Mitglieder der Türkisch-Islamischen Gemeinde über das Verfassungsreferendum
„Was hältst Du von Erdogan?“

Lüdinghausen -

In der Türkei stimmen die Menschen am Ostersonntag über eine Verfassungsänderung ab. Wie Türken oder türkisch stämmige Menschen in Lüdinghausen darüber denken, darüber haben Mitglieder der Türkisch-Islamischen Gemeinde Auskunft gegeben.

Donnerstag, 13.04.2017, 09:04 Uhr

Sie bewerten die Situation zwischen der Türkei und Deutschland als nicht einfach: Funda Cetinkaya (r.) und Bülent Kara von der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Lüdinghausen.
Sie bewerten die Situation zwischen der Türkei und Deutschland als nicht einfach: Funda Cetinkaya (r.) und Bülent Kara von der Türkisch-Islamischen Gemeinde in Lüdinghausen. Foto: wer

„In der Moschee spielt Politik keine Rolle“ – daher will sich Funda Cetinkaya eigentlich auch gar nicht zu dem am Sonntag anstehenden Verfassungsreferendum in der Türkei äußern. Klar, dass sie als türkische Staatsbürgerin abgestimmt habe, erklärt die 39-Jährige. Klar sei aber auch, dass bei der Türkisch-Islamischen Gemeinde dieses Thema eher nicht angesprochen werde, wie sie als Vorstandsmitglied des Vereins betont: „Wir in der muslimischen Gemeinde haben Respekt für jeden, egal ob er Ja oder Nein zum Referendum sagt.“

Wir in der muslimischen Gemeinde haben Respekt für jeden, egal ob er Ja oder Nein zum Referendum sagt.

Funda Cetinkaya

Rund 1,4 Millionen in Deutschland lebende Türken durften sich an der Abstimmung über das Referendum, das bei einem mehrheitlichen „Ja“ Präsident Erdogan weitreichende Macht sichern würde, beteiligen. Abstimmen durften sie bis zum vergangenen Sonntag. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 49 Prozent.

Bülent Kara hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg: „Das Referendum stört uns sehr. Das bringt nur Unruhe in unsere Gemeinschaft“, erklärt der 41-Jährige. Er selbst durfte nicht abstimmen. „Ich bin hier geboren, habe die deutsche Staatsbürgerschaft.“ Und dennoch: „Ich stehe auch zur Türkei.“ Schließlich seien die Wurzeln seiner Familie ja dort. Den Türkisch-Islamischen Verein in Lüdinghausen sieht er als neutral an. Und dennoch kommt er in seinem Umfeld nicht um das Thema herum: „Ich bin Deutscher und trotzdem fragt mich jeder: ,Was hältst Du von Erdogan?‘ Ich hasse diese Frage.“ Den in Deutschland lebenden Türken oder türkisch stämmigen Menschen helfe die Debatte um das Referendum letztlich nicht weiter.

Ich bin Deutscher und trotzdem fragt mich jeder: ,Was hältst Du von Erdogan?‘

Bülent Kara

„Wir müssen hier vor unserer eigenen Tür gucken. Wir leben hier“, sagt Bülent Kara. Die seit vielen Jahrzehnten bestehende Freundschaft zwischen der Türkei und Deutschland leide zunehmend unter der Situation. Auch ihm gefalle es nicht, wenn Menschen unschuldig ins Gefängnis säßen. Aber: „Wenn jemand mit so großer Mehrheit gewählt worden ist, scheinen die Leute ja zufrieden gewesen zu sein.“

Auch Funda Cetinkaya, die in Lüdinghausen geboren ist, betrachtet die aktuelle Situation als nicht glücklich. Ihre Staatsbürgerschaft habe sie bewusst gewählt: „Ich bin stolz, Türkin zu sein.“ Und so seien Lüdinghausen und die Türkei für sie gleichsam Heimat. Ihr Lebensmittelpunkt aber sei immer die Steverstadt gewesen.

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