Sensenkursus
Wie zu Opas Zeiten

Lüdinghausen -

Es hat durchaus etwas Meditatives, das Gras mit der Sense zu schneiden. Diese Erfahrung machten die Teilnehmer eines Kurses, den das Biologische Zentrum jetzt anbot. Doch die Sende hat noch weitere Vorteile.

Dienstag, 23.08.2016, 15:08 Uhr

Vier Stunden lang arbeiteten sich die Teilnehmer durch das hohe Gras.
Vier Stunden lang arbeiteten sich die Teilnehmer durch das hohe Gras. Foto: nit

Hartmut Winkels hat ein klares Feindbild: den Freischneider oder, wie er ihn nennt, „das lärmende, stinkende, motorbetriebene Grasabreißgerät“. Wenn er das hohe Gras auf einer Wiese mähen möchte, dann greift er lieber auf ein Hilfsmittel mit über 2000-jähriger Tradition zurück – auf die Sense . Wie man mit ihr schneidet, das zeigte der Sensenlehrer jetzt neun Teilnehmern eines Kurses im Biologischen Zentrum.

Der Rücken macht die Arbeit.

Hartmut Winkels

Dort, am Rande der kleinen Testwiese, steht Sarah Moritz . Sie und das scharfe Werkzeug sind bislang nicht die besten Freunde. Bei den ersten Schneidversuchen hapert es noch. „Es ist schwierig, die Sense nicht zu tief zu halten, sodass man nicht in den Boden sticht, aber auch nicht zu hoch“, sagt die Fröndenbergerin. Sie hat die Teilnahme an dem Kursus ihrem Vater geschenkt und ist dann gleich selbst mitgekommen. „Der Rücken macht die Arbeit“, gibt Sensenlehrer Winkels einen Tipp, während er ihr die Schwungbewegung demonstriert. „Die Arme dienen nur als Mitnehmer für die Sense und bleiben steif wie das Holz des Sensenbaums.“ Und dann sollte das Werkzeug noch nahe am Körper gehalten werden.

Ich finde, dass das eine schöne Bewegung ist.

Frank Peters

Für blutige Anfänger – im übertragenen Sinne, verletzt an der Klinge hat sich zum Glück keiner – stellt die Wiese aber auch eine Herausforderung dar. Vergleichsweise hochgewachsen und trocken gleitet das Sensenblatt nicht so butterweich wie bei frischem, grünen Gras. „Das ist daher eigentlich schon Fortgeschrittenen-Niveau“, sagt Winkels. In etwa 40 solcher Kurse allein in diesem Jahr führt er Interessierte an die besten Techniken heran. Er spricht daher von einer „Renaissance der Sense“, die aus seiner Sicht nur Vorteile besitzt. Die Anschaffungskosten für das Gerät sowie das passende Equipment hielten sich mit 200 Euro in Grenzen, und richtig gepflegt halte das Werkzeug mehr als ein Menschenleben.

Entspannung

Die meisten Teilnehmer besitzen daheim selbst eine Wiese, etwa für ihre Tiere. Die Pferde auf der Weide von Frank Peters erledigen zwar einen Großteil der „Mäharbeit“, aber, so der Hagener, alles Gras fressen sie nicht auf. Im Frühjahr rückte er dann erstmals mit der Sense an und war begeistert. „Ich finde, dass das eine schöne Bewegung ist“, meint er. Und da die Sense im Gegensatz zum Freischneider keinerlei Lärm produziert, brauche er keine Rücksicht auf seine Nachbarn zu nehmen. Das Sensen entspanne ihn sogar. „Wenn ich genervt von der Arbeit komme und das mache, dann bin ich anschließend weitaus besser gelaunt“, freut er sich über den Nebeneffekt, den seine Familie bestätigen könne.

Da auch die schärfste Sensenschneide trotz Einsatzes eines Wetzsteins, den die Teilnehmer wie ein Taschenmesser an der Hüfte tragen, irgendwann abstumpft, zeigt Winkels im zweiten Teil des Kurses das Dengeln, also das Schärfen durch gezielte Hammerschläge. Das Biologische Zentrum darf sich da schon über eine frisch gemähte Wiese freuen.

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