Gewalt gegen Lehrer
Klare Kante zeigen

Lüdinghausen -

Für „klare Kante“ spricht sich Sabine Neuser bei (Verbal-)Attacken von Schülern oder Eltern gegen Lehrer aus. In Lüdinghausen sei die Situation allerdings nicht dramatisch, sind sich die Schulleiter einig. Viel werde über Kommunikation geregelt.

Donnerstag, 17.11.2016, 18:11 Uhr

Im „Klassenrat“ besprechen diese Schüler einmal in der Woche alle wichtigen Themen. Dieses Instrument zur Konfliktlösung wird zum Beispiel auch an der Sekundarschule eingesetzt.
Im „Klassenrat“ besprechen diese Schüler einmal in der Woche alle wichtigen Themen. Dieses Instrument zur Konfliktlösung wird zum Beispiel auch an der Sekundarschule eingesetzt. Foto: dpa

Eine aktuelle Forsa-Umfrage unter Lehrkräften hat Anfang der Woche für Schlagzeilen gesorgt. Demnach sehen sich Lehrer immer häufiger aggressiven Schülern, aber auch Eltern gegenüber. Diffamierungen, Drohungen, bis hin zur körperlichen Gewalt – damit hat laut der Umfrage jeder vierte Lehrer in NRW schon einmal zu tun gehabt. Stellt sich die Frage, ob dieses Phänomen auch an den Schulen der Steverstadt zu beobachten ist.

„Zum Glück kann ich sagen, dass es solche Vorfälle nur sehr selten gibt. Und wenn so etwas im Unterricht passiert, dann reagieren wir sofort und konsequent. In solchen Momenten, heißt es, klare Kante zeigen“, sagt Sabine Neuser , Leiterin des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs. „Damit es aber erst gar nicht so weit kommt, legen wir viel Wert auf Präventionsarbeit, bei der die Schüler einen respektvollen Umgang miteinander, die Einhaltung von Regeln oder auch die Konfliktlösung durch Kommunikation lernen“, erzählt Neuser und nennt als ein aktuelles Beispiel die Teilnahme des Berufskollegs an der gerade laufenden landesweiten „Woche des Respekts“.

Prävention ist übrigens auch das Schlagwort, wenn Mathias Pellmann, Leiter der Sekundarschule, seine Gedanken zum Thema Gewalt und Schule äußert. „Wir investieren vom ersten Schultag an jede Menge Zeit, Personal und Mittel in die vorbeugende pädagogische Arbeit.“ Gerade eine Schule, die für alle Schüler offen sei, müsse von Anfang eine Grundlage schaffen, dank der sich alle Schüler und auch die Eltern in der Schulgemeinschaft angenommen und gut aufgehoben fühlten. Ein Beispiel: In allen Klassen gibt es einen „Klassenrat“, der einmal in der Woche zusammenkommt. Dort werden Probleme besprochen, es können Anträge gestellt werden oder es wird abgestimmt werden, wie der nächste Wandertag aussehen soll. „Das ist im Prinzip wie ein Parlament, in dem jeder Schüler der Klasse einen Sitz hat“, so Pellmann. Demokratie im Kleinen sozusagen.

Für das St.-Antonius-Gymnasium hat dessen stellvertretender Leiter Jörg Schürmann auf die Frage, ob Gewalt durch Schüler oder Eltern ein Thema sei, nur eine Antwort: „Bei uns ist die Welt noch in Ordnung. Ich wüsste keinen einzigen Vorfall, wo eine Situation eskaliert wäre.“ Den Grund sieht Schürmann vor allem im engen Kontakt zwischen Lehrkräften, Schülern und den Familien. „Bei uns geht so schnell keiner verloren.“ Lüdinghausen sei überschaubar, von vielen Schülern hätten schon die Eltern oder Geschwister das Anton besucht. Ein respektvoller Umgang sei für das Gymnasium keine „leere Worthülse“ sondern gelebte Tradition.

Und wie sieht es an den Grundschulen der Steverstadt aus? Martin Flügel, Leiter der Marienschule in Seppenrade, winkt ab: „Mit Eltern habe ich eine solche Situation noch nie erlebt.“ Bei einzelnen Schülern könne es wohl sein, dass sie erst noch lernen müssten, „dass man nicht einfach jemanden hauen kann, wenn man sauer ist“. Aber genau das sei ja auch eine pädagogische Aufgabe, die Schule leiste.

Dass es durchaus auch mal zu – zumindest verbalen – Übergriffen seitens der Eltern kommen kann, weiß dagegen Tanja Grewe. Sie leitet seit zwei Jahren die Ludgerischule und hat zuvor fünf Jahre lang an einer Grundschule im Dortmunder Norden gearbeitet. „Das war eine lehrreiche Zeit für mich. Dort habe ich erlebt, dass aggressive Kinder meist nur das ausleben, was sie von zu Hause kennen. Wenn Eltern Konflikte nicht im Gespräch sondern durch Gewalt lösen, wenn in der Familie allgemein ein respektloser Umgang herrscht, verhalten sich die Kinder in der Schule genauso.“ Bei den Eltern seien es dagegen häufig Missverständnisse oder ein Gefühl der Überforderung, die ein Gespräch mit dem Lehrer aus dem Ruder laufen ließen. „Sobald ein Elterngespräch emotional wird, breche ich es ab. Dann brauchen beide Seiten erstmal eine Pause“, so Grewe. Wie heilsam eine solche Unterbrechung sein kann, belegt ein Fall, den die Schulleiterin erst jüngst erlebte. „Da ist ein Vater mir gegenüber verbal übergriffig geworden, hat mich beleidigt.“ Sie habe das Gespräch sofort beendet. „Und am nächsten Tag stand der Vater vor meiner Tür und hat sich entschuldigt.“

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