Elsbeth Vollmer erinnert sich
„Café Hellmann war eine Institution“

Lüdinghausen -

60 Jahre hat sie im Café Hellmann gearbeitet und sogar in dem großen Gebäude gewohnt. Kein Wunder, dass Elsbeth Vollmer so manche Anekdote aus der langen Geschichte des Traditionsunternehmens, das im Sommer 2015 seine Türen schloss, zu erzählen hat.

Samstag, 18.02.2017, 17:02 Uhr

Das Hellmannsche Anwesen am Markt war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts neben der Bäckerei auch ein landwirtschaftlicher Betrieb.
Das Hellmannsche Anwesen am Markt war bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts neben der Bäckerei auch ein landwirtschaftlicher Betrieb. Foto: privat

Sie war gleichsam lebendes Inventar im Café Hellmann – Elsbeth Vollmer . Die 76-Jährige hat sechs Jahrzehnte in dem traditionsreichen Haus am Marktplatz gearbeitet. Und das bis zum tatsächlich letzten Tag im Sommer 2015. Sogar gewohnt hat sie in dem großen Haus. Drei Generationen Hellmanns hat sie als Arbeitgeber erlebt – zunächst Großvater Josef Hellmann, dann Hermann und Maria Hellmann und schließlich Susanne Hellmann, ihre Nichte.

An verkaufsoffenen Sonntagen ging hier die Post ab.

Elsbeth Vollmer

Die Lehre als Verkäuferin im „Nahrungsmittelhandwerk“ hatte sie Mitte der 1950er noch bei Josef Hellmann gemacht. Aber letztlich, so die Rentnerin, sei sie in dem Familienbetrieb doch so etwas wie das „Mädchen für alles“ gewesen. Und so war sie nicht nur im Verkauf der Bäckerei tätig, sondern auch in der damals noch bestehenden Gaststätte und im Hotel.

„Hellmann war eine Institution“, erinnert sich Vollmer. Die Gäste seien auch aus dem weiteren Umland gekommen. „An verkaufsoffenen Sonntagen ging hier die Post ab.“

Das bestätigt auch ihr Neffe Hermann Hellmann. Der ist selbst Konditormeister. In früheren Jahren hat er häufig in der Backstube und später in der Konditorei ausgeholfen, erzählt der 53-Jährige. Und über seine Tante Elsbeth sagt er: „Sie hat immer zur Familie gehört.“ Und so blättern Tante und Neffe in alten Fotografien aus der langen Geschichte des Hauses Hellmann. Eines der ältesten Bilder zeigt nur die rechte Hälfte des prägenden Doppelgiebelhauses am Marktplatz. Links daneben steht eine Scheune. „Früher hatte die Familie noch Landwirtschaft“, weiß Hermann Hellmann. Die beiden Giebelhäuser entstanden erst 1906 und 1908. Gegründet worden sei der Betrieb aber schon 1838.

Elsbeth Vollmer und ihr Neffe Hermann Hellmann stöbern in alten Fotos.

Elsbeth Vollmer und ihr Neffe Hermann Hellmann stöbern in alten Fotos. Foto: Peter Werth

Mit der Zeit veränderte sich die Nutzung des Gebäudes. So wurde der Hotelbetrieb Mitte der 1970er Jahre eingestellt, sagt Hellmann. Im rechten Giebelhaus war von 1970 bis 1988 eine Filiale der Commerzbank untergebracht. Danach wurde das Café in diesen Bereich vergrößert. „Wir hatten dann über 100 Plätze“, erzählt Elsbeth Vollmer. Im hinteren Bereich des großflächigen Komplexes hatte über viele Jahre die Marinekameradschaft ihr Domizil. „Mein Vater gehörte auch zu den Marinern“, berichtet Hellmann. „Dort wurden oft rauschende Feste gefeiert.“

In den letzten Jahren sei das Geschäft allerdings immer schwieriger geworden. Das Einkaufsverhalten der Menschen habe sich geändert, das angestammte Pu­blikum sei weniger geworden, beschreibt Hellmann diesen Prozess. Und so sei der Verkauf an die Apollon Immobilien GmbH eine letztlich gute Entscheidung gewesen. „Das Haus sollte in Lüdinghauser Hand bleiben“, sind sich Tante und Neffe einig.

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