Der Pilz – ein Mysterium
Demut vor der Natur

Lüdinghausen -

Premiere: Am heutigen Samstag wird erstmalig der „Europäische Tag der Pilze“ begangen. Macht so ein Tag Sinn? Sicher ist:  „Ohne Pilze gäbe es große ökologische Probleme“, sagt Dr. Irmtraud Papke. 120 000 Arten seien weltweit bekannt. Aber es gebe viel, viel mehr.

Samstag, 24.09.2016, 12:09 Uhr

Ein Pilzsammler trägt in einem Waldstück einen Korb mit Maronen. Ohne Pilze – ob essbar oder nicht – würde das Leben so auf der Erde nicht existieren. Foto: Patrick Pleul/dpa
Ein Pilzsammler trägt in einem Waldstück einen Korb mit Maronen. Ohne Pilze – ob essbar oder nicht – würde das Leben so auf der Erde nicht existieren. Foto: Patrick Pleul/dpa

Sie gehören weder der Organismusgruppe der Pflanzen noch der der Tiere an. Sie sind besonders genug, um eine ganz eigene biologische Einheit zu bilden. Wie viele verschiedene Arten es von ihnen allein in Europa gibt? Dr. Irmtraud Papke , Leiterin des Biologischen Zentrums in Lüdinghausen , legt sich an diesem wunderbar sonnigen Septembermorgen nicht fest. Die Rede ist – von Pilzen .

Am heutigen Samstag findet der erste Europäische Pilztag statt. Er wurde von der Fachzeitschrift „Tintling“ ins Leben gerufen. Deren Macher wollen nach eigenen Angaben durch diesen Aktionstag die Popularität der Pilze erhöhen, die Kenntnisse über diese Organismusgruppe fördern und mithelfen, das seltene Arten erhalten bleiben. Auch die Bewahrung der traditionellen Volksnamen der Pilze in den Sprachen der Welt haben sie sich auf die Fahnen geschrieben.

Der Pilztag soll künftig an jedem vierten Samstag im September stattfinden. Weit über 200 Veranstaltungen in sechs europäischen Ländern gibt es nach Angaben der Initiatoren in diesem Jahr. Im Biologischen Zentrum war aus terminlichen Gründen bereits am vergangenen Wochenende eine Pilzausstellung eröffnet worden.

Ohne Pilze würde das Leben so auf der Erde nicht existieren. Das ist sicher. Weder Bier noch Penicillin würde es geben. Das weiß noch so ziemlich jeder. Dass Pilze aber Bäumen helfen, Wasser und Mineralien aus dem Boden zu holen, dieses Wissen ist schon weniger verbreitet. Andere, etwa der Lackporling, räumen im Wald auf, indem sie abgestorbene respektive absterbende Bäume zersetzen. Viele Orchideen würden nicht wachsen, wenn es keine Pilz gebe. „Sie können sich großenteils nicht ohne die Beteiligung von Pilzen vermehren“, erläutert Irmtraud Papke. Die Biotechnik nutzt Pilze auch – um beispielsweise Zitronensäure herzustellen, die etwa in Entkalkern wirkt.

Das Image des Pilzes – ist es eher schlecht oder gut? Wer ihn als Sternrußtau auf seinen vormals wunderschönen Rosen entdeckt, wird verärgert sein; wer ihn auf Wiesen oder in Wäldern als Champignon oder als Maronen-Röhrling findet, dürfte Glück empfinden. Irmtraud Papke ärgert es, wenn Pilze einfach so achtlos zertreten werden. „Ein Wald ist ökologisch wertvoll, wenn dort viele Pilze wachsen.“ Dass sich Spaziergänger und andere an ihrer Schönheit erfreuen, selbst wenn sie nicht essbar sind, wünscht sich die Biologin. Apropos essbar: Papke ruft in diesem Zusammenhang in Erinnerung, dass nur derjenige Pilze selbst sammeln sollte, der sich wirklich damit auskennt.

Bleibt die Frage, wie viele Arten es gibt? „In Nordrhein-Westfalen sind um die 4500 Arten von Großpilzen nachgewiesen. Das sind die Pilze, die man mit bloßem Auge erkennen kann. Dazu kommt noch eine große Zahl an mikroskopisch kleinen Pilzarten. Weltweit sind circa 120 000 Pilzarten bekannt. Fachwissenschaftler vermuten, dass die bisher bekannten Arten nur einen kleinen Teil der tatsächlich existierenden Arten ausmachen“, sagt die Leiterin des Biologischen Zentrums in Lüdinghausen.

Demut vor der Natur – sie müsste sicherlich viel größer sein. „Es ist eine Fehleinschätzung“, sagt Irmtraud Papke ruhig aber bestimmt, „dass der Mensch die Natur auch nur ansatzweise beherrschen kann.“

Und wenn es Pilze auf der Erde überhaupt nicht mehr geben würde? „Dann gäbe es sicherlich große ökologische Probleme – zum Beispiel für die 95 Prozent aller Pflanzenarten, die in Symbiose mit Mykorrhiza-Pilzen leben.

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