Stephan Bartsch wohnte im Torhaus der Burg Vischering
„Wir waren wie Raubritter“

Lüdinghausen -

Die Umgebung der Burg Vischering, aber auch deren Räume selbst kennt Stephan Bartsch wie seine Westentasche. Schließlich hat er seine Kindheit in unmittelbarer Nachbarschaft verbracht. Groß geworden ist er in dem alten Torhaus.

Samstag, 11.02.2017, 11:02 Uhr

Im Torhaus der Burg Vischering hat Stephan Bartsch seine Kindheit und Jugend verbracht. Seine Mutter wohnte noch bis Anfang der 1980er Jahre in dem Haus aus dem Jahr 1830. Im Zuge der Regionale 2016 soll dort ein Museums-Shop entstehen..
Im Torhaus der Burg Vischering hat Stephan Bartsch seine Kindheit und Jugend verbracht. Seine Mutter wohnte noch bis Anfang der 1980er Jahre in dem Haus aus dem Jahr 1830. Im Zuge der Regionale 2016 soll dort ein Museums-Shop entstehen.. Foto: wer

„Wir haben im Wald Hütten gebaut und manchmal dort geschlafen – bis es uns zu gruselig wurde.“ So erinnert sich Stephan Bartsch an seine Kindheit im schatten der Burg Vischering . „Wir waren wie Raubritter. Wir konnten Krach machen, soviel wir wollten“, sagt der 69-Jährige, dessen Mutter noch bis Anfang der 1980er Jahre in dem aus dem Jahr 1830 stammenden Haus gewohnt hat.

Schon 1946 zogen seine Eltern in das Haus ein. Während die Mutter im gräflichen Haushalt der Drostes half, war sein Vater als gelernter Gärtner zunächst als Waldarbeiter im Vischeringschen Forst tätig. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mussten die Bartschs ein wenig zusammenrücken. „Familie Decker aus Dortmund mit ihrem Sohn zog ein“, weiß Bartsch. Sie bewohnten die Upkammer, zwei kleine Räumchen, die über eine schmale Treppe zu erreichen waren. „Zur Familie gehörte auch Dackel Seppl“, erzählt Bartsch. Der quirlige Vierbeiner sei ein gern gesehener Spielkamerad gewesen.

Die Wände waren hauchdünn. Da bildeten sich im Winter Eiskristalle.

Stephan Bartsch

Ab 1953 wohnte Familie Bartsch mit ihren vier Kindern dann alleine in dem alten, recht zugigen Haus. „Die Wände waren hauchdünn. Da bildeten sich im Winter Eiskristalle“, sagt Stephan Bartsch. Später habe der Vater das Haus eigenhändig isoliert. Und dennoch: „Wir Kinder haben die Zeit genossen. Es war alles so frei.“ Dabei besinnt er sich auf das Eislaufen auf der Gräfte ebenso wie die Feten in der Waschküche, die mit befreundeten Jugendlichen gefeiert wurden.

Bis 1968 hat Bartsch selbst im Torhaus gewohnt. Dann folgten Berufsausbildung und ein Maschinenbaustudium in Berlin. Von dort ging es nach Rheine, seit 1978 lebt er wieder in Lüdinghausen . So habe ihn das Torhaus auch nie wirklich losgelassen. Nicht nur, weil seine Mutter dort noch so lange gelebt hat. Er beschäftigt sich auch intensiv mit der Geschichte des Hauses sowie der umliegenden Gebäude, die teils nicht mehr existieren. Vor allem haben es ihm die ehemaligen Bewohner angetan. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten zeitweise 15 Familien dort Unterschlupf gefunden. Er sammelt alte Zeitungsartikel, Bilder und Pläne, hat im Nachlass seiner Mutter zudem zahlreiche Totenzettel ehemaliger Bewohner gefunden.

Die Prinzessin Lobkowicz wohnte im Rittersaal. Das war eine patente Frau.

Stephan Bartsch

Eine von ihnen ist dem 69-Jährigen ganz besonders in Erinnerung geblieben. „Die Prinzessin Lobkowicz wohnte im Rittersaal. Das war eine patente Frau. Als Kinder haben wir ihr zugesehen, wenn sie ihre Krippen gebaut hat“, berichtet er. Die Adlige stammte aus dem heutigen Tschechien und kam nach dem Zweiten Weltkrieg nach Lüdinghausen, wo sie 1972 starb.

Noch immer führen ihn Spaziergänge rund um die Burg Vischering, die er gemeinsam mit seiner Frau unternimmt, sagt Bartsch. Gespannt ist er, wie diese sich präsentiert, wenn die Umbauten zur Regionale abgeschlossen sind. Unterstützung für seine privaten Forschungen rund um die Geschichte des Torhauses findet er auch bei der Kulturabteilung des Kreises Coesfeld. Dafür sei er besonders dankbar. Seine Recherchen seien allerdings längst nicht abgeschlossen, will er weiter nach Spuren suchen.

Noch immer freut er sich darüber, dass die gräfliche Familie allen vier Bartsch-Geschwistern erlaubt hat, ihre Eheschließungen in der Kapelle der Burg Vischering zu besiegeln. „Meine Mutter hat damals extra einen Brief an den Grafen geschrieben“, zeigt er eine Kopie dieses Schreibens.

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