Nabu-Mitarbeiter kritisiert Mähaktion des Kreises
„Zwei Meter sind total überzogen“

Seppenrade -

Völlig übertrieben ist in den Augen von Erich Hirsch, der sich ehrenamtlich für den Naturschutzbund engagiert, der Grünschnitt an der K 16 in der Seppenrader Bauerschaft Ondrup ausgefallen. Der Kreis habe dort doppelt so viel Grün gestutzt, wie aus Sicherheitsgründen erforderlich gewesen wäre. Das sieht die Behörde anders.

Mittwoch, 10.05.2017, 12:05 Uhr

Erich Hirsch kann es nicht fassen: Zwei Meter breit sei die Natur an der Kreisstraße niedergemäht worden – doppelt so breit wie nötig, um die Sicht der Autofahrer nicht zu beeinträchtigen. Leidtragende sei die Natur.
Erich Hirsch kann es nicht fassen: Zwei Meter breit sei die Natur an der Kreisstraße niedergemäht worden – doppelt so breit wie nötig, um die Sicht der Autofahrer nicht zu beeinträchtigen. Leidtragende sei die Natur. Foto: Christian Besse

Erich Hirsch schüttelt nur den Kopf, wenn er die abgemähte Fläche an der K 16 in Seppenrade-Ondrup betrachtet. Der Grund: Der Kreis Coesfeld habe entlang der Kreisstraße doppelt so viel Grün zurückgestutzt, wie zum Schutz der Autofahrer überhaupt notwendig sei. Leidtragende sei die Natur – die Pflanzen und die von ihr direkt oder indirekt lebenden Vögel, Falter und Insekten.

„Man mäht ja, um der Verkehrssicherheit Genüge zu tun. Aber zwei Meter sind total überzogen“, sagt der 76-jährige Lüdinghauser, der sich ehrenamtlich für den Naturschutzbund (Nabu ) engagiert. „Pflanzen, die teilweise auf der Roten Liste stehen, werden vernichtet, und auch ihr Samenpotenzial.“

Ich habe hier noch vor 14 Tagen, bevor gemäht wurde, Eier vom Aurorafalter gefunden. Die sind auch vernichtet.

Erich Hirsch

Als Beispiel nennt der Rentner die Hohe Schlüsselblume, die den Mähern des Kreisbauhofs Coesfeld zum Opfer gefallen sei. „Die wird im nächsten Jahr zwar wiederkommen, aber ihr Samenpotenzial ist weg.“ Auch das Wiesenschaumkraut, das noch vor kurzem mehr als einen Meter entfernt von der K 16 gewachsen sei, sei verschwunden. „Da war ein großer Bestand“, zeigt Hirsch auf die abgemähte Fläche. „Das Wiesenschaumkraut ist wichtig für den Aurorafalter. Der nutzt diese Pflanze zur Eiablage. Ich habe hier noch vor 14 Tagen, bevor gemäht wurde, Eier vom Aurorafalter gefunden. Die sind auch vernichtet.“

Vorschriften

Betroffen von der aus seiner Sicht überzogenen Aktion seien auch weitere Tiere: „Die ganzen insektenfressenden Vögel, die Schwalben und Mauersegler, finden hier jetzt keine Nahrung mehr. Ich frage mich, warum . . . Das muss doch nicht sein.“

Andreas Tanger, zuständiger Leiter des Kreisbauhofs Coesfeld, hat für die Bedenken Erich Hirschs wenig Verständnis: „Wir haben unsere Mäher, und damit machen wir die Straßenränder frei. Wenn es im Sichtbereich der Autofahrer ist, kommt das Zeug runter. Das ist halt so.“ Das Argument des Nabu-Mitarbeiters, dass ein Meter abgemähtes Gras für die Verkehrs­­-sicherheit ausreichend sei, teilt der Fachmann aus der Verwaltung nicht: „Ich kann keine Bienen dadurch retten, dass ich die Autofahrer in Gefahr bringe. Und wir müssen uns auch an unsere Vorschriften halten.“

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