Niederländerin Ria Maris bewertet das Wahlergebnis
Wilders-Ergebnis ein Denkzettel

Lüdinghausen -

Ria Maris hat ihre Stimme per Briefwahl abgegeben. Die Niederländerin lebt seit 20 Jahren in Lüdinghausen und kommentiert das Ergebnis so: „Die Niederlande zeigen sich von ihrer besten Seite." Geert Wilders habe mit seiner Partei PVV sein Wahlziel glücklicherweise verfehlt.

Freitag, 17.03.2017, 08:03 Uhr

Die Niederländerin Ria Maris lebt seit 20 Jahren in Lüdinghausen. Natürlich hat sie sich an der Wahl in ihrem Heimatland beteiligt und begrüßt deren Ausgang.
Die Niederländerin Ria Maris lebt seit 20 Jahren in Lüdinghausen. Natürlich hat sie sich an der Wahl in ihrem Heimatland beteiligt und begrüßt deren Ausgang. Foto: ben

„Die Niederlande machen es ihren im Ausland lebenden Bürgern nicht einfach, sich an den Wahlen zu beteiligen.“ Vor jeder Stimmabgabe müsse sie erneut nachweisen, dass sie wahlberechtigt ist und einen sogenannten Wahlpass beantragen. Und dennoch hat Ria Maris , die seit 20 Jahren mit ihrer Familie in Lüdinghausen lebt, ihre Stimme per Brief abgegeben.

Die Niederlande machen es ihren im Ausland lebenden Bürgern nicht einfach, sich an den Wahlen zu beteiligen.

Ria Maris

Das Wahlergebnis kommentiert die 59-Jährige mit einem Satz: „Die Niederlande zeigen sich von ihrer besten Seite." Geert Wilders mit seiner Partei PVV habe von Beginn an keine Chance gehabt, einen Koalitionspartner zu finden – gleich mit welchem Ergebnis. Und das von ihm propagierte Ziel, stärkste Kraft im Parlament in Den Haag zu werden, habe er glücklicherweise deutlich verfehlt.

Dennoch, so Maris, sei der Wahlausgang vom Mittwoch ein Denkzettel: „Wilders hat vier Sitze hinzugewonnen, stellt künftig die zweitstärkste Fraktion im Parlament.“ Die künftige Regierung müsse sich mehr an den Wünschen der Menschen orientieren, findet die studierte Künstlerin.

Die Niederlande zeigen sich von ihrer besten Seite.

Ria Maris

Ihre deutschen Freunde hat Maris schon vor der Wahl zu beruhigen versucht. Für die Niederländer werde es keinen EU-Austritt geben. Für den Brexit hat sie nur ein Kopfschütteln übrig. Die Niederländer wüssten mehrheitlich, was sie an Europa hätten. Der Erfolg des populistischen Auftretens von Wilders habe auch damit zu tun, dass durchaus bestehende Probleme mit Mi­granten im Nachbarland lange Zeit ein Tabuthema gewesen seien.

Aber: „Wir sind eine Demokratie. Und dazu gehört auch eine Opposition.“ Das müsse ein Land aushalten. Eine Opposition ist aus ihrer Sicht „das Wichtigste in einer funktionierenden Demokratie“. Nicht umsonst gebe es in den Niederlanden so viele verschiedene Parteien, die es schafften – ohne eine Hürde bei den Prozentzahlen –, ins Parlament einziehen zu können, künftig sind es 13.

Wir sind eine Demokratie. Und dazu gehört auch eine Opposition.

Ria Maris

Die Regierungsbildung hält Maris für schwierig. „Mindestens vier Parteien sind wohl nötig“, sagt sie mit Blick auf die Kräfteverhältnisse. Klar sei bisher nur, dass die VVD mit Mark Rutte wieder mit der Regierungsbildung beauftragt werde. Als erster möglicher Koalitionspartner stünde die christdemokratische CDA der VVD politisch am nächsten. „Aber die beiden Parteichefs mögen sich nicht“, weiß Maris. Die linksliberale Partei D 66 sei mit ihren voraussichtlich 19 Abgeordneten auch bereit. Selbst die GL (Groenlinks) sei vorstellbar. Ergänzt werden könnte die Regierung durch eine der kleineren Splitterparteien. Eine Koalition unter der VVD mit Mark Rutte benötige mindestens 76 Stimmen im Parlament.

Der in den vergangenen zwei Wochen aufgeflammte Konflikt mit der Türkei und deren Präsident Erdogan habe dem Wahlkampf eine andere Richtung gegeben, ist Maris überzeugt. Das entschlossene Auftreten Ruttes habe ihm Stimmen gebracht. Innenpolitisch sei das gut gewesen. Wie es sich letztlich außenpolitisch auswirken werde, das müsse sich erst noch zeigen.

Wählen zu gehen, ist für die Niederländerin eine Selbstverständlichkeit. „Ich habe auch schon mehrfach bei den Kommunalwahlen in Lüdinghausen meine Stimme abgegeben.“ Freuen würde sie sich, wenn sie auch bei Landtags- oder Bundestagswahlen wählen dürfte: „Wenn jemand schon lange in einem Land lebt und arbeitet, wäre das eine gute Idee.“

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