Theologisches Forum
Über den Dschihad

Lüdinghausen -

„Wir lieben den Tod – der Dschihad und der Nihilismus des Westens“ ist ein Vortrag betitelt, mit dem Prof. Dr. Jürgen Manemann am 29. September das „Theologische Forum“ eröffnen wird.

Samstag, 24.09.2016, 15:09 Uhr

Referiert beim Theologischen Forum: Jürgen Manemann.
Referiert beim Theologischen Forum: Jürgen Manemann. Foto: privat

Die Frage nach Notwendigkeit und Funktion des Glaubens berührt den Kern aller Religionen. Mit dieser Frage beschäftigt sich die mittlerweile 26. Reihe des „Theologischen Forums“, das am Donnerstag (29. September) um 19.30 Uhr im Pfarrheim St. Felizitas mit einem Vortrag von Prof. Dr. Jürgen Manemann beginnt.

Die von Karl-Heinz Kocar initiierte und organisierte Reihe steht in diesem Jahr unter dem Titel „Braucht Mensch Glauben?“. In besonderer Form stelle diese Frage sich heute wohl im Zusammenhang mit dem Auftreten des Islamismus, der den erbitterten „Kampf gegen die Ungläubigen“ auf seine Fahnen geschrieben hat, heißt es in einer Pressemitteilung. Bezeichnenderweise seien die schiitischen Moslems für den von Sunniten geführten „Islamischen Staat“ der Hauptfeind.

Ein vergleichbares Problem entstehe aus christlich-fundamentalistischer Perspektive: Wenn nämlich ein amerikanischer Präsidentschaftsbewerber in seinen grob antiislamischen Reden ständig Öl ins Feuer weltweiter Konflikte gieße, instrumentalisiere er in populistischer Absicht das mit der „westlichen“ Zivilisation so eng verbundene Christentum für seine eigenen Wahlkampfzwecke.

Dabei sei längst klar, dass es globale, ökonomische Interessen seien, die die weltweite Auseinandersetzung der Kulturen befeuerten. Kriege um den ungehinderten Zugang zum Öl gehörten dazu und natürlich auch regionale politische Hegemonieansprüche – wie etwa die Auseinandersetzung zwischen dem Iran und Saudi-Arabien.

Globale Ungerechtigkeit und ungeheure soziale Verwerfungen würden auch ermöglicht durch despotische Regime in vielen Staaten der Erde. Und immer breiter werde der Riss, der durch die Welt gehe: „Es gibt die wirtschaftlich starken Länder, die von der Globalisierung in unermesslicher Weise profitieren, und solche, die gerade dadurch im Elend zu versinken drohen. Wen wundert es da eigentlich noch, dass die Flüchtlingsströme nicht abbrechen?“, fragt Kocar.

Das Theologische Forum will in diesem Herbst Chancen und Gefahren thematisieren, die sich mit dem (religiösen) Glauben verbinden. Jürgen Manemann stellt in seinem Vortrag „Wir lieben den Tod – der Dschihad und der Nihilismus des Westens“ die Frage: „Warum übt der Dschihadismus auf junge Menschen in der westlichen Welt eine so große Faszination aus?“ Er geht den Ursachen für diese Anziehungskraft auf den Grund, indem er die Perspektive auf die kulturellen Krisen westlicher Gesellschaften richtet: auf Gefühle der Leere, der Sinn- und Hoffnungslosigkeit und ihre Folgen in Form von Resignation, Ressentiment und Zynismus.

Der Dschihadismus präsentiere sich als Therapie. In Wirklichkeit verschärfe er jedoch die Krise, da er die Unfähigkeit verstärkt, das Leben zu bejahen. Als aktiver Nihilismus produziere er Kälte gegenüber der Gefühlswelt anderer Menschen sowie Hass und blinde Gewalt. Die westlichen Gesellschaften müssten Gegenkräfte entwickeln, indem sie eine konsequente Politik der Anerkennung und der Leidempfindlichkeit verfolgten und so den Sinn für eine Kultur der Humanität wieder stärkten, heißt es abschließend.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4325119?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F4849084%2F4849088%2F
Nachrichten-Ticker