Zukunft der Ludger-Kirche
Freie Christengemeinde möchte Gotteshaus möglichst bald kaufen

Lüdinghausen -

Die Pfarrgemeinde St. Felizitas möchte die Ludger-Kirche an die freie Christengemeinde „Gottes Wort“ verkaufen. In einer Gemeindeversammlung am Mittwochabend stellte Pastor Ivan Stukert die Pläne der Glaubensgemeinschaft für das Gotteshaus vor. Dabei traten neben Hoffnungen auch Ängste und Sorgen von Mitglieder der katholischen Kirchengemeinde zutage.

Freitag, 20.01.2017, 08:01 Uhr

Großes Interesse: Rund 150 Teilnehmer zählten die Initiatoren der Gemeindeversammlung in der Ludger-Kirche am Mittwochabend.
Großes Interesse: Rund 150 Teilnehmer zählten die Initiatoren der Gemeindeversammlung in der Ludger-Kirche am Mittwochabend. Foto: Anne Eckrodt

Sorgen, Ängste, aber auch viele Hoffnungen – all das trat bei der Gemeindeversammlung zum geplanten Verkauf der Ludger-Kirche am Mittwochabend zutage. Rund 150 Gläubige sowohl der katholischen Pfarrgemeinde St. Felizitas , zu der die Ludger-Kirche seit der Fusion 2007 gehört, als auch der freikirchlichen Christengemeinde „Gottes Wort“, die das Gebäude kaufen möchte, füllten einen großen Teil der Kirchenbänke. „Dieser Abend soll Ihnen allen helfen, miteinander in den Dialog zu treten“, umriss Moderator und Pastoralreferent Franz-Josef Roth aus Dinslaken, der auch für die Pastoralberatung des Bistums tätig ist, das Ziel der Versammlung.

Was wir derzeit im Bistum Münster an Veränderungen erleben, ist eine riesige Herausforderung.

Georg Schoofs

Pfarrer Benedikt Elshoff skizzierte in einem Rückblick die bisherige Entwicklung. So ist im Zuge der Fusion die Entscheidung getroffen worden, dass das pastorale Zentrum der Großgemeinde rund um die Felizitas-Kirche angesiedelt werden soll – samt Verwaltung im Pfarrhaus und dem Pfarrheim, das nun umgebaut und erweitert wird. Das Immobilienkonzept sieht vor, dass bis 2018 Klarheit herrscht, was mit der Ludger-Kirche passieren soll. Denn: „Als das Konzept vor vier Jahren entwickelt wurde, herrschte in den Gremien Klarheit darüber, dass wir hier in Lüdinghausen keine zweite große Kirche gebrauchen. Zumal wir ja noch die Dionysius-Kirche haben.“

Pastor Ivan Stukert stellte die Pläne der Christengemeinde für das Gotteshaus vor.

Pastor Ivan Stukert stellte die Pläne der Christengemeinde für das Gotteshaus vor. Foto: Anne Eckrodt

Mit dem Thema steht die Pfarrgemeinde nicht alleine da, wie Georg Schoofs vom Referat Liegenschaften des Bischöflichen Generalvikariats deutlich machte. In vielen Orten wurde und wird über die Nutzung oder gar den Abriss von Kirchen diskutiert. „Was wir derzeit im Bistum Münster an Veränderungen erleben, ist eine riesige Herausforderung“, betonte Schoofs. Der Grund für den Wandel ist eng mit dem Thema Geld verbunden. So werde es in den nächsten 20 Jahren alleine aus demografischen Gründen im nordrhein-westfälischen Teil des Bistums einen Steuerrückgang in der katholischen Kirche von 35 Prozent geben, sagte Schoofs.

Die freie Christengemeinde „Gottes Wort“ hat 2013 bei der katholischen Pfarrgemeinde angeklopft. Seitdem nutzt sie das Pfarrheim St. Ludger für ihre Treffen und feiert in der benachbarten Kirche auch Gottesdienste. „Es war ein Segen, dass wir uns hier drei Jahre versammeln durften“, hob Ivan Stukert , Pastor und Vorsitzender der Christengemeinde hervor. Da das Pfarrheim – wie berichtet – im Sommer vom Caritas-Kreisverband übernommen und umgebaut wird, möchte die Christengemeinde die Ludger-Kirche kaufen. „Wir sind uns bewusst, dass das für Sie ein emotionaler Moment ist“, wandte sich Stukert an den Teil Versammlungsteilnehmer, der bis zur Fusion zur Pfarrgemeinde St. Ludger gehörte. Nicht nur ihnen gegenüber betonte er: „Die Kirche bleibt eine Kirche.“

Von Sekten distanzieren wir uns ganz klar.

Ivan Stukert

Ob denn dann hier weiterhin katholische Gottesdienste stattfinden könnten, wollte ein Teilnehmer wissen. Elshoff: „Diese Frage haben wir der Christengemeinde auch gestellt und ein klares Ja zur Antwort bekommen, worüber wir uns sehr freuen.“ Darauf reagierten die Gläubigen mit spontanem Applaus. Außerdem signalisierte Stukert Gruppen wie dem Kirchenchor oder der Frauengemeinschaft, die bislang das Pfarrheim beziehungsweise die Ludger-Kirche nutzen, dass dies bei entsprechender Planung auch in Zukunft möglich sein könnte.

Pastoralreferent Franz-Josef Roth moderierte die Versammlung.

Pastoralreferent Franz-Josef Roth moderierte die Versammlung. Foto: Anne Eckrodt

Außerdem war es ihm wichtig zu betonen, dass die Christengemeinde generell offen für die Zusammenarbeit mit anderen Kirchen und Glaubensgemeinschaften sei. „Von Sekten hingegen distanzieren wir uns ganz klar“, so Stukert.

Seine Gemeinde würde den Kauf – im Raum steht eine erste grobe Preisschätzung von rund 500 000 Euro – gerne möglichst schnell abwickeln, da sie nach dem Wegfall des Pfarrheims ansonsten ohne Bleibe dastehen würde. Außerdem plant sie im hinteren Drittel des Gotteshauses einen Umbau. „Dort sollen Wände und Decken eingezogen werden, um im Erdgeschoss sowie in der ersten Etage Platz für eine Küche, Toiletten sowie Räume für die Kinder- und Jugendarbeit zu schaffen“, erläuterte Architekt Georg Laer. Auf die Frage nach der Finanzierung des Projektes antwortete Stukert: „Unsere Gemeindemitglieder zahlen keine Kirchensteuer. Wir finanzieren uns durch freiwillige Spenden.“

Unsere Gemeindemitglieder zahlen keine Kirchensteuer. Wir finanzieren uns durch freiwillige Spenden.

Ivan Stukert

Auf andere Fragen – beispielsweise nach dem Verbleib der Orgel oder einer möglichen Entweihung der Ludger-Kirche – gab es dagegen noch keine klaren Antworten. Elshoff räumte ein, dass durchaus noch Details zu klären seien. „Generell sind unsere Gremien jedoch so weit, dass sie entscheiden können. Daher haben wir diese Gemeindeversammlung einberufen“, sagte der Pfarrer. Er rechnet im Februar mit einer Entscheidung.

Zusammen mit Stukert sprach er zum Abschluss ein Gebet. Ein Vorgeschmack darauf, wie es in der Ludger-Kirche künftig häufiger sein könnte.

Christengemeinde „Gottes Wort“

Die Christengemeinde ist als evangelischpfingstliche Freikirche Teil der weltweiten Pfingstbewegung, der größten protestantischen Kirche mit globaler Einbindung. Sie ist als eingetragener Verein konstituiert und ein Teil des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Dieser ist als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt, ähnlich wie die römisch-katholische und die evangelische Kirche. Die Christengemeinde „Gottes Wort“ entstand aus einem Bibelgesprächskreis heraus und wurde 2001 in Hattingen gegründet. Zielgruppen sind Familien mit Migrationshintergrund – vor allem aus Osteuropa.

  | Quelle: Christen-

 gemeinde „Gottes Wort“

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