Auf in den Norden!
Inklusion: So geht‘s in Schweden

Lüdinghausen -

Schüler respektive Studenten des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs und der Katholischen Fachhochschule Münster haben sich in Schweden angesehen, wie dort das Zusammenleben von Menschen mit und ohne Behinderung funktioniert.

Dienstag, 20.06.2017, 09:06 Uhr

Jonas Pelster, Elisa Schneider und Barbara Heidemann (v.l.) gehörten zu den 49 Personen, die nach Schweden reisten.
Jonas Pelster, Elisa Schneider und Barbara Heidemann (v.l.) gehörten zu den 49 Personen, die nach Schweden reisten. Foto: Bettina Laerbusch

Nein, findet Jonas Pelster , ein Wunderland sei Schweden nicht. Doch er und auch Elisa Schneider sind schon angetan von dem, was sie in diesem Land am Meer sechs Tage lang erleben und beobachten durften. Beide studieren berufsbegleitend am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg und gehörten zu einer Delegation von 49 Schülern, Studenten und Lehrern des Berufskollegs sowie der Katholischen Fachhochschule Münster , die sich im Nachbarland ansahen, wie dort Inklusion funktioniert.

Der Ansatz, sagen beide, sei in Schweden ein ganz anderer. Die meisten Menschen mit Behinderung würden dort individuell meist von persönlichen Assistenten betreut und in den eigenen vier Wänden leben. Das sei die Regel. Diese Assistenten müssten nicht zwingend Fachkräfte, es könnten auch Freunde oder Familienangehörige sein. Große Einrichtungen, wie sie etwa die Alexianer in Münster betreiben oder wie es die Kinderheilstätte in Nordkirchen ist, in der beide arbeiten, gebe es in Schweden nicht. Maximal sechs bis acht Personen lebten in Häusern zusammen. Auch Werkstätten für behinderte Menschen fände man in Schweden nicht, ergänzt Barbara Heidemann, Lehrerin im Bildungsgang Heilerziehungspflege am Berufskolleg. Sie gehörte zur Delegation; ihre persönlichen Kontakte zur Katholischen Fachhochschule hatten die Reise auch für die 14 Berufskollegschüler möglich gemacht, die diese übrigens selbst bezahlten.

„Die Haltung der Menschen dort ist eine andere“, bringt es Elisa Schneider auf den Punkt – und sie meint damit die gesamte schwedische Gesellschaft, nicht nur Menschen mit Handicap. Denen würde mehr zugetraut, ihre Selbstbestimmung und ihre Teilhabe seien selbstverständlicher. In Restaurants in Schweden, sagt Barbara Heidemann, habe sie oft Gäste gesehen, denen ganz selbstverständlich Essen angereicht wurde, denen also jemand beim Essen half. „Sieht man das hier?“

„Die Menschen mit Behinderung werden als Arbeitgeber verstanden“, berichtet Elisa Schneider. Sie würden anders wertgeschätzt als in Deutschland. Die 24-Jährige weiter: „Es war toll zu sehen, dass das, was wir in der Schule lernen, dort auch angewandt wird.“ In Deutschland erfolge die Umsetzung der guten Theorie in die Praxis nur ansatzweise. Die Rahmenbedingungen seien in Schweden aber auch besser, es gebe schlicht mehr Personal, unterstreichen alle drei. Doch optimal sei die Situation auch dort nicht, das hätten die Schweden selbst betont.

Dennoch: „Ich habe gesehen, wo es hingehen könnte“, nennt Jonas Pelster ein Fazit, das er aus der Reise gezogen hat.

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