles gewesen ist“, beschreibt er rückblickend. „Ich lasse die Dinge gelassen auf mich zukommen. Ich glaube, dass Gott mir geholfen hat, er steht zu mir“, ist er überzeugt.

Seine Behinderung gehöre zu seinem Leben. „Ich habe das nie als Leiden empfunden. Ich lebe nun einmal so“, sagt der 63-Jährige und fährt mit seinem Rollstuhl zügig über den Schulflur. Denn: „Rückwärts geht es schneller vorwärts“, sagt er mit einem Lächeln.

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