50. Volks- und Rosenfest
Eine ungeplante Erfolgsgeschichte

Seppenrade -

Eigentliche sollte die Premiere vor 50 Jahren nur etwas Geld in die klamme Dorfkasse spülen. Eine Neuauflage des damaligen Volksfestes hatten die Seppenrader nicht geplant. Dann aber kam alles anders.

Samstag, 20.08.2016, 10:08 Uhr

Das ganze Dorf und viele Besucher sind jedes Jahr auf den Beinen, wenn in Seppenrade das Volks- und Rosenfest stattfindet.     
Das ganze Dorf und viele Besucher sind jedes Jahr auf den Beinen, wenn in Seppenrade das Volks- und Rosenfest stattfindet.      Foto: Archiv Heimatverein

Ein besonderes Jubiläum feiert der Heimatverein an diesem Wochenende mit dem 50. Rosenfest . Dabei hatten die Initiatoren etwas ganz anderes im Sinn, als sie zum ersten Volksfest 1967 einluden. Seppenrade hatte gerade die Silbermedaille im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ gewonnen. Nun sollte dieser Erfolg vergoldet werden.

Das aber kostete Geld. Und die Gemeindekasse gab damals nicht viel her, um alle Pläne umzusetzen und auch die öffentlichen Anlagen entsprechend herzurichten. Viele private Hausbesitzer waren dem Wunsch bereits gefolgt, ihre Vorgärten neu und offener zu gestalten.

„Sportliche“ Wettkämpfe

So entschloss sich der Verkehrsverein, den es neben dem Heimatverein gab, mit einem Volksfest Geld in die leeren Kassen zu holen. Heinrich Muhle , Helmut Gudorf als Vertreter der Wirte und Tönne Hellkuhl nahmen sich der Aufgabe an, unterstützt vom Heimatverein mit dem damaligen Vorsitzenden, Rektor Everhard Reckers , der 1968 von Heinrich Schlütermann abgelöst wurde.

Kaum ein Verein des Dorfes fehlte, als nach dem Festumzug und dem Gedenken an die Verstorbenen am Ehrenmal auf dem Schulhof der Marienschule die „sportlichen“ Wettkämpfe ausgetragen wurden, zum Beispiel ein Fußballspiel auf Stelzen. Die Voltigierer des Reitervereins zeigten einen Ausschnitt ihres Könnens. Auf dem Kirchplatz floss anschließend das Bier in Strömen, denn die „Happy Hour“ gab es da schon in Seppenrade. „Drei Bier ’ne Mark“ hieß das Motto, als der Gerstensaft aus dem Gänselieselbrunnen floss. Der krönende Abschluss wurde in Naundrups Halle gefeiert. Der Spielmannszug „Klingendes Spiel“ und die Dorfmusikanten sorgten schon bei der Premiere für musikalische Unterhaltung.

Stierkampf

Der finanzielle Erfolg war so groß, dass an der Idee des Volksfestes festgehalten wurde. So fand 1968 sogar ein Stierkampf auf der Wiese am Naundrups Hof statt, wobei sich die „Toreros“ Ludwig Entrup und Berthold Schlütermann mehr bewegten als der lahme Stier „Zorro“, der wohl aus einem Streichelzoo kam.

Das Dorf wurde 1969 nicht nur mit der Goldmedaille im Bundeswettbewerb für sein Engagement zur Verschönerung ausgezeichnet – mit den Erlösen aus den Volksfesten und vielen Spenden, die Heinrich Muhle und seine Mitstreiter sammelten, ließ sich auch die Idee umsetzen, einen Rosengarten auf der alten Müllkippe anzulegen. Das brachte Heinrich Muhle, dank seines Engagements, schnell den Titel des „Rosenmeisters“ ein.

Fernsehübertragung

Nach der Einweihung des Rosengartens und der Ernennung zum dritten Rosendorf in Deutschland im Juli 1972 lag es auf der Hand, das Volksfest in Rosenfest umzutaufen und es im Rosengarten parallel zum Kirchplatz stattfinden zu lassen. Der Verkehrsverein war mittlerweile aufgelöst und in den Heimatverein übernommen worden. Das Festprogramm wurde Jahr für Jahr erweitert. Mitte der 70er Jahre kamen als Ergänzung die Fahrgeschäfte der Familie Küchenmeister aus Herford für die Kirmes hinzu, die für noch mehr Gäste sorgten. Zum zehnjährigen Bestehen des Rosengartens berichtete sogar das Fernsehen live mit Moderatorin Christine Westermann über die Königin der Blumen und die wunderschöne Anlage in Seppenrade. „Die Klostertaler“ aus Österreich spielten 2007 als Highlight zum 40. Rosenfest in Seppenrade auf.

Überraschung

Bewährt hat es sich im Laufe der Jahre, dass es zwei Plätze für das bunte Treiben gibt: den Kirchplatz, wo das etwas ältere Publikum feiert, und den Rosengarten, wo sich die Jugend bei der passenden Musik vergnügt. Für den Sonntagabend hielt der Heimatverein immer eine besondere Überraschung für Familien im Rosengarten bereit. Neben vielen bunt illuminierten Figuren, die ganz besonders den Kindern gefielen, warteten weitere Attraktionen auf die Gäste. Hatten die Seppenrader zunächst den Montagabend für sich selbst zum Feiern freigehalten, wurde dieser auch bei Gästen immer beliebter. Dafür sorgt seit vielen Jahren ein großes Höhenfeuerwerk, das mit Einbruch der Dunkelheit gestartet wird.

Ein Fest dieser Größenordnung ist aber nur durchzuführen, wenn viele Freiwillige und fleißige Hände den Heimatverein tatkräftig unterstützen. Und darauf kann sich der Verein seit fast 50 Jahren verlassen. So ist zum Beispiel der Löschzug der Feuerwehr seit dem ersten Fest als Zapfteam dabei. Schließlich wissen die Helfer, dass der Erlös der Veranstaltung am Ende zum großen Teil der Verschönerung des Dorfes und des Rosengartens zugutekommt

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