Karnevalsgesellschaft "Stabil daobi“
Der Mann mit der weißen Weste

Seppenrade -

Wohl dem, der von sich behaupten kann, eine weiße Weste zu haben. Bei Markus Wittkemper ist sie das Erkennungszeichen, das ihn als Präsidenten der KG „Stabil daobi“ ausweist. Dort ist er seit 1993 einer der karnavalistischen Strippenzieher.

Dienstag, 21.02.2017, 11:02 Uhr

Gibt bei „Stabil daobi“ den Ton an: Markus Wittkemper (re.) ist seit vier Jahren Präsiden der KG. Auch sein Sohn Jan (kl. Bild li.) und Tochter Eva sind dort aktiv.
Gibt bei „Stabil daobi“ den Ton an: Markus Wittkemper (re.) ist seit vier Jahren Präsiden der KG. Auch sein Sohn Jan (kl. Bild li.) und Tochter Eva sind dort aktiv. Foto: west

Keine Frage: Markus Wittkemper hat eine absolut weiße Weste – streng genommen ein weißes Jackett. Zwischen lauter roten Exemplaren ist es das Erkennungszeichen des Präsidenten und Vorsitzenden der Sepenrader Karnevalsgesellschaft „Stabil daobi“. In den kommenden Tagen wird der 50-Jährige es wohl nur zum Schlafen ausziehen. Und das wird – da muss man kein Hellseher sein – nicht allzu lange sein.

„Ab Mittwochmorgen, wenn der Zeltaufbau für den Kinderkarneval und unsere Sitzung am Rosenmontag beginnt, bin ich eine Woche im Dauereinsatz“, kündigt der begeisterte Karnevalist an. Dann ist Seppenrade wieder im Ausnahmezustand, für den Wittkemper seit 24 Jahren mit verantwortlich ist. Inzwischen auch mit tatkräftiger Unterstützung seiner Kinder: Sohn Jan (21) steckte drei Jahre lang in der traditionellen Figur des Dorfpolizisten und ist inzwischen im Vorstand. Tochter Eva (19) schwingt seit zwei Jahren das Tanzbein in der Garde „Ambossfunken“. Und auch Anne (16) packt allmählich das Karnevalsfieber.

Familiensache: Markus Wittkemper hat seinen Kindern Jan (li.) und Eva offenbar das Karnevals-Gen vererbt.

Familiensache: Markus Wittkemper hat seinen Kindern Jan (li.) und Eva offenbar das Karnevals-Gen vererbt. Foto: privat

Und natürlich mischt auch Ehefrau Mechthild mit. Durch sie kam Markus Wittkemper, der schon als Kind die Feste von „Stabil daobi“ besuchte, in eine Familie, in der der Karnevalsvirus ihn so richtig packte. „Schwiegervater, Schwäger, Freunde – alle waren im Verein und haben gesagt: Du passt hier rein, komm dazu!“ Ehe sich der gelernte Schreiner versah, war er 1993 im Elferrat. „Da hieß es dann: Rote Jacke an, und los geht’s.“

Ein Jahr später war Wittkemper schon zum „Programmdirektor“ im geschäftsführenden Vorstand befördert, nachdem er seinem Vorgänger Ludger Stegt über die Schulter geschaut und das Showgeschäft kennengelernt hatte. „Dann gab es einen Zettel mit ein paar Telefonnummern von Künstlern und Agenturen und die Aufforderung: Mach mal!“, erinnert er sich daran, dass dies in prähistorischen Zeiten ohne Internet noch eine echte Herausforderung war. „Vor der ersten Sitzung war ich echt nervös und gespannt, ob ich alles richtig gemacht habe“, erzählt Wittkemper. Hatte er. Ganz offensichtlich, denn sonst hätte man ihn kaum 17 weitere Auflagen planen lassen . . .

Wenn nach einer halben Stunde die ersten Leute auf den Bänken und Tischen stehen, hast du alles richtig gemacht.

Markus Wittkemper

Eines hat er bei der Suche nach neuen Künstlern schnell gelernt: „Erzählen und schreiben können die viel. Mit der Zeit bekommt man aber ein Gespür dafür, schon im ersten Gespräch beurteilen zu können, wie jemand bei den Leuten tatsächlich ankommen wird“, so Wittkemper. Seine Erfahrung: Teuer ist nicht automatisch gut. „Wir hatten mal Mickie Krause da. Und der war nicht der Hit.“ Es allen recht zu machen, gehe allerdings sowieso nicht, weiß Wittkemper „Aber wenn nach einer halben Stunde die ersten Leute auf den Bänken und Tischen stehen, hast du alles richtig gemacht.“

Darauf hofft er auch in diesem Jahr. Die Aufgabe des Programmdirektors hat Wittkemper jedoch schon vor sechs Jahren weitergegeben. Seit vier Jahren ist er erster Vorsitzender der KG und moderiert als Sitzungspräsident die beiden Veranstaltungen. Was ihm anfangs noch Lampenfieber bescherte („Vor ein paar Hundert Leuten spricht man ja nicht täglich“), macht er inzwischen ganz routiniert. „Große Reden will ja auch keiner von mir hören. Aber manchmal komme ich mir doch vor wie der Pastor, der von der Kanzel spricht.“ Dabei will er gar nicht im Mittelpunkt stehen und betont den Team-Gedanken: „Ohne guten Vorstand taugt der beste Präsident nichts.“

„Stabil daobi“: Markus Wittkemper ist Karnevalist durch und durch

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  • Beim Karneval in Seppenrade geht Markus Wittkemper (weißes Jackett) nicht nur am Rosenmontag bei der Polonaise im Festzelt voran.

    Foto: west
  • Seit vier Jahren gibt er auch als Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft „Stabil daobi“ den Ton bei den Seppenrader Narren an.

    Foto: west
  • Übernommen hatte Markus Wittkemper (re.) das Amt von Ludger Stegt (li.), der 20 Jahre lang Vorsitzender der KG war.

    Foto: west
  • Seither moderiert Markus Wittkemper als Sitzungspräsident auch die Veranstaltung der KG am Rosenmontag im Festzelt, für die er 18 Jahre als Programmdirektor verantwortlich gewesen war.

    Foto: west
  • Das Karnevals-Gen hat Markus Wittkemper weitervererbt: Auch sein Sohn Jan (li.) und seine Tochter Eva sind in der KG aktiv.

    Foto: privat
  • Jan Wittkemper war zwischenzeitlich auch in das traditionelle Kostüm des Dorfpolizisten geschlüpft – eine Figur, die seit jeher aus dem Seppenrader Karneval nicht wegzudenken ist . . .

    Foto: west
  • . . . und mit der viele junge Karnevalisten im Rosendorf aufgewachsen sind. Auf diesem Bild aus dem Jahr 1998 läuft Jan Wittkemper (vorne links) an der Hand des damaligen Dorfpolizisten und langjährigen Vorstandsmitglieds Markus Holtermann – für viele der Start ihrer KG-Karriere.

    Foto: privat
  • Markus Wittkemper ist übrigens nicht nur als Karnevalist aktiv, sondern auch bei der St. Johanni-Schützenbruderschaft Seppenrade. 2009 wurde er dort König – und zeigte damit, dass er nicht nur im weißen Jackett eine gute Figur macht.

    Foto: tm

Apropos Team: Neben den Highlights am Sonntag und Montag freut sich Wittkemper besonders auf den Freitag, wenn im engsten Kreis gefeiert wird. „Da trifft sich nur der Elferrat im Zelt“, verrät er und deutet an, dass es ein besonders feuchtfröhlicher Abend werden könnte. Mit dem Auto wird er danach wohl nicht nach Hause fahren. Man will ja nicht von der Polizei gestoppt werden. Die weiße Weste würde da jedenfalls nicht mehr helfen.

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