Deutsch-Niederländische Gesellschaft feiert Geburtstag
Land vieler Minderheiten

Lüdinghausen -

Vor 70 Jahren wurde sie gegründet. Diesen runden Geburtstag feierte die Deutsch-Niederländische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft NRW am Samstag im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen. Dabei gab es Einblicke in die niederländische Identität von einem, der es wissen muss.

Montag, 23.10.2017, 10:10 Uhr

Feierten das 70-jährige Bestehen der Deutsch-Niederländischen Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft NRW (v.l.): Klaus Wegener, Peter W. Wahl, Rainer Frickhöfer, Dr. Elisabeth Schwenzow, Josephine Kleyboldt, Prof. Friso Wielenga und Karl-Heinz Kocar (Deutsch-Polnische Gesellschaft).
Feierten das 70-jährige Bestehen der Deutsch-Niederländischen Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft NRW (v.l.): Klaus Wegener, Peter W. Wahl, Rainer Frickhöfer, Dr. Elisabeth Schwenzow, Josephine Kleyboldt, Prof. Friso Wielenga und Karl-Heinz Kocar (Deutsch-Polnische Gesellschaft). Foto: Arno Wolf Fischer

Mit einem Festakt im Kapitelsaal feierte die Deutsch-Niederländische Gesellschaft in der Auslandsgesellschaft NRW am Samstag ihr 70-jähriges Bestehen. Der Vorsitzende Rainer Frickhöfer begrüßte die Mitglieder und Gratulanten und blickte auf die Gründungszeit zurück: „Damals waren die Beziehungen alles andere als gut, doch sie haben sich sehr zum Positiven gewandelt.“ Da die Gesellschaft zahlreiche Mitglieder aus dem Münsterland hat, fand die Feier zum runden Geburtstag in Lüdinghausen statt.

Die Organisation möchte laut Frickhöfer vor allem drei Dinge erreichen: „Kenntnisse über die Niederlande vermitteln, den Kontakt stärken und Sympathie wecken“. Zu diesem Zweck finden zahlreiche Fahrten und Veranstaltungen rund um das Thema Länderkunde statt.

Bleiben Sie weiter so aktiv!

Klaus Wegener

Als Gratulant war der Präsident der Auslandsgesellschaft NRW, Klaus Wegener, zu Gast im Kapitelsaal. „Ich war noch nie in Lüdinghausen, und es ist wirklich wunderschön hier“, stellte er im Hinblick auf den Veranstaltungsort fest. An seine Zuhörer appellierte er: „Bleiben Sie weiter so aktiv!“ Peter W. Wahl, Vorsitzende der Europa-Union NRW, gratulierte ebenfalls zum Jubiläum. Und die stellvertretende Bürgermeisterin Josephine Kleyboldt stellte im Namen der Stadt klar: „Wir heißen Sie hier immer herzlich willkommen.“ In ihrem Grußwort hob sie die Bedeutung eines vereinten Europas hervor und lobte die Arbeit der Gesellschaft: „Ich danke Ihnen allen für ihren Einsatz für die europäische Idee, die hier und heute zum Ausdruck kommt.“

Grenzübergreifende Zusammenarbeit

Über die praktische grenzübergreifende Zusammenarbeit bei der Euregio berichtete deren Geschäftsführerin Dr. Elisabeth Schwenzow. So sind etwa die Anerkennung von Schulabschlüssen, die Verkehrs- und Wirtschaftsverbindungen und die neutrale Beratung der Bürger Themen der Institution. Dabei verwies sie auf eine positive Gesamtentwicklung und erklärte: „Wir sind schon auf einer sehr hohen Vertrauensbasis. Europa wird auch in der Kommunalpolitik gelebt.“

Den Niederländer an sich gibt es aber nicht.

Friso Wielenga

Festredner Prof. Friso Wielenga, der das Zentrum für Niederlande-Studien an der Universität Münster leitet, referierte über die niederländische Identität. Der Historiker erklärte zunächst: „Identität ist in Zeiten zunehmender Rückbesinnung auf das Eigene ein empfindliches Thema geworden. Den Niederländer an sich gibt es aber nicht.“ Gerade die regionalen Identitäten innerhalb der Niederlande werden oft unterschätzt. Zu den bekannten Klischees über das Nachbarland gehört die vermeintliche Konsensorientiertheit, die sich aber vor allem aus Pragmatismus ergibt. Auch die den Niederländern zugeschriebene Toleranz war Thema des Vortrages. Wielenga stellte dazu klar: „Es gibt zwar eine Tradition der pragmatischen Toleranz, aber sie sollte nicht idealisiert werden.“ Im Hinblick auf die heutige Situation machte er deutlich: „Wir sind leiser und selbstkritischer geworden.“ Er warnte vor Vereinfachungen und charakterisierte die Niederlande schließlich als ein „Land vieler Minderheiten“, in dem vor allem die Idee der „Einheit und Vielfalt“ zentral ist. Für die musikalische Untermalung der Feierstunde sorgten Rima Ideguchi und Fabian Liedtke mit ihren Posaunen.

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