Förderung für leistungsstarke Schüler
Nicht nur Ausnahmetalente werden gefördert

Lüdinghausen -

125 Millionen Euro wollen Bund und Länder in den nächsten zehn Jahren investieren, um „leistungsstarke und potenziell besonders leistungsfähige Schüler“ intensiver zu fördern. Doch wie sieht diese Förderung aktuell aus – zum Beispiel an den beiden Gymnasien der Steverstadt?

Mittwoch, 07.12.2016, 07:12 Uhr

Michael Dahmen 
Michael Dahmen  Foto: wer

Wenn Bund oder Land in der Vergangenheit Förderprogramme an Schulen finanziell unterstützten, lag das Augenmerk dabei meist auf den leistungsschwachen Schülern. Das soll sich ändern. 125 Millionen Euro wollen Bund und Länder in den nächsten zehn Jahren investieren, um „leistungsstarke und potenziell besonders leistungsfähige Schüler“ intensiver zu fördern. Doch wie sieht diese Förderung aktuell aus? Zum Beispiel an den beiden Gymnasien der Steverstadt. Redaktionsmitglied Beate Nießen hat einmal bei den Schulleitern Elisabeth Hüttenschmidt (St.-Antonius-Gymnasium) und Michael Dahmen (Gymnasium Canisianum) nachgefragt:

Stichwort „Begabtenförderung“ – wie stellen Sie eigentlich fest, ob ein Schüler besonders begabt ist?

Elisabeth Hüttenschmidt: Das ist unterschiedlich. Manchmal weisen uns die Eltern schon im Anmeldungsgespräch darauf hin, dass ihre Kinder eine besondere Begabung haben, zum Beispiel im mathematischen oder sprachlichen Bereich. Häufiger passiert es aber erst später, wenn die Schüler im Unterricht mit ihren Leistungen auffallen.

Michael Dahmen: Das ist bei uns ganz ähnlich. Viele dieser Schüler fallen in der Grundschule noch gar nicht auf. Ihre besonderen Fähigkeiten stellen sich meist erst im weiteren Verlauf ihres Schulbesuchs heraus. Das Kollegium reagiert da sehr sensibel und hat diese Schüler ebenso im Blick wie die leistungsschwachen.

Können Sie überhaupt sagen, wie viele Ihrer Schüler über eine besondere Begabung verfügen?

Hüttenschmidt: Wir haben ungefähr eine Handvoll Schüler, bei denen tatsächlich eine Hochbegabung diagnostiziert wurde. Allerdings soll sich das neue Förderprogramm ja nicht nur an diese eher kleine Gruppe richten, sondern auch an alle anderen leistungsstarken Schüler. Und von denen gibt es deutlich mehr.

Dahmen: Das ist mir auch sehr wichtig. Es geht bei der Begabtenförderung eben nicht nur um die absoluten Ausnahmetalente , die zum Beispiel in der Mathematik ebenso brillieren wie an der Violine, und die es natürlich auch an unserer Schule gibt. Es geht vielmehr auch um den „normalen Schüler“, der in einem bestimmten Fach leistungsstärker, talentierter oder vielleicht auch nur interessierter ist als der Klassendurchschnitt. Den gilt es ebenso zu fördern, wie den Schüler, dessen Leistungen unter dem Durchschnitt liegen.

Wie funktioniert die Förderung leistungsstarker Schüler aktuell?

Hüttenschmidt: Bei uns baut die Förderung auf drei Säulen auf. Im sprachlichen Bereich bieten wir zum Beispiel mit den bilingualen Klassen die Möglichkeit, bis einschließlich des Abiturs die Schule zweisprachig zu durchlaufen. Dazu kommen Sprachzertifikate und die Teilnahme an Wettbewerben und Schüleraustauschprogrammen. Die zweite Säule umfasst die sogenannten MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Da nehmen unsere Schüler an bundesweiten Wettbewerben und Camps teil, wir organisieren Aktionstage oder wie jüngst die „lange Nacht der Mathematik“ für die Jahrgänge fünf und sechs. Die dritte Säule betrifft den sportlichen Bereich. Da bietet das „Anton“, neben der Teilnahme an Wettbewerben, als Partnerschule des Leistungssports eine umfassende Begleitung und Förderung, damit Schüler Leistungssport und Schule vereinbaren können.

Dahmen: Auch bei uns ist das Instrumentarium zur Förderung besonderer Talente breit gefächert. So bieten wir zum Beispiel musisch begabten Schülern an, im Abitur ihre Stärke an einem Instrument als ‚besondere Lernleistung‘ gleichsam als fünftes Prüfungsfach einzubringen. Ein anderes Beispiel ist der Fachraum, den wir extra für jene Schüler eingerichtet haben, die im naturwissenschaftlichen Bereich besonders interessiert sind und dort mit Unterstützung unserer Fachlehrer an externen Wettbewerben teilnehmen. In diesem Raum können die Schüler ihre Experimente in Ruhe vorbereiten und durchführen. Im sprachlichen Bereich führen wir beispielsweise einen internen Literaturwettbewerb durch.

Das klingt ganz so, als geschehe in Sachen Begabtenförderung schon eine ganze Menge. Ist da überhaupt ein zusätzliches Förderprogramm noch notwendig?

Hüttenschmidt: Also, wir werden uns auf jeden Fall daran beteiligen, wenn wir die Möglichkeit bekommen. Wir haben mit Sabine Düstersiek zwar schon eine Kollegin, die sich speziell um den Bereich der Förderung kümmert, würden uns über zusätzliche Mittel aber natürlich freuen. Zum Beispiel, um die Differenzierung im Regelunterricht noch weiter ausbauen zu können.

Dahmen: Wir haben uns bereits auf den Weg gemacht, die individuelle Förderung an unserer Schule weiter auszubauen und sie vor allem noch systematischer anzugehen. Dazu haben wir Anfang Oktober eine zusätzliche Studiendirektorenstelle geschaffen, die von der Kollegin Bettina Hermes übernommen worden ist. Sie wird sich schwerpunktmäßig um diesen Themenbereich kümmern und neue Ideen entwickeln. Da würde die Teilnahme an dem neuen Förderprogramm von Bund und Land natürlich sehr gut hineinpassen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4482552?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F4849084%2F4849085%2F
Nachrichten-Ticker