Umbau der ehemaligen Ludgerkirche
Freie Christengemeinde „Gottes Wort“ errichtet Gemeindezentrum

Lüdinghausen -

Pfingsten wurde die bisherige Ludgerkirche profaniert und an die freie Christengemeinde „Gottes Wort“ übergeben. Deren Gemeindemitglieder haben seitdem im Inneren schon einiges verändert. Für den Start der großen Umbauarbeiten fehlt noch die Genehmigung des Kreises Coesfeld.

Donnerstag, 20.07.2017, 10:07 Uhr

Ungewohnter Anblick: Im Inneren der ehemaligen Ludgerkirche hat sich seit der Übergabe an die freie Christengemeinde „Gottes Wort“ bereits einiges verändert. Unter anderem dient ein „Stoffhimmel“ als Schallschutz. Und die Bänke wurden weitgehend durch Stühle ersetzt.
Ungewohnter Anblick: Im Inneren der ehemaligen Ludgerkirche hat sich seit der Übergabe an die freie Christengemeinde „Gottes Wort“ bereits einiges verändert. Unter anderem dient ein „Stoffhimmel“ als Schallschutz. Und die Bänke wurden weitgehend durch Stühle ersetzt. Foto: Anne Eckrodt

Der eigentliche Umbau hat noch gar nicht begonnen, da die Genehmigung des Kreises Coesfeld noch aussteht. Dennoch sind die Veränderungen im Inneren der ehemaligen Ludgerkirche, die die freie Christengemeinde „Gottes Wort“ gekauft hat, unübersehbar. Große weiße Tücher unter der Decke wirken wie ein Himmel. „Die haben wir aus Schallschutzgründen aufgehängt, denn wir gestalten unsere Gottesdienste multimedial und mit viel Musik“, erzählt Ivan Stukert . Der 33-Jährige ist Pastor und Vorsitzender des Dachvereins der Christengemeinde „Gottes Wort“, die als evangelisch-pfingstliche Freikirche Teil der weltweiten Pfingstbewegung ist.

Wir empfinden diese Fenster als ein Geschenk.

Ivan Stukert

Da passen die Fenster an der Rückwand der Kirche, die das Pfingstgeschehen rund um die Entsendung des Heiligen Geistes darstellen, wunderbar. „Wir empfinden diese Fenster als ein Geschenk“, schwärmt Stukert, dessen Bruder Andrej Stukert als Pastor die Lüdinghauser Gemeinde leitet.

In dem hinteren Bereich sind auch die umfangreichsten Veränderungen geplant. Dort werden Zwischendecken eingezogen, um im Erdgeschoss sowie in zwei weiteren Stockwerken vor allem Platz für Gruppenräume zu schaffen. Außerdem entstehen barrierefreie Toiletten und eine Küche. „Und es gibt künftig im Erdgeschoss einen Mutter-Kind-Raum mit einer Panoramascheibe zum Kirchenraum hin, so dass sich Gottesdienste auch von dort aus verfolgen lassen“, berichtet Stukert. Denn: „Uns ist eine familiengerechte Gestaltung unseres Gemeindezentrums ganz wichtig, damit sich Familien hier wohl fühlen.“

Bei uns läuft alles auf freiwilliger Basis in Form von Spenden.

Ivan Stukert

Rund 120 Besucher kommen regelmäßig zu den Sonntagsgottesdiensten der Christengemeinde „Gottes Wort“, die in Lüdinghausen zurzeit circa 50 Mitglieder hat. Diese zahlen – anders als Katholiken und Protestanten – keine Kirchensteuer. „Bei uns läuft alles auf freiwilliger Basis in Form von Spenden“, erläutert Stukert. Mit den Geldern sowie Krediten stemmt die Gemeinde den Kauf der Kirche sowie den Umbau. Für Letzteren kalkuliert Stukert mit rund 250 000 Euro. An den Wochenenden fassen die Gemeindemitglieder selbst mit an. „Ein Gruppenraum unter dem Dach ist bereits fertig und wird auch schon fleißig vor allem von den Kindern und Jugendlichen genutzt“, erzählt er. Unterstützung bekommen die Lüdinghauser auch durch die Baufirma Formica in Waltrop, die zum Dachverein der Christengemeinde „Gottes Wort“ gehört und unter anderem Beschäftigungsmaßnahmen für Suchtpatienten anbietet. Stukert ist sich durchaus bewusst, dass es sich bei der Übernahme und dem Umbau der Kirche zum Gemeindezentrum um ein Mammutprojekt handelt, Sorgen bereitet es ihm dennoch nicht: „Wir haben in Bochum ein ähnliches Immobilienprojekt umgesetzt. Da haben wir anfangs auch gedacht, ob wir das wohl schaffen werden. Heute platzt das Haus aus allen Nähten, weil der Zulauf so groß ist.“

Ökumenische Gottesdienste

Waren es anfangs vor allem Menschen mit Migrationshintergrund – oftmals aus den ehemaligen Ostblockstaaten –, kommen in jüngster Zeit auch Flüchtlinge und zunehmend Deutsche zu den Angeboten der Christengemeinde. „Unser Ziel ist es, dass sich jeder zu Hause fühlt und seine eigene Geschichte und Kultur einbringt“, betont Stukert. Dass die freien Gemeinden wie „Gottes Wort“ – im Gegensatz beispielsweise zur katholischen und evangelischen Kirche – großen Zulauf erfahren, begründet der Pastor damit, dass sie am Puls der Zeit seien. „Unsere Gesellschaft verändert sich gerade gewaltig. Da muss sich die Kirche ebenfalls verändern und Lösungen für Herausforderungen wie die Flüchtlingswelle anbieten. Während andere da die Tür zugemacht haben, haben wir uns den Menschen geöffnet“, sagt Stukert.

Apropos: Die Türen des neuen Gemeindezentrums „Gottes Wort“ stehen allen offen. „Es schauen auch immer mal Leute der früheren St.-Ludger-Gemeinde vorbei. Darüber freuen wir uns sehr, wenngleich uns natürlich bewusst ist, dass der Umbau ihrer Kirche für sie mit vielen Emotionen verbunden ist“, macht Stukert deutlich.

Er hofft darauf, dass die Baugenehmigung spätestens im Herbst vorliegt. Für die Arbeiten kalkuliert er mit rund sechs Monaten. „Wir hoffen, dass im Frühjahr 2018 alles fertig ist.“ Dann will die Christengemeinde auch zu ökumenischen Gottesdiensten einladen.

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