Hochsaison für Lohnunternehmen
Getreideernte ist so gut wie abgeschlossen

Seppenrade -

Ihren Mann hat sie in den vergangenen Wochen kaum zu Gesicht bekommen. Doch das ist für Michaela Schrey Alltag – zumindest, wenn die Getreideernte auf Hochtouren läuft. Die 50-Jährige kümmert sich dann nicht nur um die Büroarbeit im Lohnunternehmen Schrey und Lendermann, sondern kocht auch täglich für das komplette Mitarbeiterteam.

Mittwoch, 09.08.2017, 10:08 Uhr

Es staubt gewaltig: Wenn Hendrik Hölper mit einem der acht Mähdrescher des Lohnunternehmens Schrey und Lendermann seine Runden auf dem Weizenfeld dreht, zieht er eine große Wolke hinter sich her. Die Trockenheit im Frühjahr, aber auch die anschließenden starken Regenfälle bescheren den Landwirten erhebliche Ernteeinbußen.
Es staubt gewaltig: Wenn Hendrik Hölper mit einem der acht Mähdrescher des Lohnunternehmens Schrey und Lendermann seine Runden auf dem Weizenfeld dreht, zieht er eine große Wolke hinter sich her. Die Trockenheit im Frühjahr, aber auch die anschließenden starken Regenfälle bescheren den Landwirten erhebliche Ernteeinbußen. Foto: Anne Eckrodt

Michaela Schrey hat sich gerade hingesetzt und angefangen zu erzählen, als sich der Funk im Büro des landwirtschaftlichen Lohnunternehmens Schrey und Lendermann meldet. „Das kann jetzt mal warten“, sagt die 50-Jährige und bringt die Anlage per Knopfdruck zum Schweigen. Ein Moment mit Seltenheitswert in diesen Wochen. Denn seit Ende Juni ist Hochsaison auf den Feldern. Erst Wintergerste, dann Raps, Roggen und jetzt Weizen sowie Triticale, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen.

Es sieht so aus, als ob wir heute die letzten Dreschaufträge abgearbeitet bekommen.

Michaela Schrey

„Es sieht so aus, als ob wir heute die letzten Dreschaufträge abgearbeitet bekommen“, ist Michaela Schrey am frühen Montagabend zuversichtlich. Was gut wäre, denn für den nächsten Tag ist schon wieder Regen angekündigt. Der tägliche Spagat, den Landwirte und Lohnunternehmer Hand in Hand bewältigen. „Damit sind wir in diesem Jahr früh dran. In der Vergangenheit haben wir auch schon bis zum Rosenfest oder gar bis Anfang September gedroschen“, weiß Michaela Schrey.

Eine Zeit, in der die vierfache Mutter mehr denn je gefordert ist. Im Büro des Unternehmens an der Dülmener Straße, wo es gilt, Termine zu koordinieren, aber auch Ersatzteile für den Maschinenpark zu organisieren. Denn nicht nur die Mitarbeiter, auch die Maschinen sind seit Ende Juni im Dauereinsatz. Da kann ein Arbeitstag schon mal von 7 Uhr bis spät in die Nacht andauern – „dann natürlich im Schichtsystem“, betont Michaela Schrey.

Gute Stimmung

Sie ist sich der Belastung für das Team bewusst. Kümmert sich darum, dass die Stimmung dennoch gut bleibt: „Wer Geburtstag hat, soll auch in der Hauptsaison mal etwas eher gehen dürfen.“ Außerdem serviert sie den Mitarbeitern – neben der zehnköpfigen Stammbelegschaft kommen noch mal rund zehn Saisonkräfte dazu – nicht nur morgens ein Frühstück. Abends ist der Tisch im großen Aufenthaltsraum ebenfalls gedeckt. „Dann sitzt die Mannschaft dort noch etwas zusammen, um runter zu kommen“, erzählt Michaela Schrey.

Als die Kinder noch klein waren, bedeutete dies auch für sie einen Spagat. „Sobald das Frühstück fertig war, sind wir ins Freibad. Gegen 17 Uhr ging es dann mit den Vorbereitungen fürs Abendessen los. Meinen Mann habe ich in der Zeit kaum zu Gesicht bekommen“, sagt die 50-Jährige. Und mit einem Schmunzeln fügt sie hinzu: „Letzteres ist auch heute während der Hochsaison noch so.“

Urlaub findet für uns hauptsächlich in den Osterferien statt, da wir noch schulpflichtige Kinder haben.

Michaela Schrey

Doch der Einsatz zahlt sich aus. Nicht nur die Festangestellten halten dem Lohnunternehmen zum Teil seit Jahrzehnten die Treue. Auch die Saisonkräfte sind größtenteils schon sehr lange dabei. Ob Mechaniker, Hausmeister oder Steuerberatergehilfe – die berufliche Bandbreite derer, die immer wieder ihren Urlaub opfern, um sich für Schrey und Lendermann hinter das Steuer eines Mähdreschers zu schwingen, ist groß.

Apropos Urlaub: „Der findet für uns hauptsächlich in den Osterferien statt, da wir noch schulpflichtige Kinder haben“, sagt Michaela Schrey. Die Herbstferien kommen dafür nicht in Frage. Dann steht die Maisernte in den Auftragsbüchern.

Getreideernte: Ertragseinbußen von 20 bis 30 Prozent

Die enorme Trockenheit im Frühjahr – vor allem im Juni – hat dem Getreide erheblich geschadet. „Gerade auf den leichteren Böden hier in Seppenrade könnten wir jeden Tag Regen gebrauchen“, sagt Antonius Vormann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Lokalvereins (LOV) Seppenrade. Er rechnet daher beim Getreide mit Ernteeinbußen von durchschnittlich 20 bis 30 Prozent gegenüber den Vorjahren. Ähnliches berichtet auch Berthold Schulze Meinhövel, Vorsitzender des LOV Lüdinghausen. „Auf den schwereren Böden waren die Gerstenerträge zwar noch relativ gut, auf leichteren Böden hingegen haben wir auch Ertragseinbußen zu verzeichnen“, so Schulze Meinhövel. Beim Weizen rechnet er ebenso wie Vormann mit Rückgängen von rund 20 Prozent. Immerhin: Die Maisernte im Herbst verspricht gut zu werden, darin sind sich Vormann und Schulze Meinhövel einig.

...
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5064863?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F
Nachrichten-Ticker