Verwaltungsaufwand zu hoch
Bei dieser Ampel sehen Bäcker rot

Lüdinghausen -

Die Hygieneampel bringt heimische Bäcker in Rage. An sich durchaus sinnvoll, sei sie zu viel bürokratisch und auch undurchsichtig, erklären sie.

Sonntag, 20.11.2016, 06:11 Uhr

Auf ein geteiltes Echo stößt die neue Hygiene-Ampel bei den heimischen Bäckern. Sinnvoll, sei sie, aber viel zu bürokratisch.
Auf ein geteiltes Echo stößt die neue Hygiene-Ampel bei den heimischen Bäckern. Sinnvoll, sei sie, aber viel zu bürokratisch. Foto: colourbox

„Grundsätzlich finde ich die Idee nicht schlecht. Es stellt sich nur die Frage nach der Umsetzung.“ Michael Geiping, Mitinhaber und Geschäftsführer der gleichnamigen Lüdinghauser Bäckerei mit rund 50 Filialen im südlichen Münsterland steht der Einführung eines öffentlichen Kontrollbarometers, wie es die Landesregierung NRW mit der „ Hygieneampel “ (siehe Infokasten) plant, durchaus offen gegenüber.

Nicht ohne Grund bieten wir regelmäßig Führungen durch unsere Backstube an.

Michael Geiping

Eine möglichst große Transparenz gegenüber den Kunden sei in seinem Betrieb ohnehin schon lange gelebte Normalität. „Nicht ohne Grund bieten wir regelmäßig Führungen durch unsere Backstube an.“ Zweifel hat Geiping aber an der Aussagekraft der Hygieneampel. „Der Kunde sieht nur eine Farbe, und sobald die nicht grün ist, wird er zögern, den Laden zu betreten.“ Doch was genau zu einer schlechten Bewertung geführt habe, das könne der Kunde eben nicht erkennen. „Gab es in der Backstube tatsächlich Mängel in der Sauberkeit oder sind nur irgendwelche Dokumente nicht korrekt ausgefüllt worden? Beides hat die gleichen Auswirkungen, ist für den Kunden aber von ganz anderer Bedeutung“, so Geiping.

Wie funktioniert die Hygieneampel?

Anhand eines Transparenz-Systems in Ampel-Farben können Verbraucher künftig an jedem Café, jeder Bäckerei, jedem Restaurant und jedem Lebensmittelmarkt sehen, wie die letzten amtlichen Betriebskontrollen ausgefallen sind. Die Einstufung kommt über „Risikopunkte“ zustande, die bei den Kontrollen vergeben werden. Je mehr Verstöße, desto mehr Negativ-Punkte. Grün (null bis 36 Punkte): Die Anforderungen wurden erfüllt. Es wurden keine oder wenige geringfügige Mängel gefunden. Gelb (37 bis 54 Punkte): Die Anforderungen wurden nur teilweise erfüllt. Es wurden mehrere geringfügige oder einzelne schwerwiegende Mängel gefunden. Rot (55 bis 73 Punkte): Die Anforderungen wurden nur unzureichend erfüllt. Betriebe im gelben oder roten Bereich haben das Recht auf eine zusätzliche Kontrolle innerhalb von drei Monaten. | Quelle: Umweltministerium NRW

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Zudem wisse noch niemand genau, wie die Hygieneampel genau funktionieren soll. „Das ist ein bisschen wie eine Wundertüte für uns. Wir werden erstmal abwarten müssen, was da im Einzelnen auf uns zu kommt.“ Schon jetzt betreibe man beim Thema Hygiene einen großen Aufwand. „Wir arbeiten deswegen extra mit einem renommierten Institut zusammen, das bei uns regelmäßig mikrobiologische Proben nimmt.“

Das ist ein bisschen wie eine Wundertüte für uns.

Jörg Terjung

Beim Wort „Hygieneampel“ sieht Bäcker Jörg Terjung nicht drei, sondern nur eine Farbe. Und die ist dunkelrot. „Das treibt mich gerade wirklich um. Dabei ist das Thema ‚Hygiene in der Backstube‘ für mich schon vor vielen Jahren von großer Bedeutung gewesen.“ So habe er bereits Mitte der 90er Jahre zusammen mit dem Veterinäramt Münster und einer Gruppe Di­plomstudenten an einem Fachbuch für moderne Hygienerichtlinien mitgearbeitet. „Aber diese Ampel, die halte ich für kein sinnvolles Instrument.“

Er arbeite seit Jahren vertrauensvoll mit den Prüfern der Lebensmittelkontrolle zusammen. „Und wenn da mal etwas bemängelt wird, wird das umgehend abgestellt.“ Hundertprozentige Hygiene könne es aber nun mal in keinem Betrieb geben. So seien zum Beispiel Lehrlinge mit der Vielzahl an Vorschriften und Richtlinien anfangs überfordert. „Da passieren halt Fehler. Aber welche Bäckerei möchte dafür an den Pranger gestellt werden?“ Transparenz gegenüber dem Kunden sei wichtig. Nicht umsonst habe er die „gläserne Backstube“ an seinem Stammsitz an der Steverstraße eingerichtet. „Dort können die Passanten direkt vom Bürgersteig aus in meine Backstube schauen. Mehr Transparenz geht nun wirklich nicht.“

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